Endres-Höfe weiter im Visier
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18. Juli 2019
Betriebsfremden ist der Zutritt aufs Gelände des Berghofes bei Zaisenhofen verboten. Amtstierärzte haben in der vergangenen Woche den Berghof bei Zaisenhofen, einen „Endres-Betrieb“, kontrolliert und festgestellt: Tierhaltung und Tiere seien „in ordentlichem Zustand“ Foto: Vio

Gequälte Kühe, Tiere im Todeskampf – es sind Bilder, die schockieren und die man so schnell nicht vergißt. Auch die beiden Höfe des in die Schlagzeilen geratenen Bad Grönenbacher Milchviehbetriebes Endres bei Zaisenhofen und Immenried sind nach einer Kontrolle am 9. Juli weiter im Visier von Behörden und Öffentlichkeit. Der Verein Soko Tierschutz lädt am Sonntag, 21. Juli, von 17.30 bis 20 Uhr in die „bigBOX ALLGÄU“ in Kempten zu Bürgergespräch und Podiumsdiskussion.

Kißlegg – „Es würde mich nicht wundern, wenn es in den beiden Betrieben in Kißlegg nicht ebenso zugeht, wie in Bad Grönenbach“, sagt Friedrich Mülln, Leiter des Vereins „SOKO Tierschutz“ gegenüber dem WOCHENBLATT. Der Verein hat die brutalen Tierquälereien im Milchviehbetrieb von Franz und Martin Endres in Bad Grönenbach bekannt gemacht. Auch wenn laut dem Veterinäramt Ravensburg Tierhaltung und Tiere in Kißlegg bei der Kontrolle am 9. Juli „in ordentlichem Zustand“ gewesen seien: „Es ist der Stil, der dort herrscht und von der Betriebsführung quasi vorgelebt und angeordnet wird. Die meist osteuropäischen Arbeiter machen das nicht von sich aus“, so der Tierrechtler. 

Zum Hintergrund: Laut Mülln hat Endres mehrere Höfe und oft auch Tiere, sowie das Personal angepachtet. Die Höfe unterstehen jeweils einem Betriebsleiter. Der Berghof bei Zaisenhofen gehört nach seinem Kenntnisstand der Familie Endres, der Hof in Immenried sei gepachtet. Auf dem einen stehen 240, auf dem anderen 60 Tiere. Der bayerische Landwirt hält insgesamt 2 800 Rinder. Bei so vielen Tieren scheint es Laien, dass Amtstierärzte gar nicht jedes genau anschauen können.

 Peter Reithmeier, stellvertretender Leiter des Veterinäramtes in Ravensburg dazu:  „Wir haben alle Tiere in Zaisenhofen und Immenried angeschaut und nichts Gravierendes festgestellt. Nichts, was nicht auch in anderen Betrieben dieser Größe vorkommt.“ Natürlich finde man fast immer Kleinigkeiten. Soll heißen: Es gebe in fast jedem größeren Betrieb kranke Tiere. Die dann auch dokumentiert und deren Zustand erneut unangemeldet kontrolliert würde. Laut Tierschützer Mülln sei eine hohe Zahl an Ausfällen ein Indiz, dass etwas nicht stimme. Im Klartext: „Es geht um die Mortalität, die Todesfälle der letzten Monate.“ Auf WOCHENBLATT-Nachfrage erklärt Reithmeier: „Die Zahl der Abgänge auf den Höfen in Kißlegg war nicht außergewöhnlich hoch, wir haben sie überprüft.“ Die Amtstierärzte in Ravensburg sehen laut Reithmeier mithilfe eines Computerprogrammes  jede Bewegung – also Zu- und Abgänge der Rinder, sei es in Richtung Schlachthaus oder in die Tierkörperverwertung. Der Grund: alle Rinder tragen eine Ohrmarke und sind mit einer Lebendnummer registriert. 

Momentaufnahmen

Was die Mitarbeiter des Veterinäramtes dagegen eher nicht sehen: „Mißhandlungen werden natürlich nie stattfinden, während wir auf dem Hof sind“, so Reithmeier. Der Veterinär sagt, dass es sich bei solchen Kontrollen daher nur um Momentaufnahmen handelt. Doch davon soll es auf den Kißlegger „Endres-Höfen“ in nächster Zeit auf jeden Fall weitere geben. 

Denn auch aus dem baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium heißt es: „Die beiden Betriebsstätten in Kißlegg werden in nächster Zeit verstärkt Kontrollen unterzogen.“ Das begrüßt der CDU-Landtagsabgeordneter  Raimund Haser, der in Immenried lebt. Er sagt darüberhinaus: „Mir ist es wichtig, dass wir trotz der schockierenden Bilder und den offenbar nachgewiesenen Verstößen in unserer Nachbarschaft nicht die Milchwirtschaft an sich und erst recht nicht alle Bäuerinnen und Bauern unter einen Generalverdacht stellen.“ Wenn Verstöße beim Tierschutz oder auch im Naturschutz vorkommen, würden diese in unserem Land mit aller Härte bestraft. „Hier gibt es keine Toleranz“, erklärt er weiter.

Keine Toleranz zeigten auch die rund 800 Demonstranten, die am Sonntag in Bad Grönenbach auf die Straße gingen. Sie forderten die sofortige Schließung des Großbetriebs. Mit Sprüchen wie „Keine Subventionen für Massentierhaltung“ forderten sie zudem ein Umdenken in der Politik. Ob und wie schnell dieses Umdenken erfolgt, wird sich noch zeigen. Ermittlungen im Fall des Bad Grönenbacher Hofes sind eingeleitet worden.

Um über das ganze Ausmaß des Bad Grönenbacher Tierskandals zu informieren und zu diskutieren, lädt der Tierschutzverein über seine Homepage am Sonntag, 21. Juli, zu einem Bürgergespräch mit Podiumsdiskussion in die „bigBOX“ ein. Weiter heißt es dort: „Für das Podium laden wir die beteiligten politischen Parteien, Landwirtschaftsvertreter, Milchindustrie, Tierschutz und Tierhalter ein. Wir stehen natürlich auch Rede und Anwort.

Alle Bürger, Kritiker, Freunde sind herzlich eingeladen. Reden ist immer besser als schreien. Also reden wir.“ Beginn: 17.30 Uhr.

Viola Krauss

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