Schlagwort Integration - Sommerinterview Teil fünf: Dekan Matthias Koschar

Schlagwort Integration - Sommerinterview Teil fünf: Dekan Matthias Koschar
Dekan Matthias Koschar nahm sich Zeit für ein intensives Gespräch mit dem Wochenblatt. Foto: Krause
13. September 2019

Volker Kauder (Bundestagsmitglied CDU), Daniel Zeiler (Vorstand Kreissparkasse), Guido Wolf (Justizminister) und Sebastian Berghaus (Dekan der evangelischen Kirche) standen bisher in der Sommer-Interview-Reihe des Wochenblatts Rede und Antwort. Und auch wenn sich der Sommer schon verabschiedet hat, hat die Reihe noch das eine oder andere spannende Gepräch in petto.

TUTTLINGEN – So hat sich diesmal der Dekan der katholischen Kirche im Landkreis Tuttlingen, Matthias Koschar, reichlich Zeit genommen und mit der Redaktion des Wochenblatts über viele interessante Themen gesprochen. Ein zentraler, sich immer wiederfi ndender Begriff während des Gesprächs war Integration. Integration auf und in den unterschiedlichsten Bereichen.

Herr Koschar, verraten Sie uns am Anfang unseres Gesprächs, welche Themen Sie als Dekan der katholischen Kirche in Tuttlingen beschäftigen?

Matthias Koschar: Wir haben viele Themen auf unserer Agenda. Aber vier aus den verschiedenen Bereichen fallen mir da sofort ein, die uns aktuell und in den kommenden Monaten sehr intensiv beschäftigen werden. Zum einen ist es das Thema „Kirche im Wandel“, sprich, wie wir mit der kleiner werdenden Kirche in einem veränderten sozialen Kontext umgehen. Dann hat der Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche erschüttert hat auch hier immer noch seine Nachwirkungen.

Sie sprachen von vier Themen, welche sind das noch?

Die Vorbereitung auf die Kirchengemeinderatswahlen 2020 und die allgemeine Ressonanz und Stimmung in unseren verschiedenen Gemeinden.

Sie sprachen die „Kirche im Wandel“ schon anWie erleben Sie diese Situation und was können Sie dagegen tun?

Wir können Sie eigentlich nur begleiten. Wenn ein Mensch sich nicht mehr in der katholischen Kirche daheim und verstanden fühlt, aus welchen Gründen auch immer, dann können wir nur versuchen mt ihm zu sprechen und ihm Perspektiven aufzeigen. Wenn er dennoch entschlossen ist zu gehen, dann geht er.

Warum hat es Kirche im Allgemeinen, aber besonders auch die katholische Kirche, in unserer Gesellschaft so schwer?

Zum einen haben verschiedene Vertreter der Geistlichkeit durch den Missbrauchskandal oder durch die offensichtliche Verschwendung von Geldern für viel kritische Presse und einen enormen Widerhall unter den Gläubigen gesorgt. Darüber hinaus leben wir in einer Gesellschaft, die immer individueller wird und die Menschen Wahrheiten nicht einfach mehr widerpruchslos hinnehmen. Auf diese veränderte Wahrnehmung haben wir die richtige Antwort noch nicht gefunden.

Sind die Nachwirkungen des Missbrauchsskandals immer noch zu spüren?

Ja, auch wenn in unseren Gemeinden nichts passiert ist. Das Fehlverhalten der betreffenden Geistlichen hat viele Gläubige tief erschüttert. Da ist bei manchen ein Weltbild eingestürzt und dieser Vertrauensverlust sitzt tief. Da gibt es immer noch ganz viel Gesprächsbedarf. Und wir gehen diesen Gesprächen nicht aus dem Weg. Wir stellen uns und versuchen ein neues Fundament aufzubauen.

Demokratie war eigentlich noch nie die Stärke der katholischen Kirche. Wie wichtig sind dann die von Ihnen angesprochenen Kirchengemeinderatswahlen?

Der Kirchengemeinderat regelt das Zusammenleben in den jeweiligen Gemeinden. Er wirkt zudem in allen Fragen, die die Pfarrgemeinde betreffen, beratend oder beschließend mit. Bei den Wahlen zum Kirchengemeinderat werden die Laienmitglieder in das Gremium einer römisch-katholischen Pfarrgemeinde gewählt. Der Kirchengemeinderat setzt sich aus gewählten, berufenen und amtlichen Mitgliedern zusammen. Daher ist er für uns wichtig, weil er die Schnittmenge zwischen den amtlichen Mitgliedern und den Laien bildet.

Wie erleben Sie das Thema Ökumene?

Hier in Tuttlingen sehr, sehr positiv. Mein Pendant Sebastian Berghaus pflegen einen sehr intensiven und offenen Austausch, predigen ja auch immer wieder auf einer Kanzel der anderen Konfession und versuchen dort wichtige Schnittmengen zu bilden, wo wir das können. Wichtig sind uns beide die Menschen in unserer Gemeinde. Und da, wo wir zusammen mehr erreichen können, da sollten wir das tun.

Angesichts einer größer werdenden Zahl an Migranten, wie läuft der Austausch mit den Vertretern der verschiedenen islamischen Ausrichtungen?

Mal besser, mal weniger gut. Grundsätzlich pflegen wir auch hier einen sehr offenen, auch kritischen, aber produktiven Austausch. Angesichts personeller Änderungen, etwa in die DITIB-Moschee, müssen manche Gespräche neu belebt werden. Aber ich glaube, alleine das gemeinsam organisierte Fest der Kulturen hat gezeigt, wie gut die Würdenträger aber auch die Gläubigen miteinander leben und feiern können

Sven Krause

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren