Offene Fragen, erste Antworten - Spaichingen: Bestandsaufnahme über die Lage des Einzelhandels
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16. Mai 2019
Bürgermeister Hans-Georg Schuhmacher sieht die Stärken des Einzelhandels in Spaichingen, weist aber auch auf die Gefahren hin. Foto: Stadt Spaichingen

Dass es dem stationären Einzelhandel nicht gut geht, das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Doch wie sieht es im Landkreis rund um Tuttlingen aus? Das WOCHENBLATT hat zunächst nach Spaichingen geblickt.

Tuttlingen – In langen Gesprächen mit Bürgermeister Hans-Georg Schuhmacher und dem Chef des Gewerbe- und Handelsvereins Herrmann Früh machte sich das WOCHENBLATT an eine Bestandsaufnahme.Neben einigen klaren Stärken wurden aber auch die Schwächen deutlich und dass vor allem auf den GHV in Zukunft noch mehr Arbeit zukommt. Im ersten Teil unseres Berichtes blickt Bürgermeister Hans-Georg Schuhmacher auf seine Stadt und erklärt seine Visionen.

Über die schwierige Situation des Einzelhandels in Spaichingen und seiner Vertretung im Gewerbe- und Handelsverein (GHV) sprach kurz vor der turnusgemäßen Mitgliederversammlung des GHV das WOCHENBLATT mit Bürgermeister Hans-Georg Schuhmacher. Der GHV-Vorstand um Chef Hermann Früh sah sich aktuell nicht in der Lage zu antworten. Diese werden so zeitnah wie möglich veröffentlicht.

Wie beurteilen Sie die Einkaufssituation in Spaichingen?

Schuhmacher: Die Einkaufssituation ist – bezogen auf die Möglichkeit der Beschaffung der Dinge für den täglichen Bedarf – sehr gut. Es gibt sowohl innerstädtisch als auch am Rand der Stadt Einkaufszentren neben lebensmittelverarbeitenden Handwerksbetrieben (Bäckereien und Metzgereien) in der Stadt. Leider verfügen wir nur begrenzt über Ladengeschäfte mit Warenangeboten im Non food Bereich in einer Anzahl, die eine größere Anzahl von Kunden auch aus den umliegenden Gemeinden zum Einkaufen nach Spaichingen anzieht. 

Was zeichnet den Einzelhandel in Spaichingen aus?

Schuhmacher: Wir haben regelmäßig Markt mit absolut frischen Angeboten aus der Region. Wir haben gute lebensmittelverarbeitende Handwerksbetreibe, die täglich frische Ware in breitem Warensortiment anbieten. Und wir verfügen über wenige Geschäfte, deren Inhaber eine hohe Beratungskompetenz ausweisen. Jeder Kunde findet in der Innenstadt einen für zwei Stunden kostenfreien Parkplatz um die Geschäfte zu besuchen. Man muss für Spaichingen die erstklassige Warenqualität der Betriebe im food Bereich und die hohe Fachkompetenz der beratenden Betrieb im non food Bereich hervorheben.

Was kann und muss aus Ihrer Sicht besser werden?

Schuhmacher: Wir müssen daran arbeiten, dass wir den Einzelhandel stärker im Innenstadtbereich auf repräsentativen Verkaufsflächen konzentrieren. Gerade der Non food Bereich braucht Warenvielfalt in angenehmer EInkaufsinfrastruktur. Das kostet Geld und setzt die Bereitschaft der Einzelhändler voraus mitzumachen.  Ich bin der Überzeugung, dass wir nicht wesentlich mehr Geschäfte brauchen. Aus meiner Sicht muss ein ausgewählter Bestand nur richtig positioniert werden.

Was kann und muss davon der GHV leisten?

Schuhmacher: Der GHV muss die Bereitschaft zu Veränderungen wecken. Er darf nicht an der Meinung haften, dass mit einem online Portal alles besser wird. Das stimmt nämlich nicht. Das machen andere auch besser. Der GHV muss daran arbeiten, dass innerörtliche Stärken des Einzelhandels besser genutzt und vermarktet werden können. Da sehe ich Defizite.

Wie kann die Stadt und können Sie als BM unterstützen?

