Eine tausende Kilometer lange Reise bis ins Wohnzimmer

6. Juni 2019
Badenova-Netzmeister Mark Wrobel erklärt am Steuerungsdisplay der Druck-Regel-Anlage in Nenzingen die verschiedensten Einstellungen und Kontrollfunktionen, die für den Weitertransport des Erdgases wichtig sind. FOTO: KRAUSE

Dieser Luxus: Nach Hause zu kommen, und wenn uns kalt ist, einfach mal am Regler der Heizung drehen, und diese verschafft uns direkt ein wohliges und behagliches Gefühl, indem sie den Raum aufheizt. Oder den Gasherd anmachen und sich schnell etwas zum Essen brutzeln – für uns eine Selbstverständlichkeit. Doch wo kommt die notwendige Energie, sprich das Gas, eigentlich her, und wie gelangt es in unsere Häuser und Wohnungen?

Tuttlingen – Wir starten in Nenzingen. Eine kleine Ortschaft in der Nähe von Stockach. Mitten im grünen Nirgendwo kurz vorm Bodensee. Hier treffen die Leitungen von Terranets und Badenova aufeinander.

Über die Leitungen von Terranets gelangt das Erdgas, das die Badenova an der Gasbörse einkauft, zu den großen DruckRegel-Anlagen. Dort wird der Druck, mit dem die Gaslieferanten den Rohstoff anliefern, reduziert und für den Transport in die Druck-Regel-Anlagen im Landkreis mit dem Duftstoff THT (Tetrahydrothiophen) versehen. THT sorgt dafür, dass selbst kleinste Mengen Erdgas sofort geruchlich auffallen.

Doch wo kommt das Erdgas eigentlich her? Hängen wir wirklich komplett am Gashahn Russlands? Badenova-Pressesprecherin Yvonne Schweickhardt kann angesichts dieser immer wieder gern zitierten Behauptung nur den Kopf schütteln. „Natürlich kaufen wir an der Gasbörse auch russisches Gas ein. Das macht aber maximal 30 Prozent unseres Volumens aus. Der Rest stammt aus Norwegen und anderen europäischen Ländern. Und sollte Russland wirklich mal streiken, dann kaufen wir eben mehr aus Norwegen oder von anderen Anbietern.“ Nachdem diese energiepolitische Frage nun auch geklärt ist, erklärt Netzmeister Maik Wrobel ein paar der technischen Details: „Das Gas wird mit einem Druck von knapp über 46 Bar angeliefert. Wir reduzieren hier den Druck auf 30 Bar. Am Ende müssen wir den Druck auf etwa 0,5 Bar reduzieren, dann kann das Gas in die Haushalte geliefert werden.“ Dort wiederum wird der Druck auf rund 22 Mbar reduziert, damit es hausintern verwendet werden kann.

Damit das Gas allerdings auch wirklich bei uns ankommt, muss es zunächst einmal erhitzt werden, damit es bei der Druckreduzierung und dem Weitertransport nicht die Ventile gefrieren lässt. Dazu laufen ständig vier große Heizkessel, die jeder für sich einen ganzen Wohnblock heizen könnten. Darüber hinaus ist Wartung und Kontrolle alles. Dies geschieht zunächst einmal über dutzende Sensoren und Fühler, die überall in den Ventilen und Systemen der Anlage integriert sind und zentral überwacht werden. Sollte einer anschlagen und nicht über Ferndiagnose gewartet werden, dann macht sich Maik Wrobel oder einer seiner Kollegen direkt auf den Weg. Zudem werden alle Anlagen mindestens einmal im Monat vor Ort überprüft.

Genauso oft sind auch die Leitungen dran. Zum einen aus der Luft per Hubschrauber, die anhand von Markierungen die Wege aus der Luft abfl iegen und vor allem auf nicht angemeldete Baustellen allergisch reagieren. „Die Kollegen aus der Luft informieren mich, ich fahre vorbei und kann dann schon einmal ziemlich laut werden“, erzählt Maik Wrobel.

Und einmal im Monat wird jeder Meter zu Fuß per Messgerät auf undichte Stellen überprüft. Damit bloß nichts passiert und wir immer direkt daheim auf Knopfdruck loslegen können.

Elf Mitarbeiter der Badenova kümmern sich darum, dass im gesamten Landkreis Tuttlingen die Gas- und Stromversorgung reibungslos läuft. Dazu übernehmen die Mitarbeiter in der Zentrale in Freiburg auch den Notrufservice etwa für die Stadtwerke Tuttlingen und koordinieren die Hilfskräfte bei eventuellen Störungen.

Sven Krause

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