Hier zählt die Heimat
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26. April 2018
Die Urlauer Dorfhalle war bei der Gründung der Bürgergenossenschaft für die Allgäuer Genussmanufaktur rappelvoll. Einstimmig wurde der Satzung zugestimmt. Foto: GENUSSMANUFAKTUR

Das große Geld erwarten diejenigen nicht, die für die neugründete Bürgergenossenschaft der geplanten „Allgäuer Genussmanufaktur“ in Leutkirchs Ortschaft Urlau Anteile gezeichnet haben. Die Dividende ist vielmehr so etwas, wie ein Stück Heimat und das Gefühl, als Genosse und Geldgeber diese sinnvoll mitzugestalten.

LEUTKIRCH – „Heute wird der Grundstein dafür gelegt, dass Urlau wieder ein Dorfzentrum hat“, zeigte sich Ortsvorsteher Alois Peter zu Beginn der Gründungsversammlung davon überzeugt, dass die geplante Genussmanufaktur „dem Dorf guttut.“ Und Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle betonte: „Ich bin stolz bei der Gründung der Genossenschaft dabei zu sein. Heute Abend wird ein Stück Geschichte geschrieben.“

Ideengeber Christian Skrodzki erklärte die Intention hinter der Bürgergenossenschaft, die nach dem Modell des bundesweiten Vorzeigeprojektes Leutkircher Bürgerbahnhof laufen soll. In das ehemalige Brauereigebäude von 1890 soll nach einer Sanierung mit der Genussmanufaktur neues Leben einziehen. Das dafür notwendige Kapital soll die Genossenschaft aufbringen.

Christian Skrodzki, Inhaber einer Werbeagentur in Leutkirch und gelernter Bankkaufmann, hat Erfahrung darin, marode Gebäude in wahre Schmuckstücke zu verwandeln – und zwar mit Nutzwert. Das alte Backsteingebäude sollte daher nicht etwa Wohnraum bieten: „Es soll sinnvoll und nachhaltig zum Nutzen der Region belebt werden“. Der Plan sieht Einkaufsmöglichkeiten vor, sowie einen Vermarktungsplatz für Landwirte, regionale Produzenten und Kunsthandwerker.

Mit Brauerei, Brennerei, Bäckerei, Bohnenrösterei, Schnupftabakmanufaktur, Ofenmanufaktur, Töpferei und Handweberei sowie den Produkten der Schäferei-Genossenschaft Finkhof soll die Genussmanufaktur auch ein interressantes Ausflugsziel sein – nicht nur für die Gäste des nahen Center Parcs. Skrodzki geht von einem Einzugsgebiet von 75 Kilometern aus. Die daraus erwarteten 30 000 Besucher pro Jahr können sich dort nicht nur mit Kunsthandwerk oder Rindfleisch eindecken. Vielmehr soll das Motto gelten: „Herz, Hand und Verstand“. Dazu gehört auch eine Bibliothek mit 40 000 Büchern und Workshops in den vorgesehenen Vortragsräumen.

Volksbank-Chef Stefan Scheffold erläuterte die Satzung der neuen Genossenschaft und legte auch schon einige Zahlen vor (siehe Infokasten). „Wenn Sie eine Kapitalanlage suchen, dann sind wir die falsche Adresse. Sie bekommen hier aber das gute Gefühl, ein Stück Heimat mitgestaltet zu haben“, machte Skrodzki an diesem Abend nochmals deutlich.

Ganz offensichtlich geht es nicht ums große Geld: Für Inge Hildebrand aus Lindau ist klar, dass man nirgendwo mehr hohe Renditen bekommt. Sie ist schon Genossin beim Bürgerbahnhof und sieht auch im Fall der Genussmanufaktur ihr Geld „sinnvoll investiert“. Und Reinhold Lampater aus Hergatz sagt: „Es geht nicht darum, nur Geld anzulegen, sondern darum, Heimat mitzugestalten.“ 212 der anwesenden 240 Personen zeichneten an diesem Abend Anteile zu je 1 000 Euro. Und auch der Briefkasten war nach dem Wochenende voll, so dass mittlerweile gut die Hälfte der reservierten 1 110 Anteile gezeichnet sind. Bis Ende Mai können die restlichen reservierten Anteile noch gezeichnet werden.

Skrodzki hofft, dass die Baugenehmigung in den nächsten Wochen vorliegt. Damit könnten die ersten Arbeiten Anfang Juni beginnen.

Info:

Vorsitzender des Aufsichtsrates: Christian Rast, Stellvertreter: Rainer Mack. Vorstand: Tobias Pflug und Christian Skrodzki. Investitionen 1 275 000 Euro (Kauf und Modernisierung, Leader-Fördermittel 172 000 Euro; 1 111 000 Euro Anteile von Privatleuten und Unternehmen

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