Heiße Reifen und Motoren am Limit

19. Juni 2019
Im Qualm und Lärm steigt Petra Heldts Adrenalinspiegel immer ganz schön an. Die Reifen müssen erst so richtig heiß werden, bevor es abgehen kann. Foto: Privat

Wenn die Reifen nicht nur warm, sondern so richtig heiß werden, der Asphalt fast  glüht und die Dezibel in die Höhe schießen, fühlt sich Petra Heldt am wohlsten. Drei Jahre lang macht sie schon die Drag Racing-Szene unsicher. Dieses Jahr möchte sie Europameisterin in dieser Rennsport-Disziplin werden. Ihre Chancen stehen gut, aktuell ist sie auf Platz 1 der Europarangliste.

Bad Buchau – Für sich entdeckt hat die Moosburgerin die ungewöhnliche Sportart durch ihren Mann. Ursprünglich kommt Drag Racing aus Amerika. „Dort ist es mindestens so populär wie Fußball bei uns“, schätzt Petra Heldt. 800 PS hat Petra unter der Haube, wenn sie auf der Rennstrecke ist. Von null auf 100 braucht sie schlappe zwei Sekunden. Kein Vergleich zu ihrem Renault Twingo auf der Landstraße. 

Bevor sie jedoch mit ihrem Camaro Dragster Vollgas geben kann, muss es rauchen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Grip hat die Fahrerin nur, wenn die Reifen warm sind. Das liegt daran, dass die Rennstrecke mit einem speziellen Klebstoff präpariert ist. Das Durchdrehen der Reifen nennt sich Burnout, der auch mal ganz schön laut werden kann. Für Zuschauer ist das ein Highlight. 

Eng und heiß

Nach dem Burnout passieren zwei gegeneinander antretende Wagen zwei Lichtschranken und nehmen ihre Startpositionen ein. Mit dem Ampelsignal kann dann das Rennen beginnen. Beim Drag Racing wird auf zwei parallel nebeneinander laufenden Rennstrecken auf Zeit gefahren. Dabei geht es nicht darum, am schnellsten zu sein, sondern eine bestimmte Strecke innerhalb von einer selbst festgelegten Zeit, dem Index, zurückzulegen. Hier entscheiden Unterschiede im Tausendstel-Sekunden-Bereich.

Bei ProET, der Klasse, in der Petra Heldt mitfährt, sind das zwischen 9 und 11,99 Sekunden. In dieser Zeit soll die Rennfahrerin eine Viertel Meile zurücklegen. Disqualifiziert wird sie, wenn sie die Startlinie zu früh überquert oder den Index unterfährt. Wettkämpfe verlaufen im K.O.-System. „Nach so einem Wettkampftag ist man ganz schön geschafft“, erzählt Petra Heldt. 

Klar, schließlich ist schon das Einsteigen in das Auto eine richtige Prozedur. Nur mit Helm, feuerfestem Anzug, Handschuhen und speziellen Schuhen darf sie „in den Käfig“. Bis zu zehn Minuten braucht sie dafür, und ohne Hilfe schafft sie es nicht, denn im Innenraum des Autos ist es ungemütlich eng. „Wenn es dann auch noch um die 35 Grad hat, dann kann man sich vorstellen, wie anstrengend der Renntag werden kann.“

Deshalb müssen die Fahrer in einem top Gesundheitszustand sein, der regelmäßig vom Arzt überprüft wird. Das Rennen soll für die Fahrer kein Risiko darstellen, weswegen auf alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen streng geachtet wird. Nur an den Start gehen zu dürfen, kostet in diesem Sport viel Geld. Ebenso wie die Lizenz, die dazu berechtigt, überhaupt an den Rennen teilzunehmen. Ohne Eigenleistung und Sponsoren wäre das oftmals gar nicht möglich. Hinzu kommt, dass man viele der Autoteile nur in Amerika erwerben kann, weil dieser Sport dort eher populär ist. 

Die große Renn-Familie 

Das Herumschrauben am Auto überlässt Petra Heldt zwar überwiegend ihrem Mann, sie packt aber auch mal mit an. „Das ist das schöne an diesem Sport. Einerseits natürlich das Gefühl beim Fahren, das Adrenalin, das macht beinahe süchtig. Andererseits sind wir wie eine große Familie. Wenn es mal klemmt, hilft jeder sich  gegenseitig.“

Am liebsten fährt Petra Heldt Rennen in Italien, sie ist aber in ganz Europa unterwegs. Dieses Jahr hat sie ein großes Ziel: Europameisterin werden. Ob ihr das gelingt? Verfolgen Sie Petra Heldts Erfolge auf www.dragraceunion.eu!

phy

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