„Ich werde an der GHV-Spitze weitermachen.“

„Ich werde an der GHV-Spitze weitermachen.“
Herrmann Früh leitet weiter die Geschicke des GHV. Foto: GHV
23. Mai 2019

Über die schwierige Situation des Einzelhandels in Spaichingen und seiner Vertretung im Gewerbe- und Handelsverein (GHV) sprach im zweiten Teil einer kleinen Interviewserie kurz vor der turnusgemäßen Mitgliederversammlung des GHV das WOCHENBLATT mit dem Vordsitzenden des Gewerbe- und Handelsvereins Spaichingen, Hermann Früh.

Wie beurteilen Sie die Einkaufssituation in Spaichingen?

Früh: Zunächst haben wir ausreichend viele leistungsfähige Discount-Märkte in Spaichingen. Viel wertvoller ist aber eine Vielzahl an inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften die ein breites Sortiment an Waren und Dienstleistungen abdecken. Eigene Metzgereien und Bäckereien sowie eine gute Gastronomie bereichern unsere Situation.  Gerne hätten wir natürlich noch ein paar Geschäfte mehr, wie zum Beispiel ein Schuhgeschäft, ein Lederwarengeschäft, eine Parfümerie und noch das eine oder andere Bekleidungsgeschäft welche das Angebot noch optimieren würden. Eine größere Bandbreite würde mehr noch das Umfeld um Spaichingen anziehen. 

Was zeichnet den Einzelhandel in Spaichingen aus?

Früh: Die meisten inhabergeführten Geschäfts zeichnen sich durch hohes Engagement und eine hohe Beratungskompetenz aus. Dies überträgt sich auch weitgehend auf die Mitarbeiter. Alle Geschäfte in Spaichingen sind schnell und gut erreichbar. Wir verfügen zudem über eine überdurchschnittliche Anzahl an Parkplätzen, meist direkt vor den Geschäften. Wir veranstalten das Jahr über immer wieder verkaufsfördernde Aktionen, wie verschiedene Märkte, lange Einkaufsnacht, Modeschau, Black Friday, Weihnachtsevent und anderes mehr. 

Was kann und muss aus Ihrer Sicht besser werden?

Früh: Die Geschäfte müssen noch mehr Wert auf eine bessere optische Darstellung und Präsentation des Geschäftes selbst und deren Angebote legen. Besseres Outfit zieht an! Zum Beispiel gehen vielfach schon um 22 Uhr die Lichter aus. Das ist aber nur ein Punkt. Das Thema Einkaufserlebnis im und um das Geschäft bedarf größerer Aufmerksamkeit – ein weiterer Punkt. Wünschenswert wäre eine optimalere Konzentration um einen Mittelpunkt. Dazu müssten allerdings die städtebaulichen Strukturen verbessert, und dann auch angenommen werden. Wir wissen, dass sich die Stadtverwaltung in diese Richtung orientiert, und notwendige Schritte einleitet. Was ich mir noch wünsche: Noch mehr Bereitschaft und Unterstützung Einzelner für gemeinsame Aktivitäten … und bessere Übereinstimmung der Öffnungszeiten – besonders am Samstag. 

Was kann und muss davon der GHV leisten?

Früh: Wir müssen die Einzelhändler zusammenbringen, für unsere Aktionen und Events begeistern und noch mehr gemeinsames Handeln erreichen. Es muss uns auch gelingen, die Einzelnen auf das moderne Einkaufsverhalten und den Strukturwandel einzustellen. Dabei denke ich natürlich auch an online-shopping. Die Geschäfte müssen online präsent sein und ihre Angebote auch online präsentieren. Es gibt einen Trend, wonach sich die Kunden gerne vorab online informieren, dann aber gerne im Laden kaufen, wenn alles stimmt.  Hier wollen wir noch mehr aufklären und uns von Fachleuten Hilfe holen. Wir streben eine gemeinsame Internet-Plattform an, auf der wir uns zusammen mit der Stadt und den Vereinen besser darstellen können. Auch müssen wir unsere Internet-Seite des GHV verbessern. Öffentliches WLAN würde den Aufenthaltswert in der Stadt fördern. Zusammen mit der Stadt müssen wir optimale Strukturen und Rahmenbedingungen schaffen, die das Einkaufen in Spaichingen attraktiv machen. Seit Jahren verschönern wir unser Stadtbild und verbessern das Umfeld – dafür sind wir der Stadt dankbar.Es mehren sich die Gerüchte, dass Sie als aktueller Vorsitzender des GHV nicht mehr weiter macht.

Wie soll es aus Ihrer Sicht weiter gehen?

Früh: Ich weiß nicht, woher Sie diese Gerüchte haben – das ist Quatsch. Ich habe nie geäußert, dass ich aufhören will und habe das aktuell auch nicht vor. 

Die Suche nach einer neuen Citymanagerin/neuem Citymanager zieht sich nun schon sehr lange. Wie ist der aktuelle Stand und wie kann es eine Lösung geben?

Früh: Es ist richtig, dass wir seit September letzten Jahres eine Nachfolge suchen. Wir haben die Stelle mehrfach ausgeschrieben und auch einige Bewerbungen erhalten und diverse Vorstellungsgespräche geführt. Bisher hat es leider nicht gepasst, oder wir haben im letzten Moment wieder Absagen erhalten. Wir möchten diese Stelle wieder besetzen, dafür haben sich Vorstand und Ausschuss klar ausgesprochen, wir wollen aber auch nichts übers Knie brechen, wenn es keine Übereinstimmung gibt. Wir suchen weiter.

Was für Aktionen zur Kundenbindung in der City sind für das restliche Jahr noch geplant?

Früh: Wir planen am 12. Juli unsere „Lange Einkaufsnacht“. Am 22. September veranstalten wir „Kunst trifft Wirtschaft“ und wir werden in den ersten zwei Dezemberwochen unseren „Winterzauber“ mit der Eisbahn wieder durchführen. Nachdem wir aufgrund der kurzfristigen Kündigung unserer letzten Citymanagerin die Eisbahn für 2018 ausfallen lassen mussten, war für uns von Anfang an klar, dass wir in diesem Jahr die Eisbahn wieder aufbauen werden.

Wenn Sie sich die Einkaufslandschaft in Spaichingen in zehn Jahren vorstellen, wie sieht diese aus?

Früh: Es ist schwer, hier verlässliche Prognosen aufzustellen. Der Markt wird sich verändern. Wenn wir es schaffen, unsere Geschäfte und Angebote noch mehr zu konzentrieren, werden diejenigen weiterhin Existenz haben, die sich auf die Bedürfnisse des modernen Kundenpotentials optimal einstellen. Beratungsqualität, Service und gute Produkte werden auch weiterhin Bestand haben.  Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren unsere Umgehungsstraße haben werden – das wird nochmal eine große Herausforderung und Chance für den Einzelhandel werden.

Die Gesamtsituation des stationären Einzelhandels in ganz Deutschland ist seit Jahren schwierig und wird angesichts einer immer größer werdenden Online-Konkurrenz nicht einfacher. Vor allem in Städten der Größe Spaichingens ist daher der lokale Einzelhandelsverband, hier der GHV, als Impulsgeber und Lobbyist gefordert. Hermann Früh, seines Zeichens langjähriger Vorsitzender des GHV, gibt in seinen Statements ausführlich seine Sichtweise des aktuellen Stands und über mögliche, zukünftige Entwicklungen preis.

 

Sven Krause

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