Tierischer Schmuck: In Freundschaft miteinander verfl ochten

19. Juni 2019
Geflochten wird mit sechs, acht oder sogar 20 Strängen. Das Flechtwerk kann rund oder viereckig, ein- oder mehrfarbig gestaltet werden Foto: Viola Krauss

Ganz ohne einem Tier ein Haar zu krümmen, geht es nicht, wenn Astrid Pfl eghaar Schmuckstücke fertigt. Aber keine Angst: Ihr Handwerk tut den Vierbeinern kein bisschen weh. Eine fi ngerdicke Strähne aus einem Pferdeschweif reicht schon für ein wahrhaft tierisches Kunstwerk. Die 41-Jährige macht daraus Armbänder, Colliers oder Ohrringe.

Fronreute – Blitzschnell bewegen sich die zehn Finger. Während Daumen, Zeige- und Mittelfi nger beider Hände die rotbraunen Stränge über- und untereinander hin- und her winden, halten die Ring- und kleinen Finger die gerade nicht benötigten Stränge. Nach einigen Minuten fleißigem hinund her huschen der muskulösen Finger, ist aus sechs Strängen ein ebenmäßiges Flechtwerk entstanden, das Astrid Pfleghaar jetzt zu einer Schlaufe biegt. Sie schiebt die zuvor ausgesuchte Großlochperle darüber und nimmt die beiden offenen Enden mit den nun insgesamt zwölf Strängen wieder in die Finger. Nach einer Stunde konzentriertem Arbeiten ist unter ihren geübten Händen ein geflochtener, mit zwei Schmuckelementen verzierter Schlüsselanhänger mit einer Quaste entstanden.

Mit Tieren aufgewachsen

Wenn Astrid Pfleghaar aus dem Wohnzimmerfenster schaut, dann sieht sie über ihren Garten hinweg direkt auf den Auslauf ihrer beiden Rösser. Seit ihrer Jugend ist die 41-Jährige Pferdefreundin und Reiterin und weiß um das Band, das Menschen mit ihren Vierbeinern verbindet. „Ich bin mit Tieren aufgewachsen und kann mir ein Leben ohne diese treuen Begleiter nicht vorstellen. Vielen Tierbesitzern geht es ähnlich. Wir Tierbesitzer sind Menschen, die ihre Verbindung zu ihren Tieren auch gerne ausdrücken oder eine Erinnerung an sie haben wollen“, erklärt die Mutter dreier Töchter.

Vor rund zehn Jahren entdeckte die studierte Betriebswirtin die Schmuckherstellung mit Pferdehaar. Nach dem Auskämmen des Schweifes ihrer Stute Stella stellte sie beim Säubern der Bürste mal wieder fest, wie stabil schon ein einzelnes Pferdehaar ist. „Ich dachte mir, da muss man doch was draus machen können“, erinnert sie sich. Zumal sie auch schon seit ihrer Kindheit immer gerne gebastelt oder gezeichnet hat. Astrid schnitt also eine Strähne aus Stellas Schweif und machte daraus eine Art Kordel, die sie mit einigen Perlen schmückte. „Es sah nicht schlecht aus, ich habe weitergemacht, verschiedene Techniken und Varianten ausprobiert – von Perlen auf ein einzelnes Haar aufgefädelt, bis hin zu Knüpf- und Flechtarbeiten.“

Naturvölkern abgeschaut

Schon bald wurde sie von Freunden und Bekannten auf den außergewöhnlichen Schmuck angesprochen, den sie an Hals oder Handgelenken trug. Es folgten Ohrringe, Schlüsselanhänger und weitere Arbeiten, die sie für andere Pferdeliebhaber aus dem Schweifhaar von deren Vierbeinern fertigte. Mit jedem Stück, das sozusagen „zur Schau getragen wurde“, vergrößerte sich das Echo auf ihre Handarbeit. „Die Leute waren total begeistert“, erinnert sie sich. Irgendwann entschloss sie sich daher, ihre immer weiter verfeinerte Fertigkeit übers Internet anzubieten und sich damit ein kleines Taschengeld dazu zu verdienen.

