Sana stellt die stationäre Versorgung im Riedlinger Krankenhaus ein.

Sana stellt die stationäre Versorgung im Riedlinger Krankenhaus ein.
Sana stellt die stationäre Versorgung im Riedlinger Krankenhaus ein. Bild: M. Kohler
22. Oktober 2019

Am vergangenen Freitag platzte die Bombe: Sana stellt zum 30. Juni 2020 die stationäre Versorgung im Riedlinger Krankenhaus ein. Fassungslosigkeit herrscht nicht nur in Riedlingen, auch Landrat Dr. Heiko Schmid und der Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger (CDU) sind entsetzt.


RIEDLINGEN – Landrat Dr. Heiko Schmid und die Fraktionsführer sind am 17. Oktober von Sana-Regionalgeschäftsführer Andreas Ruland mündlich darüber informiert worden, dass der Betrieb von stationären Strukturen in Riedlingen am 30. Juni 2020 eingestellt werden soll. Diese Information wurde mittlerweile schriftlich nachgereicht. „Davon unbenommen werden die vorhandenen ambulanten bedarfsgerechten medizinischen Versorgungsangebote weiterentwickelt und stehen auch weiterhin am Außenstandort Riedlingen zur Verfügung“, so Ruland in seinem Schreiben.

Dr. Heiko Schmid auf Nachfrage: „Ich bin fassungslos, schockiert und fühle mich als Partner und Gesellschafter der Sana Kliniken Landkreis Biberach GmbH überrumpelt, denn zeitgleich wurden von Sana bereits konkrete weitere Schritte dazu eingeleitet“.

Sana habe immer den der Eindruck vermittelt, an stationären Strukturen in Riedlingen festhalten zu wollen. Schmid: „Wir werden deshalb darauf drängen, dass Sana die vertraglichen Verpflichtungen einhält, wonach sie bis zum Bezug des Neubaus in Biberach sowohl in Riedlingen als auch in Laupheim stationäre Leistungen anbietet“. Er werde sich im Kreistag dafür einsetzen, „dass wir als Gesellschafter die Beendigung der stationären Versorgung in Riedlingen nicht hinnehmen“. Sollte die Sana in der Gesellschafterversammlung den Kreis überstimmen, werde der Kreis die Raumschaft beim Aufbau von ambulanten Strukturen unterstützen. Das erwarte man auch von Sana. Das Thema werde voraussichtlich am 13. November in den Kreistag kommen.

Riedlingens Bürgermeister Marcus Schafft ist bedient: ,,Ich werde dafür kämpfen, dass die Entscheidung entsprechend früherer Zusagen und Bekundungen revidiert wird“. Man habe das Ärztehaus im Blick.
Auch MdL Thomas Dörflinger wurde wohl auf dem falschen Fuß erwischt: „Die Entscheidung ist für die Gesundheitsversorgung im westlichen Landkreis, aber auch für mich wie ein Schlag in die Magengrube. Man darf Sana nun nicht aus der Verantwortung nehmen. Riedlingen braucht ein Gesundheitszentrum, das den Namen verdient. Und zwar schnell.“

Schon vor Wochen hatte die BI (Bürgerinitiative zum Erhalt des Riedlinger Krankenhauses) Alarm geschlagen. Für den Vorsitzenden Christoph Selg kommt deshalb das Aus nicht überraschend: „Wer das Verhalten von Sana verfolgte, hat gemerkt, dass sich dieser ‚Partner‘ zunehmend aus dem Gestaltungsprozess für Riedlingen nicht nur zurückgezogen hat, sondern diesen regelrecht sabotierte. Herr Ruland und Frau Jörissen müssen sich vorhalten lassen, dass sie unlauter und unredlich agieren.“ Selg regt an, zu überprüfen, ob der Landkreis Biberach die Zusammenarbeit mit Sana beenden könnten.

Jörg Bossler, Fraktionssprecher der CDU im Riedlinger Gemeinderat: „Man hat uns über Jahre am ausgestreckten Arm zappeln lassen. Der Beschluss zur Privatisierung war der erste Schritt zum jetzigen Dilemma und ein großer Fehler“.

Dorothea Kraus-Kieferle (WIR-Fraktion im Riedlinger Gemeinderat): „Durch den hohen Personalverschleiß in der Führungsebene bei Sana sind viele wichtige Prozesse abgebrochen und wichtiges Wissen verloren gegangen. Wie beim RKU in Ulm hinterlässt Herr Ruland auch in Riedlingen einen Scherbenhaufen. Öffentliche Gelder sollen eingesammelt werden, Leistungen durch kommunale Träger erbracht werden, um einen möglichst hohen Gewinn für die Aktionäre von Sana zu erwirtschaften. Eine Gegenleistung erhalten wir für unsere Bemühungen nicht. Sana ist mit dem eingesetzten Personal nicht in der Lage, die medizinische Versorgung eines Landkreises zukunftsfähig umzustrukturieren. Sana ist lediglich in der Lage, ein kleines Krankenhaus mit einem großen Umland zu betreiben.

Josef Martin (Fraktionssprecher der Bürgerliste und stellvertretender Bürgermeister): „Der Ausstieg von Sana zeichnete seit längerer Zeit ab und ist deshalb nicht wirklich eine Überraschung. Wenn die Stadt und die Kommunen im Verwaltungsraum willens sind, schaffen wir die Umsetzung des Gesundheitszentrums in der gewünschten Ausstattung.“

MdB Josef Rief (CDU): "Das kann noch nicht das letzte Wort sein! Ich kämpfe nach wie vor für ambulante und stationäre Strukturen im Riedlinger Raum, so wie es bisher auch geplant war, und werde mit allen Beteiligten sprechen."

MdB Martin Gerster (SPD): Wir haben Anspruch darauf, zu erfahren, was hinter der Schließung steckt, warum sie früher erfolgen soll als sich Sana eigentlich verpflichtet hatte und auf welcher Grundlage sie erfolgt. Die Kassenärztliche Vereinigung könnte nun Sonderbedarfszulassungen für Ärzte in Riedlingen einräumen

M. Kohler

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