Es gibt richtig viel zu tun . . .
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7. September 2018
OB Michael Beck sprach im Interview mit dem WOCHENBLATT einige schwierige Themen offen an. FOTO: STADT

Die Reihe der Sommerinterviews im WOCHENBLATT geht weiter. Nach CDU-Fraktionschef Volker Kauder und BaWü-Justizminister Guido Wolf stellt sich nun Michael Beck, Oberbürgermeister von Tuttlingen, den Fragen des
WOCHENBLATTS.

Tuttlingen – Nachdem es in den vergangenen Wochen in der Schwerpunkt-Reihe des WOCHENBLATTS um Wohnungsnot in Tuttlingen ging, geht es nun um das Konzept für die Innenstadt, die Entwicklung des Bahnhofs und viele Themen mehr, bei denen Michael Beck gerne mehr tun würde, ihm realpolitisch aber meist die Hände gebunden sind.

Zur Eröffnung noch eine abschließende Frage zum Thema Wohnen. Das Union-Areal wird ein wenig zum Hoffnungsträger für die Innenstadtentwicklung und zur Verbesserung des Wohnungsangebots gesehen. Wie ist der aktuelle Stand?

Michael Beck: Die ganze Entwicklung des Geländes steht und fällt mit der Zukunft des Ensslin-Gebäudes. Wo einzeln dokumentiert werden und mit dem Landesdenkmalamt besprochen werden muss, wie die Wirtschaftlchkeit des Gebäudes aussieht oder ob eine entsprechende Unwirtschaftlichkeit vorliegt, damit das Gebäude entfernt werden kann.

Beim welcher Partei liegen jetzt die Hausaufgaben?

Aktuell bei uns, oder besser bei der Wohnbau. Dort müssen jetzt die entsprechenden Gutachten gefertigt und die notwendigen Unterlagen zusammengestellt werden, damit das Landesdenkmalamt sein abschließendes Urteil fällen kann. Danach müssen wir dann sehen, wie das Areal entsprechend weiter entwickelt werden kann.

Welches Zeitfenster haben Sie sich für dieses Thema gesetzt?

Ich gehe davon aus, da die Hausaufgaben noch bei uns, bei der Wohnbau liegen, dass es im Laufe dieses Jahres weiter gehen kann. Bisher wurde es ja noch als Baumittellager für das IFC genutzt. Das ist jetzt fertig, daher hoffe ich, dass wir zeitnah loslegen können.

Ein weiteres wichtiges Infrastruktuelles Thema für die Stadt ist die Entwicklung des Bahnhofs. Wie sieht die aktuelle Planung dafür aus?

Wir als Stadtspitze sind schon seit langem mit der Situation im Bahnhof und drum herum sehr unzufrieden. Da wir aber keine Lösungsansätze einer anderen Seite gesehen haben, sind wir daran gegangen, den Bahnhof zu kaufen, um etwas ändern zu können. Inzwischen sind wir soweit, dass wir beide Seiten des Gebäudes plus des Geländes erworben haben und die Planungen entsprechend anlaufen können.

Wie sehen diese Planungen genau aus?

Ziel ist es die Stadteingangssituation und das Tor zur größten Firma, zum größten Arbeitgeber in der Region attraktiv und modern zu gestalten. Wir haben vor einigen Wochen einen Planungswettbewerb gestartet, in dem klar formuliert ist, was wir alles haben wollen.

Und was wäre das?

Zunächst einmal eine Fläche für Park&Ride. Dann ein Zentrum der Mobilität zu errichten, da gilt es, die E-Mobilität, sei es für Autos und Fahrräder, als auch den Öffentlichen Nahverkehr, sinnvoll einzuplanen. Dazu gilt es, eine sinnvolle Nutzung in die Flügel zu bekommen. Auch da ist das Landesdenkmalamt miteingebunden. Das müssen die interessierten Büros jetzt planerisch umsetzen und dann haben wir hoffentlich zukünftig auch im Bahnhofsgelände eine wirtschaftliche Nutzung etwa mit einer Bahnhofsbuchhandlung, dem Reisebüro, das natürlich bleiben soll und Geschäften für eine Nahversorgung.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Wir wollen mit der dann zuständigen Projektentwicklung bis Mitte 2019 mit der Planung durch sein und dann entsprechend zeitnah anfangen die Pläne baulich umzusetzen.
Ein Thema, das dazu gut passt ist ihr Vorhaben viele Pendler aus dem Auto in den Nahverkehr zu bekommen. Wie sieht das konkret aus?
Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Mobilität auch im ländlichen Raum, wie hier bei uns, in Zukunft verändern wird. Dieser Gedanke ist die Grundlage, die dem Mobilitätskonzept zu Grunde liegt. Wir schaffen das nur mit attraktiven Angeboten. So haben wir alle großen Firmen angeschrieben mit Jobtickes für entsprechende Anreize zu sorgen. Die Ressonanz darauf ist sehr positiv und ich hoffe, dass wir da bald Ergebnisse sehen.

Was verbirgt sich weiter noch dahinter?

Ein ganz zentraler Punkt ist die Attraktivität der Schiene. Da geht es vor allem um die Vertaktung. So soll der Stundentakt in der Verbindung nach Ulm, der unser Wunsch war, Wirklichkeit werden in 2019. Daraus resultierend besteht die Chance, den Ringzug zu elektrifizieren. Diese Entscheidung muss allerdings bald fallen, denn 2021 müssen wir entscheiden, welche Fahrzeuge wir für die Bahn kaufen müssen. Wird elektrifiziert, dann werden nur entspechende Fahrzeuge gekauft. Das würde dazu führen, dass wir eine S-Bahn in der Stadt hätten und einen weiteren Bahnhof bei Karl Storz. Danach könnte dann eine engere Taktung für den Ringzug folgen.

Und innerstädtisch?

Da müssen und werden wir weiter konsequent dafür werben, dass immer mehr Menschen in dieser kleinen Stadt aufs Rad umsteigen.
Ein weiteres Thema ist die direkte Entwicklung der Innenstadt nach den ganzen Investitionen in Verkehrsberuhigung, Pflasterarbeiten und Beleuchtung. Wie sieht es mit einer Verbesserung des gastronomischen Angebots und der Ladenöffnungszeiten aus?
Die Frage ist hier, wer schafft das Angebot. Das Angebot kann hier nicht die Stadt schaffen. Wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen. Das denke ich, haben wir in einem ausreichenden und intensiven Maße getan. Angesichts der immer schwierigen Rahmenbedingungen in der Gastronomie wird es schwierig bleiben. Die familiengeführten Restaurants wird es kaum noch geben. Es wird ein internationaleres, ein systemisches Angebot geben. Ob damit jeder zufrieden ist, das steht auf einem anderen Blatt.

Zweites schwieriges Thema, das der Attraktivität der City eher im Wege steht, sind die Ladenöffnungszeiten. Wie sehen Sie das?

Das ist ein Thema, das wir seit Jahren versuchen zu verbessern und den Einzelhandel zu sensibilisieren. Vor allem mit ProTut sind wir da in engen Gesprächen und versuchen zu überzeugen. Wie sehr uns dieses Thema beschäftigt, sehen Sie auch daran, dass wir die Stelle eines Citymanagers geschaffen haben, der direkter Ansprechpartner, Problemlöser und Ideengeber für den Handel ist.

Als Problemlöser und Frequenzbringer können und sollten etwa die vielen verschiedenen Festivitäten dienen. Doch eine Vielzahl der Einzelhändler sieht das eher skeptisch. Können Sie sich erklären warum?

Auch hier ein klares Nein. Du kannst Kunden nur gewinnen, wenn du den Laden aufmachst und dich präsentierst. Aber da muss man sich genauso bewegen, wie bei der Diskussion um die Lieferzeiten. Wir haben früh und intensiv genug informiert über das neue Konzept. Wer jetzt damit ein Problem hat, der hat für mich seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Zur Person:

Seit Februar 2004 ist Michael Beck Oberbürgermeister der Stadt Tuttlingen. Der Jurist war zuvor Erster Bürgermeister in Böblingen. Am 6. November 2011 wurde Beck für weitere acht Jahre gewählt. Die zweite Amtszeit begann am 1. Februar 2012. Er wurde 1960 in Stetten am kalten Markt geboren, machte Abitur in Ebingen und legte 1990 das Zweite juristische Staatsexamen ab. 1994 wurde Beck zum Bürgermeister von Burladingen im Zollern- Alb-Kreis gewählt. Ab 1999 war er Erster Bürgermeister in Böblingen und in dieser Funktion für Finanzen, Kinder, Jugend/ Senioren, Schulen, Sport und Soziales zuständig.

Sven Krause

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