Bildschirm als Schalter - Volksbank probiert ein neues Modell aus

13. Juni 2019
Gert Oßwald, Leiter des Vertriebsmanagements, und seine Mitarbeiterin Martina Faitsch führen das neue System vor. Der Herr auf dem Bildschirm, Wolfgang Blau, sitzt in Schwenningen. Foto: Bojus

Es sind neuartige blaue Kästen, die im Schalterraum der Volksbank in Tuttlingen stehen. Wenn man die Kästen betritt, wird man von einer Frau oder einem Herrn auf dem Bildschirm freundlich begrüßt.

Tuttlingen – Der Kasten nennt sich „VR-SISy“, was ausgeschrieben „VR-Service-Interaktiv-System“ heißt. So könnte die Bankfi liale der Zukunft aussehen, vor allem in kleineren Ortschaften. Dort klagen die Banken schon seit längerem, dass die Schalterstunden nur spärlich genutzt werden, und in einigen Dörfern wurden ja auch vom einen oder anderen Geldinstitut Filialen geschlossen. Der Ansprechpartner sitzt dann eben nicht mehr hinterm Schalter in der Filiale, sondern in Schwenningen. Elektronisch mit der SISy verbunden, mit der Möglichkeit, Dokumente einzusehen und auch Unterschriften zu leisten.

Ob das nun wirklich die Zukunft ist, wird derzeit im Testbetrieb in Tuttlingen erprobt. Für die Kunden habe das den Vorteil, dass sie nicht auf die knappen Öffnungszeiten der Filialen angewiesen sind, weil SISy durch den zentralen Dienst länger laufen kann. Bank-Chef Jürgen Findeklee hat aber noch einen Grund für diese neue Maßnahme: Der Schalterdienst, bisher der klassische Einstieg in die Karriere bei den Banken nach der Lehre, findet bei den jungen Bankern kein Interesse. Die „Digital Natives“ machen eh längst alles Bankgeschäft online und verstehen schon mal gar nicht, weswegen man ein Überweisungsformular ausfüllen und abgeben muss. Außerdem stehe bei Ein-Personen-Zweigstellen immer die Furcht vor Überfällen im Raum.

Die kleinen Filialen sind es auch, die nach der Erprobungsphase mit SISy ausgestattet werden sollen, nach Findeklees Einschätzung zehn an der Zahl. Er nannte als Beispiel Herrenzimmern. Und die Bank lässt es sich etwas kosten: Eineinhalb bis zweieinhalb Millionen sollen investiert werden.

Wolf-Dieter Bojus

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren