Gefahr auf zwei Rädern
Empfehlung

30. August 2018
Das Pedelec: Fahrspaß mit Risiko und Unfallgefahr FOTO: FOTOLIA

Die schlimmen Nebenwirkungen von Pedelec und E-Bike

Aktuelle Zahlen belegen: Pedelecs und E-Bikes boomen auf dem Fahrradmarkt. Doch mit den rasant ansteigenden Verkäufen ist auch eine erhebliche Zunahme der Unfallzahlen zu beobachten. Mehr als jeder dritte unfallbeteiligte Pedelec-Nutzer in Baden-Württemberg erlitt 2016 schwere oder sogar tödliche Verletzungen – und die Zahlen steigen weiterhin.

REGION – Das Pedelec ist das Lieblings-Fortbewegungsmittel der Silver Ager, denn lässt die Kondition im Alter allmählich nach, greifen diese gern zum Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor. 25 Stundenkilometer dürfen die Pedelecs schnell sein. Der Elektromotor unterstützt den Fahrer sobald er in die Pedale tritt. Preisgünstig sind sie jedoch nicht – unter 1 500 Euro ist der elektrische Fahrspaß selten zu haben. Doch mit einem jährlichen Anstieg von 10 Prozent zählen die Elektro-Velos zu den absoluten Wachstumstreibern auf dem Fahrradmarkt. Waren es 2014 noch 480 000 verkaufte Pedelecs, sind es im vergangenen Jahr schon 720 000 Stück gewesen.

Das dramatische daran: Seitdem der Anteil der Pedelec-Fahrer im Straßenverkehr rasant zunimmt, wächst der Verdacht, dass die elektrisch unterstützenden Räder gefährlicher als ein gewöhnliches Fahrrad sein könnten. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Polizei scheinen das zumindest auf den ersten Blick zu belegen. Während bei normalen Fahrrädern die Zahl der Unfälle um knapp sechs Prozent zunahm, zählte man im vergangenen Jahr bei den Pedelec seinen Anstieg von 28 Prozent. Doch sind die beliebten Trend-Räder deshalb auch gleich gefährlicher als ein Retro-Rad?

Die schlimmen Nebenwirkungen von Pedelec und E-Bike

Die Ursachen für den signifikanten Anstieg sind bisher noch nicht genau erforscht. Hierzu müssten laut dem Statistischen Bundesamt die Unfallursachen und die Unfallgeschehen genauer erhoben und untersucht werden.

Mögliche Gründe fürdie Unfallzahlen

Stephanie Krone, Sprecherin vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club), ist sich sicher: „Pedelecs werden kaum schneller gefahren als normale Fahrräder und sind auch nicht gefährlicher als diese. Der Anstieg der Unfallzahlen liegt in der steigenden Zahl an Pedelecs, die gekauft und gefahren werden. Und an der höheren Reichweite, die die Pedelec-Fahrer erreichen. Im Fachjargon sagt man: Die Exposition steigt an.“ Hinzu kommt, dass die Elektro-Fahrräder schwerpunktmäßig von älteren Fahrern genutzt werden, bei denen auch leichtere Unfälle schon schwere Folgen haben können. „Deshalb ist auch der Anteil an Senioren bei den verunglückten Pedelec-Fahrern überdurchschnittlich hoch – viele sind über 70, teilweise über 80 Jahre alt“, erläutert Thomas Straub vom Polizeipräsidium Konstanz. So starb Anfang August ein 81-Jähriger nach einem Unfall mit seinem Pedelec in der Nähe von Bad Wurzach als er mit überhöhter Geschwindigkeit auf eine Kreuzung zufuhr und mit einem Auto kollidierte.

Vielfalt mit Risiko

„Pedelecs und E-Bikes werden in zahlreichen Modellen mit unterschiedlicher technischer Ausstattung angeboten. Es sind Fahrzeuge, die über eine stetige oder variable elektrische Antriebshilfe verfügen und werden in unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Je nach Art und Ausmaß der elektrischen Maschinenkraft wird das Elektrofahrrad zum Kraftfahrzeug. Für Kraftfahrzeuge sind, abhängig von der verfügbaren Leistung und der erreichbaren Höchstgeschwindigkeit, Vorschriften aus dem Fahrerlaubnis-, Versicherungs-, Zulassungs- oder dem Verhaltensrecht zu beachten. Diese Verkehrsmittel bieten viele Möglichkeiten, bergen aber auch Risiken“, betont Straub.

Unbedachte Nutzung

Die Senioren nutzen die neugewonnene Mobilität, unterschätzen dabei aber häufig die relativ hohe Geschwindigkeit des Pedelecs im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad. Oft tragen sie auch keinen Helm beim Fahrradfahren. Kommt dann noch eine Überforderung mit dem Handling des Pedelecs ins Spiel, sind die Risikofaktoren für einen Unfall gegeben.

Tipps rund ums Pedelec

Deshalb rät Stephanie Krone: „Wer viele Jahre nicht mehr Fahrrad gefahren ist oder vom Fahrrad aufs Pedelec umsteigt, sollte sich vor der ersten Ausfahrt mit dem Antriebs- und Bremsverhalten von Pedelecs vertraut machen. Beispielsweise bei einer ausführlichen Probefahrt oder einem speziellen Sicherheitstraining. Die Bremsen von Pedelecs sind in der Regel recht kräftig, darauf sollte man ausprobiert haben. Und auch eine Bergabfahrt sowie engere Kurven sollte man vorsichtig üben, bevor man auf Tour geht. Besonders älteren Menschen raten wir zum Tragen eines Helmes.“

Darüber hinaus setzt sich der ADFC für eine deutlich bessere Fahrradinfrastruktur ein, denn immer mehr Pedelec-Fahrer teilen sich die überwiegend unterdimensionierten Radwege mit den „normalen“ Fahrradfahrern. „Rücksicht ist natürlich ein wichtiges Thema“, sagt Krone. „Wir brauchen eine Verkehrskultur wie in den Niederlanden, wo es völlig normal ist, dass man als Autofahrer überall mit Fahrradfahrern rechnet und beispielsweise an Kreuzungen und Einmündungen sehr vorsichtig fährt. Autofahrer müssen sich daran gewöhnen, dass auch ein etwas älter oder gebrechlich wirkender Mensch auf einem Pedelec ohne Anstrengung 20 Stundenkilometer und mehr erreichen kann. Darauf müssen Fahrschüler natürlich ebenfalls vorbereitet werden.“

Die Frage nach derHelmpflicht

Ob neben dem Ausbau der Radinfrastruktur auch die Einführung einer durchgängigen Fahrradhelmpflicht Auswirkungen auf eine höhere Sicherheit im Straßenverkehr hätte, steht immer noch zur Debatte. Derzeit ist sie jedenfalls politisch weiterhin nicht gewollt, da diese eher vom Radfahren abhält, so Krone.

Wichtige Hinweise und Tipps zum Gebrauch von Pedelecs und E-Bikes finden Sie unter

www.gib-acht-im-verkehr.de

 

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren