Er hat was gegen Regen
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29. März 2018
Jubel bei der Preisträgern: Links Albert Keller, rechts Jury-Mitglied Frank Karsten Willer (Volksbank Schwarzald-Donau-Neckar). Foto: Start-up BW Elevator Pitch

Zum „Ding des Jahres“ hat‘s nicht ganz gereicht, aber der erste Preis des Gründungswettbewerbs „Elevator Pitch“ war der Lohn einer innovativen Erfindung: Albert Keller aus Hintschingen hat eine Regenscheibe für Motorradhelme konstruiert.

Hintschingen – „Mit so was fahr ich nicht rum“ – diesen Satz hat Albert Keller schon oft gehört. Zu oft. Es sah ja auch zu komisch aus: Ein Propeller vor dem Visier des Motorradhelms. Ha ha. Dass der Propeller ab Tempo 30 die Glasscheibe so schnell bewegt hat, dass die Regentropfen weggeschleudert wurden und die Sicht des Fahrers auch bei Sauwetter plötzlich gut war – das hat eben nicht jeder gemerkt.

Das mit dem Propeller, das war nur der Anfang. Die Idee, die schnell in die Tat umgesetzt war. „Sieht halt schräg aus“, sah er ein. Und tüftelte an einer neuen, verbesserten Version. Ein Jahr lang hat er daran gearbeitet. Bis sie produktionsreif war, die neue Regenscheibe: Sie hat vier entsprechend versetzte Flügel, die die Scheibe ebenfalls schnell rotieren lassen. Davon ließ Albert Keller, der in Hintschingen eine Autowerkstatt betreibt, 700 Stück herstellen.

Die Anmeldung zum Patent war nicht ohne Probleme: So was Ähnliches gibt es nämlich schon. Das nennt sich „Schleuderscheibe“ und wird auf Schiffen verwendet. Allerdings wird diese Scheibe von einem Motor angetrieben und nicht vom Fahrtwind, weswegen das Patentamt ein Einsehen hatte.

Keller war auf Motorradmessen unterwegs, wo er an einem Stand die Scheiben selbst verkaufte. Gelegentlich kamen auch Verkäufer von anderen Ständen und priesen Scheiben den Bikern an, so begeistert waren sie, berichtet Keller.

Einen großen Schub brachte sein Auftritt bei der Show „Das Ding des Jahres“, aufgezeichnet im November und gesendet im Februar. Lena Gercke, Joko Winterscheidt und dem REWE-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog gefiel das – aber zum Weiterkommen hat‘s nicht gereicht. Aber den Verkauf gefördert: Da gingen schnell mal 350 Stück weg – was den Ein-Mann-Vertrieb ganz schön ins Schwitzen brachte. Denn das geht nebenher, seinen Lebensunterhalt bestreitet Keller nach wie vor mit seiner Werkstatt. Und im Ortschaftsrat ist Keller auch – sogar als stellvertretender Ortsvorsteher.

Vorige Woche aber der Erfolg: Beim Gründungswettbewerb „Start-up BW Elevator Pitch – Regional Cup Schwarzwald-Baar-Heuberg“ gewannen Albert Keller und sein „Watroprop“ unter acht Teilnehmern den ersten Preis, der mit 500 Euro dotiert ist. Außerdem wurde er zum Publikumsliebling erklärt. Der Gründerwettbewerb sucht derzeit wieder in ganz Baden-Württemberg nach einfallsreichen Geschäftsideen und den besten Gründern im Land. Das Landesfinale findet am 12. Juni in Stuttgart statt. Zur Jury des Wettbewerbs in Villingen zählte auch Frank-Karsten Willer, Vorstendsmitglied der hiesigen Volksbank Schwarzwald-Donau-Neckar.

Wolf-Dieter Bojus

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