Zwei Männer geben Antworten - Kreissparkassen-Vorstand Daniel Zeiler und Minister Guido Wolf

14. August 2019
Kreissparkassen-Vorstand Daniel Zeiler (re.) und BaWü-Justizminister Guido Wolf stellten sich den Fragen des WOCHENBLATTs im Rahmen der Sommerinterview-Reihe Fotos: Kreissparkasse/Justizministerium

Der eine, Guido Wolf, ist Justizminister von Baden-Württemberg. Der andere, Daniel Zeiler, ist Vorstand bei der Kreissparkasse in Tuttlingen. Was beide Entscheider gemeinsam haben? Sie stellten sich unabhängig voneinander den Fragen des WOCHENBLATTs in der Sommerinterview-Reihe. 

Tuttlingen – Gute drei Stunden plauderte die Redaktion des WOCHENBLATT Tuttlingen insgesamt mit den beiden Männern, die in ihrer jeweiligen Position einen unterschiedlichen, aber gänzlich ungetrübten Blick auf die bestimmenden Themen im Landkreis haben. Von der Mobilitätswende über die Gefahren des Brexit und des Handelskriegs zwischen den USA und China bis hin zur ärztlichen Versorgung reichten die Themen.

Sommerinterview mit dem WOCHENBLATT, die Zweite. Diesmal nahm sich Daniel Zeiler, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Tuttlingen, Zeit für ein ausführliches Gespräch. Vom Brexit über den Mobilitätswandel bis hin zur zukünftigen Ausrichtung der Kreissparkasse reichten die spannenden und vielfältigen Themen.

Was sind aktuell die Themen, die Sie in Ihrer Funktion lokal und auch global beschäftigen?

Daniel Zeiler: Sowohl lokal als auch global ist es zum einen das wirtschaftliche Umfeld, das sich im ersten Halbjahr 2019 deutlich verändert hat. Zum anderen seit geraumer Zeit dieNiedrigzinspolitik der EZB, die für die Sparerinnen und Sparer,aber auch für uns weitreichende Konsequenzen hat. Auf globaler Ebene bestehen derzeit viele Unruheherde: angefangen beim Brexit, die Entwicklung in Italien, das Thema Handelskrieg zwischen den USA und China – und gleichzeitig lässt die Konjunktur nach. Dass nach fast 10 Jahren mit steigender Wirtschaftsleistung ein konjunktureller Abschwung kommen musste, entspricht der gängigen Volkswirtschaftstheorie. Im Zusammenspiel mit den genannten globalen Themen, macht die konjunkturelle Abkühlung die Situation jedoch besonders anspruchsvoll.

Wie kommen diese Themen bei Ihnen an?

Aufgrund des sehr volatilen Umfeldes müssen die Unternehmen und wir mehr auf Sicht fahren, da sich das Umfeld fast täglich ändern kann. Die Gespräche mit den Entscheidern in den Unternehmen werden intensiver und wir spüren, dass es wichtig ist, als verlässlicher Partner an der Seite der regionalen Unternehmen zu stehen und einen offenen Austausch zu pflegen. Als Erkenntnis aus der Wirtschaftskrise 2007/2008 hat ein Großteil der Unternehmen seine Eigenkapitalbasis deutlich erhöht. Das macht sie robuster und stabiler. Als Hausbank von zwei von drei Unternehmen in der Region sehen wir das natürlich sehr positiv.

Wie kommen die Anpassungen für die neue Medizinprodukte bei Ihnen an und nehmen Sie die von vielen Experten prognostizierte Marktbereinigung bereits war?

Wenn man sieht, dass die Verordnung auch für die kleineren Unternehmen gilt, spürt man, dass das enorme Anstrengungen für diese bedeutet. Die von Ihnen angesprochene Marktbereinigung ist als Flächenthema bei uns so noch nicht wahrnehmbar. In einzelnen Gesprächen ist dies durchaus ein Thema, aber grundsätzlich müssen wir die weitere Entwicklung abwarten.

Wie sieht es bei den Automobilzulieferern aus? Was für Tendenzen nehmen Sie wahr?

