Mitreden statt motzen
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19. Februar 2019
Hier geht‘s lang in den Gemeinderat Foto: SUM

Geschimpft ist schnell mal, wenn einem der Ausbau des Radweges zu langsam geht oder die Kindergartengebühren erhöht werden. Demokratie lebt aber vom Mitwirken – besonders auf lokaler Ebene. Am 26. Mai ist Kommunalwahl. Wer kandidiert, hat die Chance, sein Lebensumfeld mitzugestalten. Das WOCHENBLATT hat sich bei Gemeinderäten umgehört. Sie sind sich einig: Mitmachen lohnt sich.

Region – Fragt man Bürgermeister nach ihren Wünschen für eine zufriedenstellende Gemeinde- oder Stadtpolitik, dann stehen neben ausreichend finanziellem Spielraum auch oft Bürger auf der Wunschliste, die sich und ihr Wissen und ihre Meinung einbringen – und zwar als Gemeinderat. „Ich hoffe, dass sich viele, gerade junge Menschen und Frauen, trauen, diesmal für den Gemeinderat zu kandidieren“, sagt zum Beispiel Isnys Bürgermeister Rainer Magenreuter.

Das hat auch Simon Weiß 2014 gemacht: „Mir war wichtig, dass auch junge Erwachsene im Gremium einen Platz finden und Leutkirch mitgestalten können“ sagt Leutkirchs jüngster Gemeinderat. Und Philipp Schmid, Gemeinderat in Kißlegg, ergänzt: „Es gehört ein gut durchgemischtes Altersspektrum in dieses Gremium, um die Interessen aller Bürgerschichten bestmöglich zu vertreten.“

Patricia Thiermann-Haase war vor ihrer Wahl in den Gemeinderat bereits Kirchengemeinderätin in Wangen. Nach einer Anfrage der CDU-Gemeinderatsfraktion, ob sie für die CDU kandidieren wolle, hat sie sich zunächst ein paar mal als Zuhörerin in Sitzungen gesetzt und die Gremienarbeit live beobachtet. „So konnte ich mir gut vorstellen konstruktiv mitzuarbeiten und neue Ideen einzubringen, zumal Frauen und junge Menschen untervertreten waren.

Doch nicht nur der Allgemeinheit bringt das Ehrenamt mit Aufwandsentschädigung etwas: So hat es Kai Wanner, junger Gemeinderat aus Wangen sehr bereichert, dass er die Abläufe sieht, die hinter einem städtischen Verwaltungsapparat stecken. „Als normaler Bürger äußert man schnell Unverständnis gegenüber manchen Entscheidungen, welche sich aber mit einem Blick hinter die Kulissen gut nachvollziehen lassen“, sagt er.

Sein Leutkircher Kollege Simon Weiß sieht in der Gemeinderatsarbeit ein großes Gestaltungsspektrum. „Die Unterstützung unserer Kindergärten und Schulen, die Ausweisung von neuen bezahlbaren Bau- und Gewerbegebieten. Die aktive Mitgestaltung der Innenstadtentwicklung...“ Philipp Schmid ergänzt: Wenn man hinter einem Thema stehe, könne man wirklich einiges bewegen.

Silvia Ulrich, Beurener Ortsvorsteherin und Gemeinderätin in Isny empfindet die Gemeinderatsarbeit als  spannend, vielfältig, interessant, manchmal auch als anstrengend. Aber: Man lerne viele Menschen kennen und schätzen. Zudem wachse man persönlich durch die Diskussionen. Natürlich ist in der Kommunalpolitik nicht immer alles Eitel Sonnenschein. Patricia Thiermann-Haase dazu: „Gerade am Anfang tat ich mir schwer, wenn mein Standpunkt im Rat keine Mehrheit bekam, auch wenn ich meiner Meinung nach die besten Argumente hatte. Aber das gehört nun einmal auch zur Demokratie.“ Obwohl sie bereits seit 2004 kommunalpolitisch engagiert ist, knabbert  ihre Isnyer Kollegin Silvia Ulrich hin- und wieder daran, dass manchmal ein langer Atem nötig  ist und von der Entscheidung bis zur Umsetzung mitunter viel Zeit vergehe.

Familie muss mitziehen

Natürlich benötigt das Ehrenamt Zeit und Unterstützung vonseiten der Familie.  „Es ist schon manchmal ein Spagat. Aber vieles ist eine Frage der Organisation“, sagt Ulrich. Ihr Kißlegger Kollege Schmid sieht das ebenso: „Für die SitzungsVorbereitung muss man sich Zeit nehmen. Ich mache das meist abends, wenn die Kinder im Bett sind.“ Und Patricia Thiermann-Haase weiß, dass es ohne ihre Mutter und ihren Mann nicht möglich wäre: “Als meine Tochter noch ganz klein war, war sie sogar mit in den Sitzungen und mein Mann hat sie nach dem Stillen wieder abgeholt und ins Bett gebracht.“

Dennoch: Simon Weiß spricht für alle, wenn er sagt: „Ich kann wirklich jeden ermutigen, der mit dem Gedanken an eine Kandidatur spielt.“

 

Wer Lust bekommen hat auf eine Mitarbeit im Gemeinderat, findet Infos auf der Webseite der Landeszentrale für politische Bildung: www.kommunalwahl-bw.de 

Viola Krauss

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