Wie geht es weiter, CDU?

27. Juni 2019
Die Zukunft des Klinikstandortes Spaichingen steht für die Kreis-CDU ganz oben auf der Themenliste. Eine erfolgreiche Alternative ist Pfl icht. Foto: Klinikum

Die CDU im Landkreis und in der Stadt Tuttlingen ist trotz der Rückschläge während der jüngsten Kreistags- und Gemeinderatswahlen immer noch stärkste Fraktion. Doch die Verluste und die gleichzeitigen Gewinne der Grünen haben die politischen Machtverhältnisse auch hier verschoben.

Tuttlingen – Daher bat das WOCHENBLATT die Verantwortlichen der Kreis-CDU, Maria-Lena Weiss, und den neuen Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat Tuttlingen, Joachim Klüppel, zum intensiven Austausch in der Parteizentrale auf der Bahnhofsstraße.

Von der Zukunft des Klinikums in Spaichingen über die der Tuttlinger-Innenstadt bis hin zu personellen Fragen kamen viele spannende Themen auf den Tisch. Generationenwechsel, Themen, die von anderen Parteien deutlich intensiver und glaubwürdiger verkauft und besetzt werden und nicht zuletzt auch eine Kanzlerin Angela Merkel, die für die CDU inzwischen mehr Last- statt Zugpferd ist. Dies alles und noch mehr spielte in das wenig zufrieden stellende Ergebnis der CDU bei der Kreistagswahl und der Gemeinderatswahl in Tuttlingen hinein.

Zur Erinnerung noch einmal die nackten Zahlen. Bei der Kreistagswahl kam die CDU auf 33,2 Prozent und verlor satte 7,2 Prozent der Stimmen zur vorangegangenen Kreistagswahl. Bei der Gemeinderatswahl in Tuttlingen waren es sogar 31,5 Prozent (-7,1 Prozent) und inzwischen nur noch ein knapper Vorsprung vor der LBU als stärkste Fraktion im zukünftigen Gemeinderat.

Zwar schaffte die Kreisvorsitzende Maria-Lena Weiss aus Mühlheim an der Donau bei ihrer ersten Kreistagswahl gleich den Sprung in den Kreistag, doch glücklich machte sie das persönliche Erfolgserlebnis nicht. Sie erzählt: „Es waren keine schönen zwei, drei Tage, bis alle Ergebnisse detailliert vorlagen. Zwar haben wir immer noch besser abgeschnitten als bei der Europawahl, aber glücklich sein kann damit niemand. Dafür haben wir viel zu viele engagiert Kandidaten verloren.“ Die Gründe für diesen Misserfolg sind für Weiss vielschichtig. „Wir haben gerade das enorme Probleme unsere Politik glaubhaft zu verkaufen und die Erfolge, die wir ja durchaus errungen haben, auch als solche dar zu stellen. Wenn wir etwas Positives haben, dann sagen die Leute, dass ist selbstverständlich. Dagegen schlagen die negativen Punkte richtig durch.“

Ihr Parteifreund Joachim Klüppel, seit einigen Monaten als Nachfolger von Hans Roll Fraktionsvorsitzender der CDU in Tuttlingen, ergänzt. „Vor allem bei Themen, die junge Menschen und Akademiker interessieren, wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder Mobilität haben wir überhaupt nicht punkten können. Obwohl wir auch in diesen Bereichen über Kompetenz und Inhalte verfügen. Aber die nehmen uns die Menschen nicht ab.“

Dazu kommt, dass etwa mit Hans Roll eines der Gesichter der CDU-Tuttlingen nicht mehr zur Wahl angetreten ist. Das machte gleich einmal ein paar tausend Stimmen aus. Ähnlich lief es auch auf Kreisebene, wo etwa in Spaichingen, Trossingen oder anderen Gemeinden des Landkreises altgediente CDU-Stimmensammler nicht mehr antraten. „Das war besonders bitter“, erinnert sich Weiss. „Da vollziehen wir eigentlich den lange geforderten Generationenwechsel, doch verlieren dabei so viele Stimmen, dass viele unserer jungen Kandidaten den Sprung in die Räte nicht geschafft haben.“

Das Erfolgsrezept, wie die CDU aus diesem für sie fast schon historischen Stimmentief im Landkreis herauskommen kann, haben beide noch nicht gefunden. „Da werden wir uns auf allen Ebenen in den kommenden Wochen zusammensetzen und beraten, was zu tun ist.“ Eines wollen aber beide: „Wir werden kämpfen und jetzt noch intensiver arbeiten und vielleicht noch öfter drüber reden.“ Themen, in denen sich die CDU in den kommenden Monaten profi lieren kann, gibt es sowohl aus Kreis- als auch auf lokaler Ebene in Tuttlingen mehr als genug. Für Maria-Lena Weiss etwa die Zukunft des Klinikstandortes in Spaichingen ganz oben auf der Liste. „Wir müssen warten, was die Gutachter sagen und dann so schnell als möglich einen Konsens herstellen, den möglichst viele Verantwortliche mittragen können. Gleiches gilt beim Breitbandausbau und bei einer Verbesserung des ÖPNV in der Fläche.“

Neben diesen Themen hat sich Joachim Klüppel für Tuttlingen vorgenommen, „dass wir die Innenstadt unbedingt beleben und etwas gegen den Leerstand tun müssen. Gute innerstädtische Lösungen brauchen wir zudem beim Thema wohnen und bei der Entwicklungen des neuen DonauTech Gewerbeparks. Außerdem wird uns die Sanierung der beiden Gymnasien die ganze Amtsperiode begleiten. Da dürfen wir nicht nachlassen, sondern müssen versuchen, das Optimum zu erreichen“ Wenn dies klappt, dann ist sich das Duo sicher, dass die CDU künftig bessere Wahlergebnisse erreichen wird.

Sven Krause

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