Dolmetscher im Ehrenamt

Dolmetscher im Ehrenamt
Die Teilnehmer der jüngsten Dolmetscher-Schulung mit Sarah Didavi vom Landratsamt (unten rechts) Foto: Wolf-Dieter Bojus
7. März 2019

Wer als Fremder nach Deutschland kommt, braucht den Kontakt zu Behörden. Viele der Migranten und Flüchtlinge können aber kein Deutsch, die Beamten kein Arabisch oder Rumänisch. Da droht Sprachverwirrung wie beim Turmbau zu Babel. Tuttlingen – Die Idee: Dort, wo es nicht auf professionelles Dolmetschen ankommt, sondern auf Verständigung, da können doch Landsleute helfen, die schon Deutsch können. Und weil die neu Zugewanderten aus vielen verschiedenen Ländern kommen, braucht‘s auch viele Helfer, Sprach- und Kulturdolmetscher genannt.

Der Landkreis ist gerade dabei, einen Pool dieser Ehrenamtlichen aufzubauen, wie ihn die Stadt Tuttlingen bereits hat.Das beginnt mit einer ganztägigen Schulung, mit der die Dolmetscher auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Das ist die Aufgabe der Diplom-Pädagogin und Dolmetscherin Jana Mokali, die an diesem Tag elf Freiwillige schult. Welche Sprachen? Arabisch, Kurdisch, Rumänisch, Farsi (die Sprache im Iran und Teilen von Afghanistan), aber auch Englisch und Französisch sind dabei. Einige der jüngeren Teilnehmer, Azubi und Studenten, sind seit drei Jahren im Land, eine Frau dagegen seit 47. Ihr hört man nicht an, dass sie aus einem anderen Sprachgebiet kommt.

Seit 2015 hat die Stadt Tuttlingen schon Sprach- und Kulturdolmetscher (SKD), der Landkreis hat im vorigen Jahr mit der Schulung begonnen. In drei Schulungen wurden bereits 54 Menschen gefunden, die in 17 Sprachen helfen können. Dabei sind auch so exotische Sprachen wie Tigrinya, das in Äthiopien und Eritrea gesprochen wird, und die afrikanischen Sprachen Swahili und Kikuyu. 

„Der Dolmetscherpool richtet sich an Institutionen  wie Beratungsstellen, Bildungseinrichtungen, Behörden  und soll die dort arbeitenden Mitarbeiter unterstützen, die für die ,sprachlosen‘ Betroffenen wichtigen Gesprächsinhalte zu übersetzen“, sagt Sarah Didavi. „Auch soll Beispielsweise in einem Elterngespräch in der Schule nicht mehr das eigene Kind übersetzen müssen, sondern hier kann von den Lehrern ein neutraler ehrenamtlicher Übersetzer angefordert werden.“ Wer einen Dolmetscher braucht, wendet sich an die Stadt oder den Kreis und bekommt dann die Daten der geeigneten Personen, um selbst einen Termin zu vereinbaren. Schließlich sind viele der Freiwilligen berufstätig und nicht auf Abruf bereit.

„Man steht im vollen Leben, und plötzlich ist man im anderen Land sprachlos“, beschreibt Jana Mokali anschaulich, was einige ihrer Zuhörer schon am eigenen Leib erfahren haben. Und so ist auch „Helfen“ und „soziales Engagement“ am meisten zu lesen, als die Dozentin alle auffordert, ihre Motivation aufzuschreiben.  „Integration unterstützen“ ist ein weiteres Motiv. Die elf dürfen aber auch an ihr eigenes Fortkommen denken: „Mein Deutsch verbessern“ oder auch „bei Fremdsprachen in Übung bleiben“ steht da, und auch „Leute kennenlernen“ ist ein Grund fürs Engagement. Einer gibt an: „Geld verdienen.“

Reich wird er bei dieser Tätigkeit sicher nicht: Als Anerkennung gibt‘s zu den Fahrtkosten noch 15 Euro die Stunde. Und die Anzahl der Einsätze ist übersichtlich: Im Landkreis waren es seit Juli 2018 gerade 25, die Stadt Tuttlingen hat im vorigen Jahr 115 Einsätze vermittelt.

Folgende Sprachen sind im Pool des Landkreises vorhanden: Arabisch, Rumänisch, Farsi, Russisch, Kurdisch, Paschtu, Tigrinya, Polnisch, Ukrainisch, Türkisch, Kikuyu, Swahili, Kroatisch, Ungarisch, Portugiesisch, Spanisch, Englisch.

Wolf-Dieter Bojus

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