Landkreis wurde ,,überrumpelt“

Landkreis wurde ,,überrumpelt“
Im Sommer will Sana den stationären Betrieb im Riedlinger Krankenhaus beenden. Politiker im Landkreis protestieren. Bild: M. Kohler
24. Oktober 2019

Am vergangenen Freitag platzte die Bombe: Sana stellt zum 30. Juni 2020 die stationäre Versorgung im Riedlinger Krankenhaus ein. Fassungslosigkeit herrscht nicht nur in Riedlingen, auch Landrat Dr. Heiko Schmid und der Landtagsabgeordnete Thomas Dörfl inger (CDU) sind entsetzt.

RIEDLINGEN – Landrat Dr. Heiko Schmid und die Fraktionsführer sind am 17. Oktober von Sana-Regionalgeschäftsführer Andreas Ruland mündlich darüber informiert worden, dass der Betrieb von stationären Strukturen in Riedlingen am 30. Juni 2020 eingestellt werden soll. Diese Information wurde mittlerweile schriftlich nachgereicht. „Davon unbenommen werden die vorhandenen ambulanten bedarfsgerechten medizinischen Versorgungsangebote weiterentwickelt und stehen auch weiterhin am Außenstandort Riedlingen zur Verfügung“, so Ruland in seinem Schreiben.

Schmid auf Nachfrage: „Ich bin fassungslos, schockiert und fühle mich als Partner und Gesellschafter der Sana Kliniken Landkreis Biberach GmbH überrumpelt, denn zeitgleich wurden von Sana bereits konkrete weitere Schritte dazu eingeleitet“. Sana habe immer den der Eindruck vermittelt, an stationären Strukturen in Riedlingen festhalten zu wollen. Schmid: „Wir werden deshalb darauf drängen, dass Sana die vertraglichen Verpfl ichtungen einhält, wonach sie bis zum Bezug des Neubaus in Biberach sowohl in Riedlingen als auch in Laupheim stationäre Leistungen anbietet“. Er werde sich im Kreistag dafür einsetzen, „dass wir als Gesellschafter die Beendigung der stationären Versorgung in Riedlingen nicht hinnehmen“. Sollte die Sana in der Gesellschafterversammlung den Kreis überstimmen, werde der Kreis die Raumschaft beim Aufbau von ambulanten Strukturen unterstützen. Das erwarte man auch von Sana. Das Thema werde voraussichtlich am 13. November in den Kreistag kommen, wo ein Sana-Vertreter Rede und Antwort stehen soll.

Auch Riedlingens Bürgermeister Marcus Schafft ist bedient: ,,Ich werde dafür kämpfen, dass die Entscheidung entsprechend früherer Zusagen und Bekundungen revidiert wird“. Man wolle das Ärztehaus realisieren.

Auch MdL Thomas Dörfl inger wurde wohl auf dem falschen Fuß erwischt: „Diese Entscheidung ist für die Gesundheitsversorgung im westlichen Landkreis, aber auch für mich wie ein Schlag in die Magengrube. Man darf Sana nicht aus der Verantwortung nehmen. Riedlingen braucht ein Gesundheitszentrum, das den Namen verdient. Und zwar schnell“.

Jörg Bossler, Fraktionssprecher der CDU im Riedlinger Gemeinderat: „Man hat uns über Jahre am ausgestreckten Arm zappeln lassen. Der Beschluss zur Privatisierung war der erste Schritt zum jetzigen Dilemma war ein großer Fehler“. Der Landkreis müsse die weitere Finanzierung übernehmen.

“ Schon vor Wochen hatte die BI (Bürgerinitiative zum Erhalt des Riedlinger Krankenhauses) Alarm geschlagen. Für den Vorsitzenden Christoph Selg kommt das Aus nicht überraschend: „Wer das Verhalten von Sana verfolgte, hat gemerkt, dass sich dieser ‚Partner‘ zunehmend aus dem Gestaltungsprozess für Riedlingen nicht nur zurückgezogen hat, sondern diesen regelrecht sabotierte. Herr Ruland und Frau Jörissen müssen sich vorhalten lassen, dass sie unlauter und unredlich agieren.“ Selg regt an, zu überprüfen, ob der Landkreis die Zusammenarbeit mit Sana beenden kann.

M. Kohler

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