Kunst gegen das Vergessen - Riedlinger gedenken ihres ehemaligen Bürgermeisters Ludwig Walz

1. August 2019
Die Enkel vor dem Bild des Großvaters. Von links: Bürgermeister Marcus Schafft, Marlis Glaser, Markus Mußotter, Angelika Mauch und Veit Feger FOTO:MAXIMILIAN KOHLER

Am 20. Todestag von Ludwig Walz fand im Riedlinger Rathaus eine Gedenkstunde statt. Veit Feger, ehemaliger Verlagsleiter und Mäzen, übergab der Stadt ein Bild von Walz, das von Marlis Glaser aus Attenweiler gestaltet wurde.

RIEDLINGEN – Still wurde es im Rathaus-Saal, als Bürgermeister Marcus Schafft das Leben von Ludwig Walz skizzierte. Er brachte dessen persönlichen Einsatz für die jüdischen Mitmenschen in den Kontext zu den Stolpersteinen in der Stadt, die darauf aufmerksam machen, dass auch in Riedlingen einst Juden lebten.

Walz war ein erfolgreicher Kaufmann und nach dem zweiten Weltkrieg bis 1954 Bürgermeister der Stadt. In der sogenannten „schlimmen Zeit“ fuhr er einmal wöchentlich mit dem Fahrrad in das rund 35 Kilometer entfernte Buttenhausen, um die jüdische Gemeinde mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Nicht nur dabei bewies Walz großen Mut, er verweigerte auch zeitlebens den Hitlergruß und die Befl aggung seines Geschäftsgebäudes. Für seinen großmütigen Einsatz für die Juden in Buttenhausen wurde er auf Vorschlag von Jette GutBerlinger, einer Überlebenden des Holocausts, von der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet. Darauf ging Veit Feger ein, der daran erinnerte, in welche Gefahr Walz mit seiner Hilfsbereitschaft nicht nur sich selbst, sondern auch seine ganze Verwandtschaft gebracht hatte. Dem Ehinger war es aber auch wichtig, an den evangelischen Pfarrer Julius Vogt aus Buttenhausen zu erinnern:

„Vogt übernahm die Verteilung der Ware, als Walz es nicht mehr wagen konnte, dies selbst zu tun. Wir sollten ihn nicht vergessen!“ Gegen das Vergessen etwas zu tun, ist Fegers Motivation. Er bekannte, dass er bei der Künstlerin Marlis Glaser Porträts von wichtigen Menschen kaufe, zu deren Gedächtnis er einen Beitrag leisten wolle. Feger zeigte sich dankbar, dass für Walz ein entsprechend ehrenvoller Platz im Sitzungssaal gefunden wurde. Welch ungeheures Ansehen Ludwig Walz bei den Überlebenden und Nachkommen der jüdischen Gemeinde von Buttenhausen genoss, wurde in einer Video-Grußbotschaft von Aron Berlinger, Neffe von Jette Gut-Berlinger, deutlich.

Nicht nur den anwesenden Nachkommen von Walz, sondern auch vielen Teilnehmern war anzumerken, wie tief sie diese Worte berührten. Die Künstlerin Marlies Glaser stellte ihr „Abraham-Projekt“ vor. Sie malt dabei Porträts von verfolgten Juden und Überlebenden. Auch sie will diese Personen dem Vergessen entreißen und ist das logische Bindeglied zu Feger. „Ich nähere mich den zu malenden Personen im Gespräch. Ist dies nicht möglich, versuche ich mich über Briefe und Schilderungen inspirieren zu lassen“, so Glaser. Geschaffen hat sie einen „Walz“, der durch die Farbgebung unterstrichen, auf den Betrachter eine große Menschlichkeit und Güte ausstrahlt.

Maximilian Kohler

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