„Häusliche Gewalt gibt es auch Nebenan“

„Häusliche Gewalt gibt es auch Nebenan“
Petra Lutz vom Verein „Frauen und Kinder in Not“ spricht im Interview über die neu eröffnete Beratungsstelle in Wangen und wie notwendig Information über ngebote sind Foto: H.Keil
20. November 2019

Laut Studien ist jede vierte Frau ist von häuslicher Gewalt betroffen. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. In Leutkirch gibt es deshalb am 27. November einen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen, mit einem Vortrag zum Thema, im Centraltheater läuft ein passender Film und am Samstag, 30. November, können Frauen einen Selbstbehauptungsworkshop besuchen. Im Interview spricht Petra Lutz vom Verein „Frauen und Kinder in Not“ mit Hannah Keil von der Stiftung St. Anna darüber, wie notwendig Informationen über Anlaufstellen und Angebote im Landkreis sind.

Warum findet der Aktionstag in Leutkirch statt?

Petra Lutz: Der Sitz unseres Vereins ist in Ravensburg, wir sind aber – auch mit dem Frauenhaus Ravensburg – für den ganzen Landkreis zuständig. Weil da der Allgäuer Raum bisher immer ein bisschen zu kurz gekommen ist durch die langen Wege, haben wir jetzt eine Beratungsstelle in Wangen eröffnet. Und wir möchten eben auch in Leutkirch durch entsprechende Aktionen auf unsere Angebote aufmerksam machen. 

Warum ist es so wichtig, zu informieren?

Petra Lutz: Weil es erfahrungsgemäß nur relativ kurze Zeitfenster sind, in denen Frauen, die gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt sind, zu uns kommen: Nämlich kurz nach einem solchen Übergriff, wenn der Druck groß ist und sie die Beziehung hinterfragen. Wenn sie dann die entsprechenden Informationen erhalten, erhöht dies die Chance aus der Gewaltspirale auszusteigen.

Gibt es denn hier in der Region überhaupt so viele Fälle von häuslicher Gewalt?

Petra Lutz: Ich hatte in der relativ kurzen Zeit in der Wangener Beratungsstelle bereits einige Beratungskontakte. Unsere Einrichtungen in Ravensburg sind seit Jahren sehr ausgelastet. Häusliche Gewalt gibt es in allen gesellschaftlichen Gruppen, unabhängig von Bildung und Einkommen.

Was können denn Außenstehende tun, wenn sie einen solchen Verdacht haben?

Petra Lutz: Eine Frau, die drei Mal bei uns im Frauenhaus war, hat mir mal gesagt: Sagen Sie allen, die fragen, dass man die Leute darauf ansprechen und die Information weitergeben soll, dass es Hilfsangebote gibt. Denn das ist es ja, was Häuslicher Gewalt so viel Macht gibt: Dass sie hinter verschlossenen Türen stattfindet.

Viola Krauss

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