„Du sollst nicht lügen“ – Eine wahre Herausforderung

14. März 2019
Markus Arnold blickte aus seiner Warte auf die diesjährige Fastenaktion der Evangelischen Kirche Foto: privat

Viele Menschen lassen sich jährlich mit „7 Wochen Ohne“, der Fastenaktion der evangelischen Kirche aus ihrem Trott bringen. Sie verzichten nicht (nur) auf Schokolade, sondern folgen der Einladung zum Fasten im Kopf: sieben Wochen lang die Routine hinterfragen,  entdecken, worauf es ankommt im Leben.

Tuttlingen – Laut einer Umfrage glauben fast zwei Drittel der Deutschen, auf Fragen wie „Hat es geschmeckt?“ oder „Wie sehe ich aus?“ dürfe man mit einer Lüge antworten. Die evangelische Fastenaktion „7 Wochen Ohne lügen“ widmet sich dem alltäglichen Umgang mit der Wahrheit. „Sieben Wochen ohne lügen“ – das Fastenmotto der evangelischen Kirche in Deutschland sorgte etwa in der Kirchengemeinde in Tuttlingen nicht nur für helle Freude. So musste etwa Kirchenreferent Markus Arnold tief durchatmen, als ihm die Bedeutung dieses Mottos bewusst wurde.

Er erzählte im Gespräch mit dem WOCHENBLATT offen und ehrlich seine Gedanken, als im Leitungskreis der Kirchengemeinde über die Umsetzung des Fastenmottos beraten wurde. „Ich musste schon kräftig schlucken. Denn wenn man ehrlich mit sich selbst ins Gericht geht, dann sind wir alle doch nicht frei von Lüge. Diese kleinen Alltagslügen, mit denen wir liebe Menschen vermeintlich schützen wollen oder uns vor einer möglichen längeren Diskussion retten wollen – die nutzen wir doch alle. Darauf ganz bewusst zu verzichten, das wird definitiv nicht einfach“ erinnert sich Markus Arnold.

Der trotz aller leisen persönlichen Bedenken was die strikte Umsetzung des Mottos angeht dennoch voll und ganz hinter der Aktion steht. „Seien wir doch mal wirklich ehrlich. Eigentlich betrügen wir vor allem Menschen aus unserer direkten Umgebung mit diesen Alltagslügen. Und gerade diese Menschen stehen uns doch eigentlich extrem nahe. Daher haben sie doch totale Offenheit verdient“, erzählt Markus Arnold weiter. Zudem findet er es zeitgemäß und passend, dass die evangelische Kirche in Deutschland eines der ursprünglichen zehn Gebote aufgreift und es in unsere moderne Welt transportiert. „Das zeigt doch wieder einmal wie aktuell die Bibel mit ihren Geboten, Geschichten und Metaphern ist. Außerdem können wir heute noch sagen – wenn wir streng nach den zehn Geboten leben würden, dann könnten wir eigentlich auf eine Vielzahl der Paragraphen in den verschiedenen Gesetzbüchern verzichten“, spinnt Markus Arnold seinen Gedankenfaden weiter.

Passend zur generellen Fastenaktion gibt es in den verschiedenen evangelischen Gemeinden im Landkreis passende und darin eingebettete Gottesdienste und Veranstaltungen. Mehr dazu im Internet auf www.ev-kirche-tuttlingen.de.

 

Fasten erlebt seit einiger Zeit eine Renaissance unter der Bevölkerung. Doch was bewirkt fasten und was für Fehler sollte man vermeiden? Darüber hat sich das WOCHENBLATT mit den beiden Heilpraktikern Stefan und Stefanie Abt aus Tuttlingen unterhalten.

Was bedeutet eigentlich Fasten? 

Fasten ist nicht Hungern und hat auch mit Mangel und Entbehrung nichts zu tun. Fasten meint nicht: Abstinenz von Süßigkeiten, Alkohol, Fleisch am Freitag, denn das wäre nur Verzicht. Fasten ist ein freiwilliges, zeitlich begrenztes Leben ohne feste Nahrung. Es ist aber auch zugleich die intensivste Form der Entgiftung, Entsäuerung, Entschlackung und der Besinnung auf das Wesentliche im Leben. Einsteiger brauchen beim ersten Fasten etwas Mut und die Bereitschaft, Neues zu entdecken sowie alte Gewohnheiten loszulassen. Als Belohnung gewinnen die Fastenden innere Ausgeglichenheit und Zufriedenheit, neue Energie/Leistungsfähigkeit, schöne Haut, Straffung des Bindegewebes, Stärkung des Immunsystems. Fasten reinigt, entschlackt und entgiftet. Für den Körper ist das Frühjahr die beste Jahreszeit, weil nach dem Vorbild der Natur der jährliche Erneuerungsprozess initiiert wird.

Wer kann fasten?

Fasten in Eigenregie eignet sich für alle Menschen, die sich gesund, leistungsfähig, fit fühlen und sich zutrauen, Disziplin zu halten. Gleichzeitig sollte jeder die Möglichkeit haben, dem stressigen Alltag zu entfliehen. Auch die innere Einstellung zum Fasten spielt eine wesentliche Rolle. Sich einlassen auf das ganzheitliche Erlebnis und die Vorfreude auf eine beglückende Erfahrung sind gute Voraussetzungen. Nicht für alle ist das Fasten geeignet. Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, körperlich oder psychisch krank sind sollten nicht eigenständig fasten. Für stark Untergewichtige, Schwangere oder Stillende ist Fasten ungeeignet. Im Zweifel ist der Rat eines Therapeuten einzuholen.

 

5 Tipps zum erfolgreichen Fasten:

• Das Fasten richtig vorbereiten: je besser die Vorbereitung, desto effektiver ist die Kur und desto weniger Krisen treten auf. Reinen Tisch machen, alle Zutaten/Utensilien besorgen, den richtigen Zeitpunkt planen, einen Fastenplan erstellen und mit einem Entlastungstag beginnen.

• Umschaltung auf Fasten, wichtig ist die Darmentleerung. Hilfreich ist Sauerkrautsaft, Molke, Buttermilch, Glaubersalz, auch Einläufe sind geeignete Mittel. Bitte keine Abführmittel!

• Erfolgstagebuch führen, Ausleitung fördern und viel trinken. Gut sind Kräutertees, Wasser, Gemüsebrühe oder mit Wasser verdünnte Obst- und Gemüsesäfte, wiederholte Einläufe, Sauna, Massage. Auf Alkohol, Nikotin und Kaffee unbedingt verzichten!

• Täglich Bewegung und/oder Sport. Meditationen, Tai Chi, Yoga oder ähnliches sorgen für die seelische Balance.

• Aufbautage und Nachfastenzeit: richtig aufbauen zahlt sich aus. „Jeder Dumme kann fasten, aber nur ein Weiser kann das Fasten richtig abbrechen“ (George Bernhard Shaw, Schriftsteller). Ein Drittel der Fastenzeit sollte für den Kostaufbau verwendet werden, d. h. leichte Kost und keine Genussmittel. Jetzt ist die beste Zeit Gewohnheiten zu ändern!

 

Sven Krause

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