Schöffen gesucht!

Schöffen gesucht!
Laienrichter für zehn Jahre am Schöffengericht in Tuttlingen: Joachim Klüppel. Fotos & Montage: wdb
22. März 2018

„Ich kann das nur empfehlen“: Joachim Klüppel ist seit zehn Jahren Schöffe. Ein Ehrenamt auf Zeit, das er sehr gerne ausfegührt hat. Derzeit werden Freiwillige gesucht, die für fünf Jahre zu Schöffen gewählt werden.

Tuttlingen – Wer sich amerikanische Gerichts-Filme anschaut, muss umlernen: Bei uns entscheiden die Laien nicht über Schuld oder Unschuld. Aber sie sind Teil der Strafverhandlung, dürfen Fragen stellen, und in der (nicht öffentlichen) Beratung zählt ihre Stimme so viel wie die des Profi-Richters. Also kann es durchaus vorkommen, dass die beiden Schöffen den einen Richter überstimmen. Ist auch schon vorgekommen, bestätigt Klüppel – aber nicht in der Frage, ob der Angeklagte schuldig war oder nicht, sondern beim Strafmaß. „Da waren wir strenger als der Richter“ – so viel darf er sagen, viel mehr nicht, denn die Beratung des Gerichts unterliegt der strengen Schweigepflicht.

Viele der Fälle, bei denen Klüppel Laienrichter war, haben mit Drogenkriminalität zu tun. Nicht die Bagatellfälle – für die ist meist der Einzelrichter zuständig. Da geht es dann durchaus um Freiheitsstrafen. Und um da zu einem angemessenen Urteil zu kommen, wird nicht nur die tat, sondern auch der Täter genau betrachtet. „Dessen Leben wird von innen nach außen gekehrt“, berichtet Klüppel, „das braucht es auch für die Urteilsfindung.“

Lebensnahe Rechtsprechung

Vorgegeben wird der Rahmen durch das Gesetz – und darin kennt sich der Richter aus. Er weiß, welche Mindeststrafe vorgesehen ist und welche Höchststrafe. Für die „lebensnahe“ Rechtsprechung sollen dann die Schöffen sorgen. So sieht es auch Klüppel: „Es ist wichtig, dass nicht nur Leute von Berufs wegen Recht sprechen, sondern dass auch Laien dabei sind“, betont er. Man muss schon etwas Zeit mitbringen – aber der Verdienstausfall wird ersetzt. Und ein Schöffe beim Amtsgericht soll nicht öfter als ein Mal im Monat eingesetzt werden – bei Klüppel war‘s meist weniger. Aber: „Die Zeit war nicht vergeudet!“

Marihuana in Mühlheim

Ein Schöffe erfährt so einiges, was sonst wenig bekannt ist. Dass man auch in Mühlheim Marihuana anbauen kann, beispielsweise. Dass „Kommissar Zufall“ auch hier im Kreis Erfolge hat: Weil Polizeibeamte aus einem völlig anderen Grund an eine Tür klopften und dann eine Hasch-Plantage entdeckt haben. Dass zwei besonders schlaue Mitmenschen nach Südamerika geflogen waren, um Rauschgift zu kaufen – und die sich freuten, mit dem weißen Pulver über den Zoll zu kommen. War auch nicht schwierig: Sie hatten sich schlicht Weizenmehl statt Kokain andrehen lassen.

„Ist schon interessant, wenn man sieht, was es in Tuttlingen und auf dem Heuberg für Szenen gibt“, merkt Klüppel an.

Schöffenamt

Wer das Schöffenamt ausüben will, muss sich rechtzeitig bei seiner Wohnort-Gemeinde bewerben. Melden können sich deutsche Bürgerinnen und Bürger, die am 1. Januar 2019 das 25. Lebensjahr vollendet haben und nicht älter als 69 Jahre sind. Personen, die aus gesundheitlichen Gründen für das Amt nicht geeignet sind, die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen oder in Vermögensverfall geraten sind, sollen nicht zum Schöffenamt berufen werden. Ausgeschlossen sind außerdem Personen, denen ein Gericht die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter aberkannt hat oder die wegen einer vorsätzlichen Tat zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt worden sind. Die Gemeinden erstellen aus dem Kreis der Bewerberinnen und Bewerber bis 22. Juni eine Vorschlagsliste, die in der Folge den Amtsgerichten übersandt wird. Dort wird dann im Spätsommer 2018 die eigentliche Schöffenwahl durchgeführt. JM

Wolf-Dieter Bojus

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