Die Automobilbranche und damit auch deren Zulieferer befindet sich in einem strukturellen Wandel vor dem Hintergrund vieler innovativer Ideen und Konzepte. Und die herausfordernde weltweite konjunkturelle Entwicklung macht es der Branche nicht leichter. Ich habe aber Vertrauen in die deutschen Autobauer und traue vielen Zuliefererunternehmen zu, sich – wenn nötig – neu zu erfinden und neue Absatzmärkte und Produkte zu entdecken. Es kommt darauf an, wie innovativ die Firmen sind. Aber uns kann hier durchaus eine Marktbereinigung bevorstehen, durch die einige kleinere in dann mittelgroße Unternehmen aufgehen.

Wie sehen Sie die Chance für StartUps? Nehmen Sie wahr?

Veränderungen sind gut für Start-ups. Und für innovative Erfindungen oder Dienstleistungen gibt es immer einen Markt. Die Frage ist dann letztendlich nur, was sich aus der Idee entwickelt und wie nachhaltig das Start-up als Unternehmen damit ist.

Welche Chancen und Gefahren sehen Sie im Bereich des prognostizierten Mobilitätswandels? Vor allem hier im ländlichen Raum?

Momentan konzentriert sich alles auf den Elektromotor. Aber meiner Einschätzung nach werden wir morgen nicht nur Elektroautos haben. Das Thema Hybrid wird uns mindestens das nächste Jahrzehnt begleiten. Aktuell erleben wir einen Elektrohype. Das funktioniert in der City, aber im ländlichen Raum nur bedingt. Und wie ist es bei der Bahn, im Schwerlastverkehr oder in der Schifffahrt? Andere Antriebsformen, wie beispielsweise Wasserstoff, haben großes Potenzial, werden derzeit aber nur zurückhaltend diskutiert. Welche der derzeit diskutierten Antriebs- und Mobilitätskonzepte sich aber in der Zukunft durchsetzen werden, weiß derzeit niemand genau. Ich denke, dass wir hier erst ganz am Anfang stehen.

Wie beurteilen Sie die Alternative des ÖPNV zum Individualverkehr?

Wir sind hier nun mal eine Autofahrerregion. Es ist einfacher, bequemer und oftmals günstiger. Der ÖPNV muss sich sowohl auf der Schiene als auch beim Bus weiterentwickeln, bevor er zu einer ernsthaften Alternative zum Auto werden kann. Die Menschen werden den ÖPNV dem Auto vorziehen, wenn er in etwa so bequem und kostengünstig ist. Aber auch andere Mobilitätskonzepte wie Carsharing können zum Mobilitätsmix der Zukunft beitragen, werden aber im ländlichen Raum noch Zeit brauchen.

Wie begleiten Sie das Thema der medizinischen Versorgung? 

Die medizinische Versorgung und eine gesunde Anzahl an niedergelassenen Hausärzten ist ein sehr wichtiges Thema für alle Menschen in der Region. Auch vor dem Hintergrund der Standortattraktivität für Unternehmen und insbesondere bei der Mitarbeitergewinnung. Da gehört die ärztliche Versorgung einfach, dazu. Wir leisten als Kreissparkasse Tuttlingen hier gerne unseren Beitrag bei der Begleitung und Finanzierung beispielsweise von Ärztehäusern, medizinischen Zentren und der Übernahme von Hausarztpraxen.

Ebenfalls enorm wichtig für die zukünftige Entwicklung des Landkreises ist das Thema Breitband. Wie begleiten Sie dieses Thema? 

Die Zukunft liegt meiner Meinung nach nicht im Bereich der Funkmasten, sondern in einer umfassenden Breitbandversorgung mit Glasfaserkabeln. Da ist die Initiative des Landkreises gut und wichtig. Mir fehlt bei diesem Thema ein zentraler Plan. Da haben die Landesregierung als auch der Bund zu lange geschlafen und agieren auch jetzt nicht abgestimmt. Wenn wir unsere starke Rolle in der Weltwirtschaft nicht verlieren wollen, dann müssen wir schleunigst die Firmen und die Menschen in Deutschland an die digitale Zukunft anschließen.

