Nach einem Jahr kommt E-Health in der Praxis an

14. August 2019
Mit dem Projekt E-Health soll die ärztliche Versorgung im Landkreis verbessert werden. Grafik: Tanja Riester

Vor knapp einem Jahr präsentierte Landrat Stefan Bär im Rahmen einer großangelegten Pressekonferenz das Projekt E-Health. Als Pilotprojekt im Rahmen der digitalen Telemedizin gestartet, wurde es seitdem sehr ruhig. Daher hat sich das WOCHENBLATT des Themas erneut angenommen und vom Landratsamt einen Sachstandsbericht angefordert.

Region – In diesem heißt es: Der Landkreis Tuttlingen möchte mit den Akteuren vor Ort E-Health-Anwendungen für pflegebedürftige und chronisch kranke Patienten auswählen und erproben. Die Anwendungen sollen in Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie im häuslichen Umfeld zum Einsatz kommen. Ziel ist es, mittels digitaler Systeme, die medizinische Versorgung von pflegebedürftigen und chronisch kranken Patienten im ländlichen Raum zu unterstützen. Das Konzept wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Digitale Zukunftskommune@bw“ des Ministeri-ums für Inneres, Digitalisierung und Migration entwickelt, welche das Ziel verfolgt, die Digitalisierung im Land voranzutreiben und zwar in Bereichen, in denen ein Mehrwert für die Bürger geschaffen werden kann. Für die Konzeptumsetzung werden finanzielle Fördermittel zur Verfügung gestellt.

Aktuelle Projektteilnehmer sind das Altenzentrum St. Anna in Tuttlingen, die Hausärztliche Gemein-schaftspraxis in Tuttlingen, die Hausarztpraxis Dr. Kaufmann in Liptingen sowie die Honberg Apotheke. Im Rahmen einer gemeinsamen Bedarfsermittlung wurde beschlossen, in einem ersten Schritt die Videosprechstunde im Altenzentrum St. Anna zu erproben. In diesem Zusammenhang wurde ein erster Arbeitskreis zum Thema „Videosprechstunde für pflegebedürftige Patienten“ gegründet. Fer-ner ist von großem Interesse, Lösungen für ein gemeinsames digitales Medikamentenmanagement zu finden.

In einem ersten Schritt wird die Videosprechstunde in einer Pflege- und Betreuungseinrichtung er-probt, um die ärztliche Versorgung der Pflegeheimbewohner und die Zusammenarbeit zwischen der Arztpraxis und der Pflegeeinrichtung zu unterstützen (d.h. weniger unkoordinierte Anrufe / Faxe, kür-zere Reaktionszeiten auf Fragen zwischen den Einrichtungen, zeitliche Planbarkeit der Visite, weniger Reisezeiten, bei Umzug in ein Pflegeheim kann vertrauter Hausarzt behalten werden, Zugang zu weit entfernten Ärzten kann ermöglicht werden, Reduktion von „unnötigen“ Anfahrten zum Arzt, von Wartezeiten und Ansteckungsgefahr in der Praxis). Langfristig sollen hierdurch die Leistungserbringer organisatorisch / zeitlich entlastet werden und die medizinische Versorgung pflegebedürftiger Perso-nen verbessert werden.

Nachdem gemeinsam mit den Projektpartnern erörtert wurde, welche Erwartungen an das Projekt gestellt werden und welche Aufgaben gemeinsam angegangen werden müssen, wurde in einem nächsten Schritt die technische Infrastruktur der Videosprechstunde geplant: Welche Hardware ist vorhanden, welche Technik wird benötigt, kann mit der Bild- und Tonqualität gearbeitet werden (ausreichend, um Patient angemessen behandeln zu können), Auswahl zertifizierter Videodienstan-bieter (ELVI der La-WEll-Systems GmbH). Ferner wurde gemeinsam festgelegt, wie die Videosprech-stunde sinnvoll in die Arbeitsabläufe der Arztpraxis und Pflegeeinrichtung integriert werden kann.

Im Vordergrund stand Thema „Terminkoordination“. Als erster Ansatz wurde Folgendes erarbeitet, welcher mit der Zeit weiterentwickelt werden soll: Pflegefachkraft müsste morgens absehen, ob Be-darf an Arzt-Patienten-Kontakt über Videosprechstunde notwendig ist. Terminanfrage Pflegefach-kraft per Fax, ggf. mit Angaben Notwendigkeit Arzt-Patienten-Kontakt. Zeitnahe Antwort MFA per Fax an Pflegeheim, wann Videosprechstunde stattfinden kann. Zum vereinbarten Zeitpunkt findet Videosprechstunde statt.

Die ersten Testläufe haben gezeigt, dass die technische Umsetzung funktioniert (allerdings sehr ab-hängig von der Internetverbindung!). Nach Information und Einwilligung der Bewohner sowie Ein-weisung der Pflegefachkräfte soll die Videosprechstunde ab September 2019 erprobt werden. Ab dem vierten Quartal 2019 sollen weitere Teilprojekte entwickelt werden, um die medizinische Versorgung von Pflegebedürftigen und/oder chronisch Kranken in Tuttlingen zu unterstützen. Es existieren bereits zahlreiche digitale Anwendungen auf dem Gesundheitsmarkt. In enger Abstimmung mit den Akteuren vor Ort und deren Bedarf entsprechend soll die Umsetzung ausgewählter Anwendungen erprobt werden.

Der Landkreis Tuttlingen sieht sich in der Rolle, Vernetzung zu schaffen und die Akteure vor Ort zusammen zu bringen, diese bei der tatsächlichen Umsetzung digitaler Anwendungen zu unterstützen sowie zu gewährleisten, dass alle Bevölkerungsgruppen vom Fortschritt der Digitalisierung im Gesundheitsbereich profitieren.

Sven Krause

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