Umbruch für die Zukunft

9. Mai 2019
In der Gießerei: von li Bürgermeister Marcus Schafft, Wirtschaftsförderer Bernd Schwarzendorfer, MdL Thomas Dörflinger, Ulrich Ott (CDU Riedlingen), Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Landrat Dr. Heiko Schmid, Gesellschafter Werner Blank und der Geschäftsführer Hubert Deutsch Foto: Maximilian Kohler

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, besuchte das Unternehmen Feinguss Blank. Sie wollte sich einen Einblick in das Unternehmen verschaffen und seine Herausforderungen für die Zukunft kennenlernen. Abgereist ist sie mit schwerem Gepäck, denn die Herausforderungen für die Industrie durch China als Mitbewerber auf dem Weltmarkt sind dramatischer als gedacht.

Riedlingen – Die Ministerin betonte in einem Eingangsstatement, dass die Industrie und Deutschland vor großen Herausforderungen stünden. Sie sprach die Zölle der USA auf Stahl und Autos aus Europa an, berichtete aber auch von ihren Erfahrungen, die sie jüngst bei einer Reise durch den fernen Osten gewonnen hatte: „Von dort geht ein immenser Markt- und Preisdruck aus. Wir müssen schauen, dass wir unseren technologischen Vorsprung halten können. Wir sind Automobilstandort und wollen es auch bleiben“.

Von China überholt

Diesen Ball nahm Hubert Deutsch, Geschäftsführer von Feinguss Blank, gerne auf. Zur Überraschung der Ministerin und ihrer Begleitmannschaft verwies er darauf, dass China in manchen Bereichen technologisch bereits an deutschen Vergleichsprodukten vorbeigezogen ist. „Die Chinesen sind nicht nur gleichauf, sie sind uns sogar ein Stück weit voraus. Erschwerend kommt dazu, dass die Qualität nicht schlechter ist, als die unserer Produkte. Weitere Herausforderungen sind deren günstige Preise und ihre arbeitszeitbedingt flexiblen Reaktionen auf Marktanforderungen. Zudem sind sie ganzjährig und zuverlässig rund um die Uhr erreichbar.“

Deutsch sprach die dringend notwendigen Lösungswege für Feinguss Blank an. Danach muss sich das Unternehmen Anforderungen in den Bereichen Qualitätssteigerung, Automatisierung und Kostensenkung stellen und neue Marktsegmente erschließen. „Wir sind aktuell in einem Strategiemeeting, um die richtigen Weichen für eine gute Zukunft unseres Betriebes zu stellen. Wir müssen dabei u.a. auch Lösungen finden, wie wir mit dem Produktionsrückgang von Verbrennungsmotoren umgehen“, so Deutsch. Feinguss Blank ist Zulieferer der Autoindustrie, ein bedeutender Teil der Umsätze werden in dem Bereich erzielt. Deutsch bat um flankierende Unterstützungsmaßnahmen durch die Politik: „Wir sitzen oft genug bei Zuschussmöglichkeiten zwischen allen Stühlen. Für den einen Fördertopf sind wir zu groß, für den anderen schlicht zu klein.“ Unterstützung erbat er von der Ministerin für neue Wege, mit der die Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden sollen. Dazu gehören, so Deutsch, u.a. interne Fortbildungsmaßnahmen, wie etwa in der Gießerei, um den Mitarbeitern einen Facharbeiterabschluss zu ermöglichen und auch eine Stärkung des Realschulabschlusses.

Auf die Ausführungen von Deutsch ging die Ministerin konkret ein. Sie erwähnte Perspektiven, wie beispielsweise die künstliche Intelligenz und sprach angesichts des Marktdruckes von der notwendigen Flexibilisierung bei den Arbeitszeiten. „Wir sind das einzige Land in Europa, das mehr als zehn Stunden Arbeitszeit proTag verbietet“, so Hoffmeister-Kraut, die sich bei entsprechenden Anforderungen und einem Zeitausgleich, auch einen zwölf Stunden Arbeitstag vorstellen kann.

Maximilian Kohler

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