Ein prekärer Kreislauf
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25. Juli 2018
Der Neuravensburger Weiher bei Wangen: Droht der regional bekannte See einer ökologischen Katastrophe entgegenzuschlittern? FOTO: H. SCHAD

Zunehmende Verlandung des Neuravensburger Weihers

Der Neuravensburger Weiher bei Wangen liegt in mitten eines wunderschönen Naturschutzgebietes und lädt vor allem jetzt in den heißen Sommermonaten Badefreunde von nah und fern zu einem gemütlichen Tag am See ein. Doch könnte die zunehmende Verlandung des Weihers dem Badespaß ein rapides Ende bereiten.

NEURAVENSBURG – Im idyllischen Allgäu gibt es eine Vielzahl an Seen und wunderschönen Badestellen. So wie der Weiher im gleichnamigen Naturschutzgebiet Neuravensburg. Mit einer Fläche von 9,8 Hektar und einer Tiefe von maximal 4,1 Metern gehört er zu den größeren Gewässern in unserem Gebiet.

Doch dem Weiher droht ein katastrophales Schicksal, denn er ist immer mehr am Verlanden. Durch ein niederschlags armes, warmes Frühjahr und eine extreme Blütenstaubentwicklung aufgrund der ungewöhnlich starken Blüte von Obstbäumen und Wald tritt die Problematik in diesem Jahr wieder deutlich zutage.

Hinzu kommt ein geringerer Wasserzulauf durch die beiden Flüsse Zipfelbach und Moosbach. Gemeinsam mit der nährstoffreichen Umgebung aufgrund der Nitrate und Phosphate aus der Landwirtschaft kommt es so zu einem ungebremstem Wachstum der Wasserpflanzen. Dieses wiederum unterdrückt auf Dauer andere Lebensformen im Gewässer und lässt den See nach und nach vergehen. Doch was bedeutet die Verlandung des Neuravensburger Weihers nun genau?

„Plakativ gesprochen kann man sagen, die Verlandung ist das allmähliche Zuwachsen eines Gewässers. Das heißt, aus einem Gewässer wird mit der Zeit eine Landfläche“, erklärt der Neuravensburger Ortsvorsteher Dr. Hermann Schad. Dies geschieht durch ein langsames Auffüllen des Gewässers mit eingeschwemmten Sedimenten oder die Zersetzung von Biomasse, die im Uferbereich des Gewässers wächst. „Wenn es sich, wie bei vielen Weihern und Seen in Oberschwaben und im Allgäu, um nährstoffreiche Gewässer handelt geht der Prozess schneller vonstatten als bei nährstoffarmen Gewässern“, so Schad. Meist sieht das so aus, dass der Uferbereich immer weiter in den Weiher reinwächst, gleichzeitig nimmt die Wassertiefe ab.

Die ökologischen Folgen einer Verlandung

„Eine vollständige Verlandung würde zunächst bedeuten, dass alles Leben, welches eine offene Wasserfläche benötigt, dann im Neuravensburger Weiher nicht mehr möglich wäre“,erklärt er weiter. Besonders betroffen wären davon Wasservögel, Fische, Insekten und Kleinlebewesen. Zudem würden die Sedimente und Nährstoffe der beiden Zuflüsse in die Argen und schließlich in den Bodensee gelangen. Diese Frachten würden dem Bodensee als großen Trinkwasserspeicher zwar vermutlich keinen signifikanten Schaden zufügen. Laut Schad wurde und wird jedoch sehr viel unternommen, um die Nährstoffeinträge in den Bodensee zu minimieren, was ebenfalls dazu geführt hat, dass die Fischereiwirtschaft am Bodensee erhebliche Einbußen hat. 

Für Neuravensburg hätte es aber neben den ökologischen Folgen auch andere Auswirkungen. „Der Weiher hat als Bade- und Angelgewässer einen großen Freizeitwert für unsere örtliche Bevölkerung und für unsere Gäste. Uns ginge eines der beiden Wahrzeichen Neuravensburgs verloren“, sagt Schad. Doch wie kann man einer Verlandung des Weihers nun entgegenwirken?

Mögliche Rettungsmaßnahmen

„Man darf sich jetzt nicht vorstellen, dass der Neuravensburger Weiher, wenn nichts unternommen wird in zehn Jahren verschwunden ist“, beruhigt der Ortsvorsteher. Aber der Prozess der Verlandung schreitet kontinuierlich voran. Mit den bisher periodisch durchgeführten Winterungen – dem Wasserablassen im Winter und dem Ausfrieren der Sedimente – lässt sich der Verlandungsprozess zwar verlangsamen, aber nicht verhindern. Auch eine Reduzierung der Nährstoffeinträge hilft natürlich. „Allerdings kann nicht erwartet werden, dass der Eintrag von Nährstoffen vollständig vermieden werden kann“, meint Schad. Sowird man in einem Zeitraumvon 20 bis 30 Jahren sicher eine deutliche weitere Verschlechterung des Zustandes beobachten können. Mittel- bis langfristig hilft dem Weiher jedoch nur eine Entschlammung. Ungeklärt ist dabei vor allem die Frage: Wohin mit den circa 120 000 Kubikmetern Schlamm...

E. Heine

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