Bürgernah: Sprechstunde zu Fuß - Die Allgäuer Bürgermeister verzichten so oft es geht aufs Auto
Empfehlung

8. August 2019
400 Meter sind es für Leutkirchs OB von Zuhause bis ins Rathaus. Sein Weg wird dabei oft zur Bürgersprechstunde Foto: T. Stupka

Bürgermeister haben durch ihre Funktion als Leiter einer Stadtverwaltung und durch die Rolle als Vorsitzender des Gemeinderats auch eine Vorbildfunktion. Das WOCHENBLATT befragte die drei Stadtoberhäupter der württembergischen Allgäustädte und wollte wissen, wie sie in ihr Büro im Rathaus kommen. Oder besser: welches Verkehrsmittel sie dazu und für andere Dienstwege nutzen. So viel sei verraten: Wir waren überrascht.

REGION – „Ich erfahre sehr viel auf der Straße. Gefühlt manchmal mehr als im Rathaus“, sagt Wangens Oberbürgermeister Michael Lang. Meist geht das Stadtoberhaupt zu Fuß zur Arbeit. Im Sommer nutzt er öfter auch das Rad. Auf seinem Weg zur Arbeit trifft er viele Einwohner. „Frauen und Männer auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkauf. Kinder auf dem Weg in die Schule“, so Lang. Im Winter legt er dagegen den rund einen Kilometer langen Weg meist zu Fuß zurück. Seine Motivation? „Bewegung ist für uns alle wichtig. Mit dem Fußweg zur Arbeit habe ich jeden Tag meist vier Strecken zu bewältigen. Das sind immerhin 40 Minuten aktive Bewegung. Das bekommt mir und es ist einfach sinnvoll.“ Bei Regen sei es manchmal etwas unangenehm, aber man könne immer zu Fuß gehen, so der Wangener Stadtchef. Im Winter wird er dann auch mal angesprochen und eingeladen, mitzufahren. „Diese Nähe und Hilfsbereitschaft freut mich dann sehr.“

Bewegung tut gut

Für dienstliche Termine nutzt der Wangener OB bei kürzerer Entfernung das Rad oder geht zu Fuß. Für größere Distanzen nutzt er meist das Dienstfahrzeug – einen Renault Zoe mit Elektroantrieb. Und für ganz lange Strecken setzt sich Wangens OB auch gerne in den Zug, meistens dann ab Ulm. Egal, welches Verkehrsmittel er wählt, Lang trägt im Dienst grundsätzlich einen Anzug.

"Es muss schon richtig schlechtes Wetter sein, dass ich nicht mit dem Rad ins Rathaus fahre. Das war in den letzten Jahren nur eine Woche der Fall, und zwar im vergangenen schneereichen Winter“, sagt Rainer Magenreuter. Isnys Bürgermeister legt die drei Kilometer von seinem Haus außerhalb von Isny bis zu seinem Büro in der Wassertorstraße ansonsten täglich mit dem Rad zurück – zwischen ein- und dreimal pro Woche sogar viermal am Tag.

Gründe, warum er das Rad dem Auto vorzieht, kann er gleich mehrere nennen: „Es ist ökologisch sinnvoll, ich habe Bewegung und kann dabei gut abschalten und es dauert nur minimal länger als mit dem Auto.“ Die Wahl seines Verkehrsmittels ist einer der Gründe, warum man dem Isnyer Stadtoberhaupt meist mit Jeans, Sakko und Trachtenschuhen anstelle im Anzug und feinen Schuhen begegnet. „Zudem passt das einfach besser zu meinem Typ“, fügt er hinzu. Dass er wegen des Fahrradhelmes dann mitunter verstrubbelt ins Rathaus oder zu einem Termin kommt, trägt er mit Humor. Ebenso, wie es schon vorgekommen ist, dass er mit schmutzige Händen ankam, weil ihm die Kette abgesprungen war. Freilich gibt es auch Termine - zum Beispiel im Landratsamt in Ravensburg – da nimmt Magenreuter dann doch das Auto. Noch hat dieses einen Verbrennungsmotor. Künftig wird es aber ein E-Auto sein, dazu wurde am Rathaus jüngst ein Kabel für die notwendige Ladestation verlegt.

Bürger sprechen OB an

Gerade mal 400 Meter sind es für Hans-Jörg Henle von Zuhause bis ins Rathaus. Und die kurze Strecke geht der Leutkircher OB zu Fuß – und zwar im Anzug. „Bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit“, wie er sagt. Warum das Leutkircher Stadtoberhaupt diese Form der Mobilität wählt? „Es ist schnell, gesund und umweltfreundlich“. Der Leutkircher OB wird auf seinem „Dienstweg“ oft von Bürgern auf deren Anliegen angesprochen. „Damit wird der Weg zur Arbeit beziehungsweise nach Hause oft zu einer kleinen Bürgersprechstunde“, erklärt Henle schmunzelnd.

Doch nicht nur ins Rathaus geht das Stadtoberhaupt von Leutkirch zu Fuß, auch zu vielen Terminen innerhalb Leutkirchs wählt er diese Art der Fortbewegung. Ein Auto nutzt er „so wenig wie nötig – immer dann, wenn ich es brauche“, betont Henle. Meistens sei er mit einem sparsamen Diesel unterwegs, manchmal auch mit dem E-Auto. „Beim aktuellen deutschen Strommix und der Umweltbelastung bei der Batterieherstellung ist die Umweltbilanz bei beiden Antriebssystemen ziemlich gleich negativ“, so seine Einschätzung.

Viola Krauss

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren