Mädchen machen Technik
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21. Juni 2018
Die RoboCup-Sieger Jasmin Thanner, Salomé Abrantes, Peer Drews und Niklas Schraff Foto: SFZ

Mathe, Technik und Co. – nur was für Jungs? Von wegen! Dass dieses alte Klischee längst weit überholt ist, bewiesen jetzt zwei Schülerinnen des Schülerforschungszentrums (SFZ) in Wangen mit ihrer erfolgreichen Teilnahme an den Deutschen Roboter-Meisterschaften.

Wangen – Jedes Jahr treten bei bei den insgesamt sechs Qualifikationsturnieren des RoboCup Deutschland mehr als 1 000 Schüler an. Die besten Teams qualifizieren sich nach diesen Wettbewerben für die Deutsche Meisterschaft, die RoboCup German Open.

Das besondere daran: Auch die beiden Wangener Schülerinnen, Jasim Thanner und Salomé Abrantes, zählten in diesem Jahr bei den RoboCup German Open zum Wangener Siegerteam „RaWaSaJa“. Denn gemeinsam mit ihren Team-Mitgliedern Peer Drews und Niklas Schraff holten sie dort für ihr Projekt den dritten Platz in der Kategorie „OnStage“.

Bereits seit Oktober 2015 sind die Mädchen am SFZ in der Gemeinschaftsschule Wangen, wo sie nachmittags fleißig Arduino programmieren lernten. Und das, mit jeder Menge Spaß. Die Entscheidung über die Teilnahme am RoboCup fiel ihnen somit nicht schwer.

Ganz klar, Jasmin und Salomé mussten einfach an den Wettbewerben in der Katagorie „OnStage“ mitmachen. Hier war die Aufgabe, Roboter und Menschen in einem kurzen Bühnenstück interagieren zu lassen. „So entwickelten die Mädchen einen Plan, in dem – frei nach dem Märchen „Rapunzel“ – der menschliche Prinz mit einem Krokodil kämpft und dann Rapunzel aus dem Turm befreit. Das Krokodil und Rapunzel wurden dafür als Roboter nachgebaut“, erzählt Berthold Bungard, Standortleiter des SFZ Wangen. Später kamen dann die beiden Jungs, Peer Drews und Niklas Schraff, dazu. Gemeinsam bildeten sie das Team „RaWaSaJa“. Zu viert entwickelten die Schüler das Projekt weiter und holten letztendlich beim RoboCup-Vorentscheid in Vöhringen den zweiten Platz sowie den dritten Platz auf Bundesebene bei den RoboCup German Open in Magdeburg.

Damit zeigten Jasmin und Salomé, dass auch Mädchen smart und lösungsorientiert an technische Themen herangehen und diese mit bravur umsetzen. Doch sind sie am SFZ Wangen, als zwei Mädchen unter vielen Jungs, echte Vorreiterinnen in den Roboterkursen. Berthold Bungard und sein Team aus Ehrenamtlichen, freuen sich schon jetzt auf die kommende Saison. Dabei  würde Bungard einen regen Zuwachs an Mädchen begrüßen und startet in diesem Zuge einen Aufruf an interessierte Betreuerinnen und Betreuer.

„Leider mangelt es uns momentan an Betreuern. Hätten wir welche für die Idee Wearables, fänden sich betsimmt einige Mädels, die programmieren lernen würden“, betont der Standortleiter. Ein spezielles Förderprogramm für Mädchen im technischen Bereich gibt es am SFZ in Wangen bisher noch nicht. Fänden sich jedoch auch hierfür neue Betreuer, wäre dies für den Standort durchaus vorstellbar.

Wirft man einen Blick auf den „Fachkräftemangel“, wäre eine Förderung von Mädchen im technischen Feld wünschenswert. Denn dieser Begriff geistert durch die Medien und den MINT-Bereich trifft es besonders hart. MINT ist die Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Händeringend werden dort Fachkräfte gesucht. Prognosen zufolge sollen bis zum Jahr 2020 circa 1,4 Millionen MINT-Fachkräfte fehlen, um den Bedarf und die Herausforderungen der Wirtschaft zu decken. Und das, obwohl die MINT-Berufe vielversprechende Zukunftsaussichten haben: unbefristete Verträge, mehr Vollzeit und eine sehr gute Karriere- und Gehaltsentwicklung.Werde nicht gegengesteuert, habe das Folgen für den Standort Deutschland, teilte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bereits Ende 2017 bei der Vorstellung ihres MINT-Herbstreports mit.

Ein Grund mehr, Mädchen wie Jasmin und Salomé an Schulen und Universitäten noch stärker in den technischen Fächern zu fördern. eh

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