Wenn Kunstwerke lebendig werden und faszinieren

23. Mai 2019
Iris kann nicht nur Katze, sondern auch Raubkatze: Steht man vor dem Ölgemälde, starrt das Raubtier einem direkt in die Augen. Ziemlich beeindruckend und fast schon angsteinflößend. Foto: Laura Hummler/privat

Wer Bilder von Iris Schmid bestaunt, erkennt fast keinen Unterschied zur Fotografie. Mit Hilfe ihrer Kreiden zaubert sie die unterschiedlichsten Motive aufs Papier. Dabei ist es eigentlich ein Wunder, dass die Künstlerin nach einem schweren Schicksalsschlag überhaupt noch malen kann. 

Bad Buchau – Egal ob Plankentalkapelle, Federseepanorama, Bauten des Steinzeitmuseums oder Tiere wie Katze und Löwe: Vor Iris Schmid ist kein Motiv sicher. Zu ihren Spezialgebieten zählen Kreide-, Acryl- und Ölmalereien. Gezeichnet hat die Buchau-erin eigentlich schon immer, bis zum 13. Lebensjahr vor allem mit Bleistift. Doch dann war es plötzlich Iris Schmid selbst, die gezeichnet werden sollte. Und zwar durch einen schrecklichen Unfall.

Schwerer Schicksalsschlag

„Als Dreizehnjährige bin ich auf dem Bauernhof einer Freundin in die Walzen eines Heuladewagens hineingeraten“, erzählt sie. Den Unfall hatte sie damals zwar mit viel Glück überlebt, doch er hatte immense Verletzungen für das Mädchen zur Folge: eine Querschnittslähmung mit eingeschränkter Fingerfunktion an der linken Hand und einer kompletten Lähmung der Finger an der rechten Hand.

Für die Künstlerin ein hartes Urteil, vor allem als Rechtshänderin. Jedoch keines, von dem sie sich hätte unterkriegen lassen. Schon in der Reha begann Iris wieder zu malen. „Eine Therapeutin brachte mir Aquarellkreiden mit, weil ich diese aufgrund der Dicke gut halten konnte.“ Ihre Stifte klemmte sich Iris Schmid nämlich fortan so geschickt in die Hände, dass sie auch ohne Muskelkraft hielten. Auch heute malt sie auf diese Art und Weise, mittlerweile sogar beidhändig.

Ihre Techniken erlernt die Künstlerin in Kursen an verschiedenen Akademien. Dabei stößt sie auch mal an Grenzen, denn durch ihre vom Rollstuhl bedingte Größe kann sie nicht immer beschwerdefrei in großen Formaten malen. „Da schmerzt einfach irgendwann die Schulter.“ 

Für ihr Wohnzimmer hat sie sich aber dennoch an ein größeres Bild herangewagt. Dort ziert nun ein eindrucksvolles „Tor aus Ästen“ ihre Wand, das in rund 30 Stunden Arbeit entstanden ist. Die Kulisse im Bild entstammt übrigens der Realität. Abgebildet ist ein kleines, unscheinbares Schlupfloch zwischen Wackelwald und Federseeparkplatz. Denn diese unscheinbaren, fast schon versteckten und dennoch wunderschönen Motive springen Iris Schmid seit ihrem Unfall förmlich an. „Ich gehe seit damals viel bewusster und mit offeneren Augen durchs Leben.“ Besonders der Federseeraum hält viele wunderschöne Motive für sie parat, deshalb ist Iris stets mit einer Kamera unterwegs.

Foto als Vorlage

Wenn das Foto dann geschossen ist, beginnt Iris‘ Arbeit. Dabei geht sie unterschiedlich vor. Manches malt sie einfach  frei Schnauze ab. „Bei schwierigeren Motiven greife ich aber auch mal zu Hilfsmitteln und lege Raster an. Dann kann ich jedes Bildquadrat genau übertragen.“ Wenn die Zeichnung fertig ist, besprüht Iris sie mit Fixierspray, um so den Erhalt des Bildes zu sichern. Nur ein einziges falsches Streifen oder Berühren des Bildes kann nämlich zu dessen vollkommenem Verwischen beitragen. 

Andererseits ist es genau dieses Weiche, was Iris an der Kreidenmalerei so liebt. Und diese Liebe wird in ihren Bildern förmlich sichtbar, besonders beim Blick auf die hauchfeinen Details. Man merkt sofort: diese Frau scheint mit Kreide alles malen zu können.

Und dabei ist Kreide nur eine ihrer künstlerischen Facetten. Denn da wären auch noch die Werke aus Acryl. Diese sind im Gegensatz zu den lebensechten Kreidewerken ein wenig abstrakter. „Acryl entsteht bei mir immer durch Stimmung, Experiment und Zufall“, erklärt Iris.  Wenn sie übrigens nicht am Malen ist, ackert sich die Frührentnerin durch ihren Garten. Von der Teichanlage bis zum Hochbeet  hat sie dort alles fest im Griff – wie beim Malen.

Ihre Bilder stellt Iris in Banken, Cafés oder bei Ärzten aus. Außerdem ist sie alle zwei Jahre bei „Kunst im Sägewerk“ im Seelenwald mit dabei, so auch in diesem Jahr. Beim Antransport ihrer Bilder und dem Aufbau bekommt sie Unterstützung von ihrem Mann und ihrer Familie. Die Preise ihrer Bilder variieren nach Größe. Iris Schmid nimmt gerne auch Aufträge entgegen. Erreichen kann man sie unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Laura Hummler

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