Historisches Glashandwerk braucht modernes Glasfasernetz

14. März 2019
Glasmacher Stefan Michaelis zeigt Landrat Harald Sievers, Heimatpfleger Rudolf Dentler, Handwerkskammerpräsident Joachim Krimmer und OB Hans-Jörg Henle (v.re.)den Rohstoff, aus dem seine Produkte gefertigt werden. Rund eine Tonne an kleinen Glasscherben lagern in diesem Sack Foto: MISO

Die Glasmanufaktur im historischen Glasmacherdorf Schmidsfelden öffnete jüngst ihre Türen für die Vertreter der Handwerkskammer Ulm, Landrat Harald Sievers und Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle. Der Glasmacher Stefan Michaelis bot einen Blick hinter die Kulissen eines historischen Kunsthandwerks, das durchaus moderene Heraufsforderungen hat. 

Leutkirch –  Stefan Michaelis betreibt die Glasmanufaktur in Schmidsfelden seit 2003. Dort kann man von April bis Oktober zuschauen und erleben, wie er eine rund 1 200 Grad heiße honigartige Glasmasse kontrolliert, dreht, und zu einzigartigen Produkten  formt. 

Dafür werden Glasscherben über Nacht in einem modernen Schmelzofen erhitzt.. Die Energie dafür liefert eine eigene Photovoltaik-Anlage. Die Besonderheit der Glasmanufaktur in Schmidsfelden ist die Verbindung dieses Handwerks mit einem historischen Erlebnismuseum. 

Das lockt im Jahr rund 20 000 Besucher aus einem Einzugsbereich von der Schweiz bis zur Schwäbischen Alb an. Acht Monate lang blasen und formen zwei Glasmacher und zwei Glasmacherinnen unter anderem Trinkgläser, Vasen, Glastiere und Lampen. Jedes Teil ist ein Unikat. 90 Prozent seiner Produkte verkauft Michaelis während der Saison in seinem Laden. 

Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm, zeigte Chancen auf, die ein Handwerksberuf mitbringt und verwies auf interessante Berufsperspektiven – auch für Abiturienten. Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Handwerk im Landkreis Ravensburg rund 25 000 Arbeitsplätze schafft. Als „Wirtschaftsmacht von Nebenan“ sorgt es dadurch für mehr als drei Milliarden Euro Umsatz jährlich. Dennoch hat Stefan Michaelis die Erfahrung gemacht: „Für qualitative Handwerksprodukte fehlen oft die Wertschätzung und das Bewusstsein in der Gesellschaft.“

Das historische Handwerk in Schmidsfelden steht zudem mit dem modernen Alltag im Spannungsfeld. Ein aktuelles Problem ist für Michaelis, aber auch für einen benachbarten Handwerksbetrieb, der Breitbandausbau. Es fehlen nötige Leitungen sowie gute Verbindungen zum Mobilfunknetz. OB Hans-Jörg Henle verwies in diesem Zusammenhang auf Bereitstellung der dafür notwendigen Mittel im Haushalt 2020 und hofft, einen Ausbau mithilfe des Zweckverbandes Breitbandversorgung  spätestens bis 2021 hinzu bekommen, „auch wenn das eigentlich nicht kommunale Aufgabe ist.“

miso

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