Stabübergabe auf evangelisch
Empfehlung

23. August 2018
Philine Blum Sven Krause

Stabübergabe in der Evangelischen Gemeinde in der Stadtkirche. Nach sieben Jahren in Tuttlingen zieht es Junginger in eine größere Verantwortung nach Sindelfingen. Für ihn rückt Philine Blum, die bisher mit Junginger zusammen die Gemeinde geleitet hat, in die vorderste Reihe und übernimmt von Junginger etwa die Leitung der Kirchenratssitzungen. Da die Stelle von Junginger nicht wieder neu besetzt wird, müssen viele Aufgaben nun neu verteilt werden. Dementsprechend wird es in der Organisationsstruktur der Gemeinde ab September Veränderungen und Einschnitte geben. Über die Zukunft der Gemeinde, der von Junginger in Sindelfingen und was er aus Tuttlingen mitnimmt, haben sich Philine Blum und Jens Junginger mit dem WOCHENBLATT unterhalten.

Was nehmen Sie mit aus Tuttlingen Herr Junginger?
Jens Junginger: Ich habe hier in den vergangenen Jahren vieles über mich, über Gemeindearbeit und wie sich eine Kirche im Jahr 2018 zu öffnen und zu geben hat, gelernt. Ich habe einen sehr engagierten und durchaus innovativen Kirchenrat erlebt, der mir selbst bei einigen ungewöhnlichen Ideen den Weg geebnet hat. Und es bleiben natürlich die Menschen. Von den Mitstreitern in der Kirche, über die Menschen in den Gottesdiensten und auf der Straße bis hin zu den Asylbewerbern und Obdachlosen. Die alle und das, was sie mir gegeben haben, werde ich ein stückweit mitnehmen.

Was bleibt bei Ihnen Frau Blum, wenn Sie an die Zusammenarbeit mit Herrn Junginger denken?
Philine Blum: Er hat, gleich ob bei „ProAsyl“ oder bei „Fair statt Flucht“ oder auch in der täglichen Arbeit, seinen Glauben an Gott und seine Botschaft auf eine menschliche, offene und manchmal auch kompromisslose Art gelebt. Wir sind uns im Kern von der Überzeugung her sehr ähn¬lich, aber unterschiedliche Persönlichkeiten. Vielleicht haben wir ja auch deshalb so gut funktioniert.

Sie standen und stehen für eine offene, dem Menschen hingewandte Kirche. Warum?
Jens Junginger: Weil ich glaube, dass Kirche im 22. Jahrhundert nur so funktionieren kann. Wir müssen die Türen aufmachen und die Menschen auch mal reinholen. Sei es durch Aktionstage, sei es durch Musik oder verschiedene Führungen. Wir dürfen aus der Kirche keinen Jahrmarkt machen, aber wir müssen uns einfach phantasievoller behaupten und den Menschen zeigen, dass Glaube und Nächstenliebe gerade auch in der heutigen Gesellschaft brandaktuelle Themen sind. Vielleicht sogar aktueller als je zuvor.
Können und wollen Sie diesen Weg weitergehen?
Philine Blum: Grundsätzlich sicher. Ich bin auch der Überzeugung, dass wir die Türe aufmachen müssen. Dass wir uns öffnen müssen und durch Veranstaltungen wie „Fair statt Flucht“ zeigen können, wofür die Evangelische Landeskirche im Jahr 2018 steht. Aber eines ist auch klar, mit einer vollen Stelle weniger wird nicht alles so weiter gehen.

Auf was für Veränderungen müssen Sie sich, muss sich die Gemeinde einstellen?
Philline Blum: Auf einer Klausurtagung der Tuttlinger Kollegen Mitte September werden erste Antworten gefunden werden müssen, werden bisherige Erfolgsrezepte hinterfragt werden müssen. Werden wir bei jeder Aktion, jeder Veranstaltung uns fragen müssen, muss hier immer der Pfarrer mit dabei sein oder lässt es sich organisatorisch nicht anders lösen. Das muss nichts Schlechtes sein. Oftmals beschleunigen schlanke Strukturen ja auch Prozesse.

Nehmen Sie diese Prozesse mit nach Sindelfingen?
Jens Junginger: Wenn das so einfach wäre. Auf der einen Seite habe ich auch wieder eine Innenstadtkirche. Mit allen Problemen und Chancen, die das mit sich bringt. Auf der andereren Seite liegt sie nicht so prominent wie hier in Tuttlingen, sondern eher etwas verborgen. Daher kann ich einiges mitnehmen, muss aber viele Ideen und Prozesse anpassen. Zudem habe ich mehr Verantwortung für die Gesamtgemeinde. Daher muss ich dort eher einen neuen Weg finden.

Welchen Weg wollen und müssen Sie einschlagen?
Philine Blum: Ich muss meinen neuen Weg finden. So viel wie möglich Philline Blum bleiben, aber doch ein Stück Jens Junginger für mich adaptieren. Meine Schwerpunkte Ökumene und die Integration von Kindern und Jugendlichen nicht aus den Augen verlieren, aber zu versuchen die großen und auch öffentlichkeitswirksameren Themen erfolgreich weiter zu spielen. Nur auf meine Art. Das wird für mich bestimmt erst mal schwer. Denn ich bin ein schlechter Öffentlichkeitsarbeiter.

Gibt es ein Projekt, das Sie beide auf den Weg gebracht haben, das Sie Frau Blum jetzt alleine abschließen wollen, abschließen müssen?
Philine Blum: Ja, definitiv. Das Foyer hat uns in den letzten Jahren beschäftigt. Das Foyer ist als Raum zwischen Bahnhofstraße und Kirchraum, ein besonderer Raum der Stadtkirche, der nach dem Prinzip der offenen Kirche mit Leben gefüllt und neuer, offener und einladender gestaltet werden soll. Diese Ideen werden wir vorantreiben. Sven Krause

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