In Tuttlingen wird nun im September die neue Innenstadt eröffnet. Wie beurteilen Sie die Situation des lokalen Handels? 

Ich denke, es läuft schon einiges. Und ich denke, dass oftmals gar nicht bewusst wahrgenommen wird, was Tuttlingen alles zu bieten hat: Eine ordentliche Einzelhandelsstruktur, die schöne Donau mit dem Donaupark und ein wirklich tolles und vielfältiges kulturelles Angebot – beispielsweise mit dem Honbergsommer oder den vielen Veranstaltungen in den Tuttlinger Hallen. Ich denke, dass man Tuttlingen oftmals zu unrecht etwas negativ darstellt. Um mehr Angebote zu schaffen, ist jeder Einzelne gefordert. Die neue Innenstadt ist sicherlich ein guter und richtiger Schritt.

Wo sehen Sie Ihre Zukunft? 

Viele Abläufe, wie Überweisungen abgeben oder Kontoauszüge abholen, erfolgen heute über die Sparkassen-App oder über unsere Internet-Filiale. Bei unseren Gesprächen spüren wir aber, dass es für viele Menschen wichtig ist, weiterhin einen persönlichen Ansprechpartner zu haben, den man einfach anrufen kann. Bei weitreichenden Entscheidungen wie dem Kauf einer Immobilie oder dem Hausbau erleben wir in den letzten Jahren eine erhöhte Nachfrage nach einer persönlichen Beratung. Hier gibt es viele individuelle Themen und Möglichkeiten zu beachten und zu besprechen, die im Nachgang viel Aufwand und Geld sparen. Auch bei der Geldanlage und der Altersvorsorge nehmen wir einen erhöhten Bedarf wahr, denn vor dem Hintergrund einer realen Minusverzinsung ihrer Einlagen erwarten diese zu Recht Lösungen von uns.

 

Sommerinterview mit dem WOCHENBLATT, die dritte Auflage. Auch Bawü-Justizminister Guido Wolf nahm sich die Zeit für ein ausführliches Gespräch. Von der Zukunft des Campus über die Gäubahn bis hin zur ärztlichen Versorgung reichten die spannenden und vielfältigen Themen.

Was sind denn die Themen, die Sie gerade beschäftigen?

Guido Wolf: Im Grunde sind es drei Themen. Zum einen der wirtschaftsliche Umbruch hin zur Elektromobilität. Wobei meiner Meinung nach die Elektromobilität nur eine Übergangstechnologie sein kann. Ich setze da eher auf die Wasserstofftechnologie. Dieser Technologiewandel wird den Landkreis verändern.

Was darüber hinaus?

„Das ist ein wichtiges Thema für die Stadt und den Landkreis Tuttlingen, und zwar die Neuaufstellung, die Neustrukturierung des Polizeipräsidiums Tuttlingen. Die Spitze zieht am 1. Januar 2020 nach Konstanz und wir versuchen hier in der Region die Weichen wieder so zu stellen, dass die Polizei hier weiterhin in ausreichender Stärke und Strahlkraft im Landkreis präsent sein kann. Da haben wir klare Zusagen und auf deren Einhaltung werde ich bestehen.“

Und als drittes Thema?

Die Zukunft des Campus Tuttlingen. Da sind wir gerade dabei die Verträge für die kommenden zehn Jahre abzuschließen, um die Zukunft der Hochschule vor allem auf finanzieller Ebene für das kommende Jahrzehnt wasserdicht zu machen.

Wie sehen sie grundsätzlich die Entwicklung des Campus und was sind die größten Aufgaben, um diesen eine weitere Zukunft zu sichern?

Die ersten zehn Jahre waren eine echte und in dieser Dynamik nicht zu erwartenden  Erfolgsgeschichten. Es geht jetzt darum, den Kurs fortzusetzen, die Inhalte anzupassen. Vor allem alle Aspekte der Digitalisierung in den Inhalten der Lehre zu etablieren und die Finanzierung der Hochschule, die sehr auf die Gelder aus dem Förderkreis angewiesen ist. Und hier stehen jetzt einige spannende und wichtige Gespräche an.

Wo sehen Sie die Zukunft der Lehre? In neuen Studiengänfen oder eher in einer Aktualisierung der bestehenden?

