Kanus auf dem Trockenen

13. Juni 2019
Die neue Umweltverordnung vertreibt die Kanus aus der Donau, beklagen die Verleiher. Foto: PR

Franz Haag steht mit seiner Firma Kanusport Oberschwaben (KSO) vor einer schweren Zeit. Die neue Verordnung des Landratsamtes Biberach, die eine deutliche, pegelabhängige Beschränkung der Befahrbarkeit auf der Donau vorsieht, bedroht das Geschäft.

Riedlingen – Die Tage, an denen vom Kanu aus das Naturschutzgebiet „Flusslandschaften Donauwiesen“ erkundet werden konnten, sind zumindest im kommerziellen Bereich wohl vorbei. Kanu-Vermieter Franz Haag verweist auf die ab Juli geltende Verordnung des Landratsamtes, nach der die Donau einen Mindestpegel von 56 Zentimeter aufweisen muss, um seine Kunden auf das Wasser lassen zu können.

„In den vergangenen zehn Jahren hätten wir mit dieser Regelung nur etwa jeden fünften Tag unsere Kanus fahren lassen können“, so Haag. Damit sei ein wirtschaftlicher Betrieb unmöglich. „Wir können auch nicht mehr planen. Wenn eine Gruppe in 14 Tagen auf der Donau fahren möchte, können wir überhaupt nicht einschätzen, wie hoch der Pegelstand dann sein wird“, beschreibt Haag das Problem, das sich im vergangenen Jahr durch die Trockenheit und heißen Tage besonders auswirkte.

Hart trifft die Beschränkung die Mitarbeiter, sie wurden entlassen. KSO beschäftigte bisher zwei Ganztageskräfte und bis zu sechs Teilzeitkräfte. Wenig Verständnis hat Haag, dass ihm mit der Beschränkung seine Existenzgrundlage entzogen wird, während „wilde“ Donaupaddler sich weiterhin tummeln können. „Bisher wurde die Einhaltung der bisherigen Rechtsverordnungen überhaupt nicht kontrolliert. Jeder der wollte, ist halt die Donau hinabgefahren, ohne sich um die erlaubten Fahrzeiten oder ähnliches zu kümmern“, so Haag. Seine Kundschaft erhielt dagegen genaue An- und Einweisungen, zudem war gegen 18 Uhr Schluss: „Meine Mitarbeiter und ich wollten ja auch Feierabend haben.“

Kanuverleiher Haag hat auch einen konstruktiven Vorschlag: „Die bisher unterbliebenen Überwachung der Rechtsverordnung könnte von einem Park-Ranger erfolgen.“

Riedlingens Bürgermeister Marcus Schafft fi ndet klare Worte: „Mein Ziel ist eine Regelung, die das öffentliche Interesse der Anliegergemeinden mit den sozialen Aspekten (Naherholung) und wirtschaftlichen Gesichtspunkten (Tourismus) angemessen berücksichtigt“. Der Kreis komme seiner Fürsorgepflicht gegenüber Riedlingen und Ertingen nicht nach.

Schafft wies auf Nachfrage darauf hin, dass die Stadt frühzeitig auf Umsetzungsdefi zite der Donaunutzungsverordnung 2010 hingewiesen und den Dialog gesucht habe. „Als sich abzeichnete, dass eine Pegelregelung seitens des Landratsamtes favorisiert wird, habe ich in einem Mail an den Landkreis auf meine Bedenken und Wünsche hingewiesen. Dazu hatte es letzte Woche noch eine Aussprache gegeben. Leider sind wir erst auf Nachfrage am 4. Juni in Kenntnis gesetzt worden, dass Stunden später eine Pressekonferenz geplant sei. Eingeladen waren wir nicht, der Pressetext liegt uns nicht vor .“

Kanu als Wirtschaftsfaktor

Thomas Blank von der Brauerei Zwiefaltendorf: „Viele Kanufahrer haben sich ein ganzes Wochenende in unserer Gegend aufgehalten und auch übernachtet. Sie haben das Kanufahren auch mit Besuchen weiterer touristischen Attraktion in unserer Gegend verbunden. Und Frank Oster vom Riedlinger Handel und Gewerbeverband ergänzt: „Dies wäre ein großer Verlust. Wir sprechen seit geraumer Zeit davon, dass wir Riedlingen touristisch nach vorne bringen wollen.“

Nach Blanks Meinung sollte die Regelung, die im Einklang mit dem Naturschutz vor Jahren mühsam getroffen wurde, beibehalten werden. Ihm liegen keine Kenntnisse vor, dass Kanufahren der Donau nachweislich geschadet habe. Blank plädiert für eine verbesserte Infrastruktur des Kanufahrens, um mehr Ordnung zu schaffen: „2015 sollten in Zwiefaltendorf Parkplätze geschaffen werden, die Kosten wurden in den Haushaltsplan eingestellt. Passiert ist nichts.“

Maximilian Kohler

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren