Die Zukunft des Automobils - Ein Jahr Daimler-Testzentrum in Immendingen – Blick hinter die Kulissen

Die Zukunft des Automobils - Ein Jahr Daimler-Testzentrum in Immendingen – Blick hinter die Kulissen
68 Kilometer Teststrecke sind auf 520 Hektar Fläche in Immendingen entstanden. Foto: Daimler Benz
6. November 2019

Sie haben Recht, wenn Sie bei der Überschrift ein wenig stutzen und sich denken, dass der aktuelle Werbeslogan von Daimler-Benz doch ein anderer ist und deutlich selbstbewusster daher kommt. Doch für den Blick hinter die Kulissen und auf die Entwicklung des Testzentrums in Immendingen passt für mich keiner der plakativen Markenclaims besser als der aus dem Jahr 1998. 

Tuttlingen - Auf rund 520 Hektar Fläche sind hier auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz 68 Kilometer  Teststrecke mit den verschiedensten Belegen, Steigungen und Intentionen entstanden. Und wenn ein Tester es will, kann er innerhalb weniger Minuten gefühlt einmal um den Globus fahren.

Was wie eine kaum vorstellbare Zukunftsvision klingt, innerhalb weniger Minuten einmal rund um den Globus zu fahren, das ist für die Testfahrer, Entwickler und Besucher des Testzentrums in Immendingen Realität. Allerdings auf eine sehr konzertierte Art und Weise.

So wurden auf rund fünf Kilometern der Teststrecke die Fahrbahnmarkierungen von typischen Landstraßen in den USA, Japan, Brasilien oder Skandinavien geklebt. Warum das? Ganz einfach. Damit alle neuen Kamerasysteme, die Daimler bereits aktuell aber vor allem zukünftig in seine immer autonomer agierenden Fahrzeuge einbaut, dies eben auch rund um den Globus tun. Und das vom ersten Anlassen des Hybrid, Elektro- oder vielleicht doch Wasserstoffantriebs.

Was alles aktuell schon möglich ist, hier in Immendingen, das fasst das Statement von Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Daimler AG, verantwortlich für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung, gut zusammen: „Hightech-Fahrzeuge erfordern Hightech-Erprobung. Unser Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen bietet uns eine Vielzahl an Möglichkeiten, neue Technologien, darunter alternative Antriebe und Fahrassistenzsysteme, zu erproben und zu perfektionieren. Gleichzeitig können wir den Straßenverkehr entlasten, indem wir zum Beispiel die Dauerlauferprobung auf unser Testgelände verlagern.“

So finden sich auf wenigen Kilometern nicht nur für die visuelle Erprobung beste Möglichkeiten. So haben die Planer des Geländes auf den 68 Kilometern Teststrecke auch steile und enge Passstrecken wie in den Alpen gezaubert, es finden sich breite mehrspurige Straßen wie in Nordamerika wieder und Abschnitte auf denen konzertiert der intensive Stop-and-Go-Verkehr einer südeuropäischen Großstadt wie Rom nachgestellt wird.

Was noch alles geht, erzählt der Leiter des Testzentrums, Reiner Imdahl: „Auf dem Prüfgelände lassen sich viele Verkehrssituationen realitätsnah nachstellen. Am Computer lässt sich viel berechnen, aber am Ende bleiben Testfahrten auf richtigen Straßen unumgänglich. Dabei wird man immer wieder feststellen, dass die Wirklichkeit stets Überraschungen bereithält, die selbst unsere besten Simulationscomputer nicht bedacht haben.“

Was sich dahinter verbirgt, das macht ein Teil des Testzentrums wohl so gut deutlich, wie  alle anderen durchaus spektakulären Abschnitte zusammen. Wovon ich spreche, ich rede von der Bertha-Fläche, eine komplett plane 100 000 Quadratmeter große Fläche zum Erproben und Testen von hochautomatisierten Fahrzeugen. Insbesondere automatisierte Fahr- und Sicherheitsfunktionen heutiger und künftiger Fahrassistenzsysteme auf dem Weg zum autonomen Fahren sollen hier auf Herz- und Nieren und eine Fehlerresistenz im Nanobereich getestet werden.

Was sich sehr technisiert anhört und viel mehr ist, das lässt einen leicht vergessen, dass Daimler zwei Faktoren eine sehr große Rolle zugedacht hat, die man hier schnell übersehen kann, obwohl sie eigentlich omnipräsent sind. Mensch und Natur. So wurde etwa eine Wildtierpassage geschaffen, die das komplette Gelände durchschneidet und Tieren eine vollkommen gefahrlose Querung ermöglicht. Und der Faktor Mensch? Dem wurden bei der Schaffung der Zukunft des Automobils zwei ganz wichtige Plätze geschaffen oder erhalten.

So gibt es eine Kantine, die für alle Immendinger nutzbar ist und extremst leckere und sowohl vegane als auch 100prozentig fleischige Leckerein produziert und Sport- und Trainingsflächen, die Daimler der Gemeinde zur Nutzung überlassen hat. So entsteht eine Symbiose, die ich zumindest Daimler nicht zugetraut hätte. Bei der Schaffung der Zukunft des Automobils hier mitten in Immendingen.

Sven Krause

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