Das würde ich den Fachleuten unter den Professoren und Dozenten der Hochschule überlassen. Es geht vor allem darum, die Inhalte und die Kooperation mit der Wirtschaft noch besser abzustimmen und vor allem die berufsbildenden Schulen und den Campus noch enger zu verzahnen.

Wie sieht es direkt mit der Zukunft der Polizei hier in Tuttlingen aus?

Nach meiner Einschätzung sind wir gerade dabei den Standort Tuttlingen personell noch weiter zu stärken. Das ist das Ergebnis vieler intensiver Gespräche in den vergangenen Monaten. Ich denke, dass wir in Zukunft auch mit konkreten Zahlen an die Öffentlichkeit gehen können, die der Bevölkerung ein gutes Gefühl der Sicherheit geben werden.

Ein wichtiges Thema im Rahmen des Mobilitätswandels ist die Gäubahn. Was ist da der aktuelle Stand?

Die Flughafenanbindung ist ein Dauerthema. Das Problem ist, dass es manche, auch bei der Bahn, gibt, die sich Alternativen zur Flughafenanbindung zur Gäubahn vorstellen könnten. Aber es ist unsere Aufgabe, da wachsam zu bleiben und einzufordern, was Grundlage der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 war, nämlich, dass die Gäubahn eine Anbindung an den Flughafen Stuttgart erhalten wird.

Wie sieht es mit dem Streckenausbau aus?

Da hat sich im Vergleich zum Vorjahr einiges getan. Der erste Abschnitt zwischen Horb und Neckarhausen ist soweit, dass die Ausschreibungen kurz bevor stehen und die Zweispurigkeit angegangen wird. Insgesamt muss man für Planung und Ausbau eines Abschnitts bis zu zehn Jahre einplanen. Daher müsste man alle Streckenabschnitte eigentlich parallel beginnen.

Nun stehen auch beim Ringzug richtungsweisende Entscheidungen an. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Grundsätzlich hat der Ringzug zunächst einmal eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Da ist der Landkreis Tuttlingen Vorbild für andere. Aber bei solchen Konzepten wird es immer auch Bedarf für Weiterentwicklungen geben. Ich finde den Ansatz von weiteren Haltepunkten in Tuttlingen, im Donautal aber auch Richtung Baar sinnvoll. Diese könnten die Attraktivität des Ringzugs weiter erhöhen.

Wo sehen Sie noch Schwächen? 

Es geht darum, die Ringzug ferneren Gemeinden besser anzubinden und nicht den Eindruck entstehen zu lassen, dass man die Fahrgäste von dort künstlich dem Ringzug zuführt. Ich höre etwa von Neuhausen oder vom Heuberg von umständlichen Anbindungen. Da gibt es noch Verbesserungspotenzial.

Wie sehen Sie die Zukunft der Klinik in Spaichingen und die generelle ärztliche Versorgung?

Ich will dem in Auftrag gegebenen Gutachten nicht vorgreifen und den Besserwisser spielen. Fakt ist, dass der Klinikstandort in Spaichingen einen hohen identitätsstiftenden Charakter innerhalb des nördlichen Landkreises hat und dort natürlich entsprechend emotional betrachtet wird. Daher kann ich verstehen, wenn sich die Kreisräte mit ihrer Entscheidung nicht leicht tun.

Sie haben für eine Landarztquote bei Medizinstudenten geworben. Wie sieht es damit aus und wo sehen Sie die Zukunft der ärztlichen Versorgung?

Die Landarztquote ist ein Diskussionspunkt in der schwarz-grünen Regierungskoalition. Aber wir als CDU sehen darin eine gute Lösung, junge Ärzte in den ländlichen Raum zu bringen. Darüber hinaus werden wir immer mehr medizinische Zentren erleben, da viele junge Ärzte den Schritt in die Selbstständigkeit und einem zwölf Stundentag als Landarzt nicht mehr gehen wollen. Das müssen wir berücksichtigen. Darüber hinaus müssen wir die Alternativen der Telemedizin vorantreiben, um Entlastung zu schaffen.

 

Die Interviews führte Sven Krause

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