7 Wochen Ohne - Erstaunliche Fastenaktion der evangelischen Kirche

14. März 2019
Für Pfarrer Martin Sauer aus Wangen beginnt die Lüge da, wo bewusst die Unwahrheit gesagt wird Foto: Adobe

Seit nun schon einer Woche ist Fastenzeit. Auch in diesem Jahr steht diese bei der evangelischen Kirche unter einem ganz besonderen Motto: 7 Wochen ohne Lügen. Mal ehrlich, so nahe war die Fastenaktion am aktuellen, gesellschaftlichen Geschehen – an der Politik, der Wirtschaft und an uns Mitmenschen – wohl noch nie.

Region – Schon mehr als 30 Jahre lädt „7 Wochen ohne“ als Fastenaktion der evangelischen Kirche dazu ein, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bewusst zu erleben, spirituell aufzutanken und neue Lebensorientierung zu finden. In diesem Jahr widmet sich die Aktion dem alltäglichen Umgang mit der Wahrheit. 

„Mal ehrlich! 7 Wochen ohne Lügen“ soll zum Nachdenken darüber anregen, wie oft wir kleine und große Notlügen nutzen oder sogar falsche Aussagen machen. 

Damit will die Fastenaktion zur Wahrheit ermutigen, denn in einer Zeit, in der das 8. Gebot, „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“, immer mehr in Vergessenheit zu geraten scheint und Lügen auf allen Ebenen toleriert werden, sollten wir unsere Prinzipien womöglich einmal hinterfragen. Wo fängt für mich selbst eine Lüge an und was ist für mich akzeptabel?

Politische Führer erfinden „alternative Wahrheiten“ – „zum Wohle des Volkes“, Wirtschaftsakteure lügen vorsätzlich und fühlen sich nur ihren Aktionären gegenüber verpflichtet, Religion wird von Fanatikern zum eigenen Vorteil missbraucht und „Fake News“ verbreiten sich rasend schnell, ohne hinterfragt zu werden. Die Liste scheint endlos lang. Um es mit Kafkas Worten zu sagen: „Hier wird die Lüge zur Weltordnung gemacht“.Wir haben das Motto zum Anlass genommen und versucht, uns mit Pfarrer Martin Sauer von der Evangelischen Stadtkirche Wangen diesem Phänomen anzunähern.

Herr Pfarrer Sauer, mit dem diesjährigen Fastenmotto wurde ein brandaktuelles Thema aufgegriffen. In einer Zeit, der „Fake News“ und politischen Machtkämpfen scheint es, als wäre die Lüge ein dehnbarer Begriff. Wie schätzen Sie das politische Geschehen ein?

Mehr als die Populisten, die Fake News verbreiten, verwundert mich, wie viele Menschen solchen Behauptungen einfach Gehör schenken. Sie machen sich nicht die Mühe, die Fakten nachzuprüfen. Verschwörungstheorien scheinen glaubhafter als Tatsachen. Demokratie ist anstrengend, ja. Aber wenn wir uns nicht für sie anstrengen, werden wir Errungenschaften wie Meinungsfreiheit und Achtung der Menschenwürde verlieren.

Wo fängt für Sie eine Lüge an?

Eine Lüge beginnt für mich da, wo ich bewusst die Unwahrheit sage. Vielleicht aber auch schon, wenn ich einer Unwahrheit nicht widerspreche, sondern sie zulasse.Es gibt ja auch die Ansicht, dass es in manchen Situationen besser ist, zu flunkern, als ehrlich zu sein.

Welchen Standpunkt vertreten Sie?In welcher Hinsicht könnte das „besser“ sein? Wäre derjenige, der so denkt, auch bereit, selbst angelogen zu werden, weil es für ihn „besser“ wäre?

Vielleicht geht es nicht um die Alternative ehrlich sein oder lügen, sondern darum, WIE man die Wahrheit sagt. Vom schweizer Schriftsteller Max Frisch stammt wohl der Satz: „Man sollte dem Anderen die Wahrheit wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren schlagen.“

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb es den Menschen manchmal leichter erscheint die Unwahrheit zu sagen?

Ich denke, dass es meistens darum geht, nicht in einem schlechten Licht dazustehen oder nicht für die Konsequenzen seines Handelns verantwortlich einstehen zu wollen. Martin Luther sagte einmal „Die Lüge ist wie ein Schneeball, je länger man sie wälzt, desto größer wird sie.“

Was macht die Lüge mit dem Lügner?

Die Lüge verstrickt den Lügner in immer weitere Lügen. Der Druck, die Wahrheit zu verbergen, wächst damit stetig. Es wird immer schwieriger, doch noch mit der Wahrheit herauszurücken.

Was kann die Fastenaktion in uns bewirken? Und was wünschen Sie allen Teilnehmern?

Es geht nicht nur um „7 Wochen ohne Lügen“. Es geht für mich darum, das Leben positiv zu gestalten. Martin Luther hat alle Gebote positiv erklärt. Zum 8. Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ schreibt er: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren.“

Bewusst und richtig Fasten

Fasten erlebt seit einiger Zeit eine Renaissance in der Bevölkerung. Doch was bewirkt fasten und was für Fehler sollte man vermeiden? Darüber hat sich das WOCHENBLATT mit den beiden Heilpraktikern Stefan und Stefanie Abt aus Tuttlingen unterhalten.

Wer kann fasten?

Fasten in Eigenregie eignet sich für alle Menschen, die sich gesund, leistungsfähig, fit fühlen und sich zutrauen, Disziplin zu halten. Doch nicht  für alle Menschen ist das Fasten geeignet. Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, körperlich oder psychisch krank sind sollten nicht eigenständig fasten. Für stark Untergewichtige, Schwangere oder Stillende ist Fasten ungeeignet. Im Zweifel sollte auf jeden Fall der Rat eines Therapeuten eingeholt werden.

5 Tipps zum erfolgreichen Fasten:

• Das Fasten richtig vorbereiten: je besser die Vorbereitung, desto effektiver ist die Kur und desto weniger Krisen treten auf. Reinen Tisch machen, alle Zutaten/Utensilien besorgen, den richtigen Zeitpunkt planen, einen Fastenplan erstellen und mit einem Entlastungstag beginnen.

• Umschaltung auf Fasten, wichtig ist die Darmentleerung. Hilfreich ist Sauerkrautsaft, Molke, Buttermilch, Glaubersalz, auch Einläufe sind geeignete Mittel. Bitte keine Abführmittel!

• Erfolgstagebuch führen, Ausleitung fördern und viel trinken. Gut sind Kräutertees, Wasser, Gemüsebrühe oder mit Wasser verdünnte Obst- und Gemüsesäfte, wiederholte Einläufe, Sauna, Massage. Auf Alkohol, Nikotin und Kaffee unbedingt verzichten!

• Täglich Bewegung und/oder Sport. Meditationen, Tai Chi, Yoga oder ähnliches sorgen für die seelische Balance.

• Aufbautage und Nachfastenzeit: richtig aufbauen zahlt sich aus. „Jeder Dumme kann fasten, aber nur ein Weiser kann das Fasten richtig abbrechen“ (George Bernhard Shaw, Schriftsteller). Ein Drittel der Fastenzeit sollte für den Kostaufbau verwendet werden, d. h. leichte Kost und keine Genussmittel. Jetzt ist die beste Zeit Gewohnheiten zu ändern!

Eva Heine

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