E-Antrieb ist Zukunft

E-Antrieb ist Zukunft
Dr. Pero Micic ist Vorstandsvorsitzender der FutureManagementgroup und blickte im Gespräch mit dem WOCHENBLATT auf die Perspektiven der Automobilindustrie. Foto: FMG
10. Januar 2020

Zukunftsforscher gibt es viele. Zukunftsmanager nur einen. Dr. Pero Micic gründete 1991, noch als Student, das erste Unternehmen für Zukunftsmanagement in Europa. Heute noch ist er Vorstandsvorsitzender der FutureManagementGroup AG. Dr. Micic berichtet aus der Praxis. Er spricht täglich mit den Spitzen der Wirtschaft und macht sich so direkt ein Bild. Im Gespräch mit dem WOCHENBLATT blickte er auf die Perspektive für die Automobilwirtschaft, die Zulieferer und die grundsätzliche Entwicklung der Mobilität. 

Angesichts der Eintrübung in der deutschen Automobilwirtschaft, welche Entwicklung sehen Sie für 2020?

Pero Micic: Es gibt leider keinen Faktor, der für 2020 eine Besserung in Aussicht stellt. Die Kunden sind unnötigerweise verunsichert darüber, welche Antriebstechnologie sich durchsetzen wird und verschieben deshalb einfach Neuanschaffungen. Das ist eine ganz rationale Reaktion. Zudem spüren viele das Risiko einer Rezession oder gar eines Crashs und halten ihre Mittel lieber zusammen.

In unserer Region sind viele Zulieferer für die Automobilwirtschaft angesiedelt, die aktuell Kurzarbeit angesetzt haben. Welchen Ausblick auf 2020 haben Sie für diese?

Für die Zulieferer gilt das Gleiche wie für die OEM, also die Automobil-Hersteller.

Wo sehen Sie die Entwicklung in der Mobilität hingehen? Ist der Elektroantrieb der Antrieb der Zukunft?

In jeder Hinsicht, technisch, energetisch, ökologisch und auch wirtschaftlich, ist der batterieelektrische Antrieb der Antrieb der schon nahen Zukunft. Auch wenn wir den Fahrspaß und die Zuverlässigkeit als Maßstäbe nehmen, gewinnt der batterieelektrische Antrieb. Reichweitenangst und Lademühen sind nur noch ein kleines Problem und werden bald gänzlich verschwunden sein.

Wie sehen Sie die Alternative Wasserstoff?

Für PkWs und kleinere Nutzfahrzeuge hat der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb praktisch keine Chance. Eine ausführliche Begründung würde den Rahmen hier sprengen. Mehrfach mehr Energie für die gleiche Strecke, kompliziertere Technik in Infrastruktur und im Fahrzeug selbst und so deutlich höhere Kosten. Das sind nur wenige von vielen Nachteilen. Es gibt praktisch keinen einzigen Vorteil. Bei LKWs, Schiffen oder Flugzeugen mag das anders sein.

Welche Auswirkungen hat dies für die Zulieferindustrie und welche Anpassungen/Alternativen haben Sie für diese entwickelt?

Das schlimmste und leider recht wahrscheinliche Szenario besagt, dass in zehn Jahren so gut wie niemand mehr ein anderes neues Auto kauft als ein rein batterieelektrisches. Üblicherweise orientieren sich die deutschen Unternehmen an einem viel milderen Szenario. Das ist gefährlich. Die Entscheidung von Volkswagen, sich voll auf den batterieelektrischen Antrieb zu konzentrieren, ist absolut richtig. Von den beruflichen Qualifikationen bis zu den Maschinen muss alles schneller umgestellt werden, als es jetzt passiert. Das kostet enorme Geldmittel, Anstrengungen und viel Überwindung. Aber es ist unumgänglich. Das batterieelektrische Auto ist so viel sinnvoller als solche mit Verbrennungsantrieben wie die Smartphones im Vergleich zu den Mobiltelefonen, die wir vor dem iPhone genutzt haben.

Nun befinden wir uns hier in einem ländlichen Raum. Welches Mobilitätskonzept der Zukunft kann sich hier entwickeln und in welchen Zeitfenstern?

Wir entwickeln uns vom teuren eigenen Auto, das man irgendwann aus Altersgründen nicht mehr fahren kann, zum autonomen Fahrzeug, das innerhalb weniger Minuten vor der Tür steht, zuverlässig funktioniert und nur zehn Prozent eines heutigen Taxis kostet. Damit wird der ländliche Raum wieder wettbewerbsfähig mit städtischen Lebensräumen und zwar für Bürger jedes Alters. Als Zeithorizont sehe ich hier etwa zehn Jahre, auch wenn einige Experten solche Services viel früher sehen. Alleine schon die fraglos nötige Regulierung wird das Aufkommen solcher Lösungen stark verzögern.

Sven Krause

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