„Pferdehaar ist ein einzigartiges Naturprodukt aus dem schon vor langer Zeit viele Naturvölker Alltagsgegenstände und Schmuckstücke fertigten“ erklärt Astrid. „Es ist dauerhaft haltbar, sehr stabil und in den verschiedensten Farben vorhanden.“ Natürlich bedeutet es vor allem Pferdefreunden sehr viel, ein Armband oder ein Collier aus den Haaren Ihres vierbeinigen Freundes zu tragen. Rund- oder viereckig gefl ochten, mit sechs, acht oder sogar 20 Strängen, einfarbig oder meliert, mit Quer- oder Längstreifen, sogar ein Fischgrätmuster kann die fingerfertige Schmuckgestalterin anbieten.

Alles, was Astrid dazu braucht, ist eine etwa fingerdicke Strähne aus dem Schweif eines Pferdes. Mit echten Zuchtperlen, Halbedelsteinen und Elementen aus Silber oder Metall entstehen so individuelle Schmuckunikate. „Ich habe Kunden in der Schweiz, aber auch in Ostfriesland, erklärt sie lachend.

Erinnerungen schaffen

Mittlerweile verarbeitet sie auch Haare von Katzen, Hunden, Kaninchen und sogar Kühen. „Auch mit Federn von Enten, Hühnern oder Ziervögeln lassen sich schöne Schmuckstücke oder auch Traumfänger anfertigen“, erklärt die kreative Frau. Oft kennt Astrid die mal schöne, mal traurige Geschichte zu dem jeweiligen Tier, dessen Haare sie zu einem Schmuck- oder Erinnerungsstück verarbeitet. „Mir bereitet es große Freude, wenn ich mit meiner Fertigkeit und meinem Herzblut eine bleibende Erinnerung an einen tierischen Freund schaffen kann. “

Manch einer, der von Astrids Kunsthandwerk hört, mag sich bei der Vorstellung, Pferde- oder andere Tierhaare als Schmuck zu tragen, erstmal schütteln. Wer jedoch beispielweise ein Armband zuerst sieht, bevor er weiß, aus welchem Material es gemacht ist, der ist meist sofort begeistert. „Die Haare werden ein-oder mehrmals gewaschen. Das heißt, so ein Schmuckstück riecht nicht nach Pferd oder Hund, auch nicht, wenn es nass wird“, erklärt die Schmuckgestalterin.

Kunst des Feuers

Neben dem Tierhaar-Schmuck entstehen in Astrids Kreativraum auch ganz besondere Tierbilder. Die 41-Jährige widmet sich seit einigen Jahren auch der Brandmalerei. „Diese alte Technik des Einbrennens wird auch die ‚Kunst des Feuers‘ oder Pyrographie genannt und ist eine sehr alte traditionelle Volkskunst“, erklärt sie. Früher wurde mit Metallwerkzeugen, welche über Feuer zum Glühen gebracht wurden Holz, Leder oder Kork mit Motiven und Mustern verziert. Heute wird mit einem elektrischen Brennstab, ähnlich einem Lötkolben, mit unterschiedlich dicken Brennspitzen gearbeitet. „Zusätzlich verwende ich auch noch andere Methoden, wie zum Beispiel ein Gravur- beziehungsweise Schleifgerät und einen Gasbrenner“, sagt sie. Die Tierabbildungen, ob auf Frühstücksbrettchen, Klingel- oder Namensschilder gebannt, sollen am Ende so realistisch wie möglich aussehen. Alles wird von Hand gestaltet.

Egal ob Armband oder Türschild mit Brandmalerei -wer ein tierisches Kunstwerk von Astrid in den Händen hält, der sieht und spürt die Verbindung zum Tier oder wie Astrid es ausdrückt: „Tiere hinterlassen Spuren und bleiben uns damit immer in Erinnerung.“

 

Astrid Pfleghaar, Ruprechtsbruck 15, 88273 Fronreute, Tel: 0170-8059909: Mo - Fr 14 - 18 Uhr
www.tierische-kunstwerke.de.

Viola Krauss

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