Wohnen in Tuttlingen
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19. Juli 2018
Auf dem Schafrain sollen 20 Seniorenwohnungen entstehen. Foto: Wohnbau

17.000 Menschen pendeln jeden Tag nach Tuttlingen, um hier zu arbeiten. Eine enorme Zahl, die der Oberbürgermeister gerne zeitnah reduzieren würde. Doch dafür braucht es Wohnraum. Und vor allem Raum, der bezahlbar ist.

Tuttlingen – Dagegen stehen aktuell meist nur drei, vier wirklich akzeptable Wohnungen in den großen Online Immobilien-Portalen. Wovon wiederum die Hälfte im Mietpreis in der Regel um 1.000 Euro kalt beginnt. Also keine wirklich guten Voraussetzungen, um den Plan des OB auch zeitnah umsetzen zu können.

Angesichts der Wichtigkeit dieses Themas hat das Wochenblatt mit Entscheidern auf vielen verschiedenen Ebenen gesprochen.

Hoffnung bestimmt das Handeln

Fehlender bezahlbarer Wohnraum. Ein Thema, das etwa die großen Volksparteien bereits in der vergangenen Legislaturperiode beschäftigte und zur sogenannten Mietpreisbremse führte. Ein Thema, das man vor allem aus den Großstädten wie Stuttgart oder München oder Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet kennt. Ein Thema, das aber auch in Tuttlingen ganz aktuell ist und das Wochenblatt bewegte, daraus eine mehrteilige Serie zu machen.

Den Auftakt zu einer Reihe von gut einem halben Dutzend an Gesprächen macht eine kleine Runde beim Oberbürgermeister Michael Beck und Stadtpressesprecher Arno Specht. Beide wissen um die Brisanz des Themas, beide haben ihre ganz eigene Meinung, die in Nuancen immer wieder durchklingt. Für Beck hängen dabei allerdings gleich mehrere Themen ganz eng verzahnt beieinander. „Wenn wir über fehlenden Mietraum in Tuttlingen sprechen, dann müssen wir auch das Thema Pendler und Parkraum mit hinein nehmen in die Diskussion. Wir haben jeden Tag 17.000 Menschen, die zur Arbeit nach Tuttlingen hinein kommen und auch wieder hinaus wollen“, führt er an und fährt fort, „dazu sind in den vergangenen gut fünf Jahren rund 6.000 neue Jobs in den verschiedensten Sparten entstanden. Das alles sind Zahlen, die eine Stadt wie Tuttlingen mit knapp 35.000 Einwohnern erst einmal verpacken muss.

“Demgegenüber stehen bei der Stadt registrierte 408 neu geschaffene Mietwohnungen seit 2015. Wobei in diesem Jahr seitens der Wohnbau noch das ein oder andere Projekt dazu kommen könnte (mehr dazu lesen Sie im großen Interview mit Wohnbau-Chef Horst Riess in der nächsten Ausgabe des Wochenblatts). Das Verhältnis zwischen neuen Stellen und neu geschaffenem Wohnraum könnte kaum größer auseinanderklaffen.

Mit hinein spielen aber noch andere Problematiken. So weiß Pressesprecher Arno Specht, „dass es immer wieder Berichte über massive Leerstände gibt, die von den Eigentümern aus den verschiedensten Gründen nicht dem immer größer werdenden Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt werden.“ Auch diesen Punkt habe man seitens der Stadt mit einem Projekt in Zusammenarbeit mit der Wohnbau lösen wollen. „So hatten wir vor, dass die Eigentümer der Wohnbau den Wohnraum zur Verfügung stellen. Diese würde im Bedarfsfall auch die Sanierungskosten übernehmen und in der Folge die Vermietung und Verwaltung der Wohnungen. Doch darauf haben sich nur zwei Eigentümer gemeldet.“ Woran das zunächst einmal sehr vielversprechende Projekt wirklich gescheitert ist, mag auch Specht nicht wirklich zu erklären. Und OB-Beck ergänzt zumindest noch mit einer Zukunftvision. „Ich möchte gerne in den nächsten Jahren mit Tuttlingen ganz nahe ran an die 40.000er-Marke. Dafür brauchen wir aber neue Flächen, wie etwa das alte Union-Areal, und viele andere Ideen. Aber ich kann und will nicht so einfach aufgeben.“

Serienthemen

In den kommenden Ausgaben des Wochenblatts setzen wir dieses Thema fort. Unter anderem mit einem Blick nach Villingen, wo es möglicherweise ein Musterprojekt in Sachen sozialer Wohnungsbau entsteht. Zudem kommt in einem großen Interview Wohnbau-Chef Horst Riess zur Wort und zum Abschluss gibt es ein Resümee.

Sven Krause

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