Schuhmacher: Wir können die Rauminfrastruktur zur Verfügung stellen, die aus meiner Sicht erforderlich ist, um den Einzelhandel zu konzentrieren. Wir müssen uns finanziell engagieren, wenn es um Attraktivitätssteigerung der Aufenthaltsbereiche geht. Aber wir können uns nicht in die Arbeit des GHV einmischen, solange dieser nicht danach verlangt. Wir wissen, dass alle Gemeinden einen aussterbenden Einzelhandel haben, soweit dieser in der Fläche einzeln repräsentiert und in den Gemeinden verteilt ist. Das ist kein Phänomen, das nur Spaichingen trifft.Es mehren sich die Gerüchte, dass der aktuelle Vorsitzender des GHV nicht mehr weiter macht.

Wie soll es aus Ihrer Sicht weiter gehen?

Schuhmacher: Mir ist nicht bekannt, dass sich an der Vorstandschaft des GHV etwas ändern wird. Das werde ich auf der Jahreshauptversammlung des GHV erfahren. In den Gesprächen, die ich mit dem Vorsitzenden geführt habe, ist über eine Neubesetzung nicht gesprochen worden. Ich habe eine klare Meinung dazu wie ich den Einzelhandel in Spaichingen als überlebensfähig ansehe. Die Suche nach einer neuen Citymanagerin/neuem Citymanager zieht sich nun schon sehr lange.

Wie ist der aktuelle Stand aus Ihrer Sicht und wie kann es eine Lösung geben?

Schuhmacher: Nach der Aussage des Vorsitzenden des GHV habe der Vorstand noch keinen geeigneten Kandidaten oder eine Kandidatin gefunden, dem/der man die Aufgabe anvertrauen wollte. Ich selbst vertrete die Auffassung, dass man sich zuerst darüber im Klaren werden sollte, wie der Einzelhandel überhaupt positioniert werden soll, bevor man die Stelle besetzt. Ich vermisse eine inhaltliche Auseinandersetzung. Über Stellenbesetzungen sollte man erst danach reden. Nicht hilfreich ist es, dass man monatelang nichts hört.

Was für Aktionen zur Kundenbindung/zur Hebung der Frequenz in der City sind für das restliche Jahr noch geplant?

Vor allem in Sachen Eisbahn?Schuhmacher: Die Aktionen des GHV sind mit mir nicht abgestimmt. Ich weiß nur, dass es die Einkaufsnacht geben wird. Damit der Weihnachtszauber stattfinden kann, habe ich zu Beginn dieses Jahres bereits eine Eisbahn bei einem Verleiher reservieren lassen. Der Vorsitzende des GHV hat mir auch mitgeteilt, dass dieses Event auf jeden Fall stattfinden soll. Über weitere geplante Aktionen bin ich bisher nicht unterrichtet. Ich denke, dass der GHV dies auf der Jahreshauptversammlung bekannt geben wird.

Wenn Sie sich die Einkaufslandschaft in Spaichingen in zehn Jahren vorstellen, wie sieht diese aus?

Schuhmacher: Einzelhandelsmärkte in gering größerer Anzahl um die Discounter. Facheinzelhandel mit hoher Beratungsqualität des Personals in einer kleinen Einkaufshalle konzentriert an einem Platz. Lebensmitteleinzelhandel entlang der Hauptstraße in geringerer Anzahl wie bisher mit dem Anspruch regionale Produkte und Produkte mit Bio-Qualität zu vermarkten.

 

Die Situation des stationären Einzelhandels in ganz Deutschland ist seit Jahren schwierig und wird angesichts von immer größer werdenden Online-Konkurrenz nicht einfacher. Vor allem in Städten der Größe Spaichingens ist daher der lokale Einzelhandelsverband, hier der GHV, als Impulsgeber und Lobbyist gefordert. Doch neben einer monatelangen ergebnislosen Suche nach einer neuen Citymanagerin häufen sich nun die Gerüchte, dass Vorstand Hermann Früh nicht mehr weitermacht und es keinen Nachfolger geben soll. Damit würde neben der ebenfalls schon lange unbesetzten Position des Geschäftsführers weitere Vakanzen bedeuten. Zu einer detaillierten Stellungnahme waren aktuell aber weder Früh noch sein Stellvertreter Klaus Teufel bereit.

Sven Krause

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