Goethe statt Bergdoktor: Heiko Ruprecht zu Gast in Buchau
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29. Mai 2019
Heiko Ruprecht ist am 1. Juni mit seinem Programm „Die Geister, die ich rief“zu Gast in Bad Buchau. Bekannt ist der Schauspieler vor allem aus der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ als Hans Gruber. Foto: Christian Hartmann

Fans großer Balladen und Dramen dürfen sich freuen. Denn am 1. Juni hauchen zwei ganz besondere Gäste dem Haus der Musik Leben und Leidenschaft ein, und zwar Heiko Ruprecht („Der Bergdoktor“, ZDF) und Veronika Ponzer, die von Goethe bis Schiller so einiges in petto haben. Und eins steht jetzt schon fest, da kommen „gewagte Geschichten“ auf uns zu!

Bad Buchau– Mit „Die Geister, die ich rief“ ist ein Programm der besonderen Art zu Besuch am Federsee. Denn auf das Publikum warten mehr als nur große Gefühle und brennende Leidenschaft. Untermalt wird das fesselnde Schauspiel um Goethes „Erlkönig“, den „Zauberlehrling“, den „Ritter Toggenburg“ und vielen weiteren Klassikern  nämlich von Harfenklängen aus dem 19. Jahrhundert, die eine außergewöhnliche Atmosphäre kreieren. 

Begleitet von Veronika Ponzer an der Harfe wird Heiko Ruprecht an diesem Abend dafür sorgen, dass die Leidenschaft entfacht wird. Bekannt sind beide unter anderem aus dem ZDF. Heiko Ruprecht kennt man vor allem durch seine Rolle als Hans Gruber in „Der Bergdoktor“. Das WOCHENBLATT hatte die Gelegenheit, vorab mit dem facettenreichen Künstler zu sprechen.

 

Herr Ruprecht, als „Hans Gruber“ wirken Sie sehr authentisch. Gibt es Ähnlichkeiten zwischen ihm und Ihnen?

Ja und nein. Einerseits hat Hans Gruber natürlich einiges von mir, sonst könnte ich ihn gar nicht spielen. Man kann ja immer nur das einbringen, was man auch „zur Verfügung“ hat. Und trotzdem bleibt Hans Gruber für mich eine Rolle, in die ich rein- aber am Ende des Drehtags auch wieder rausschlüpfe.

Schlüpfen Sie auch gerne mal in andere Rollen?  

Unbedingt. Im Herbst werde ich zum Beispiel in „Der Staatsanwalt“ (ZDF) in der Rolle eines gewieften Unternehmers zu sehen sein, das ist ein vollkommen anderer Charakter. Ich habe auch schon einige Mörder im Lebenslauf stehen. Das schöne an so einer Rolle ist, dass man im privaten Leben kein Mörder sein muss, um einen zu spielen. Das sind Facetten einer Persönlichkeit, die man zwar vielleicht in sich trägt oder sich vorstellen kann, aber niemals ausleben würde, außer vor der Kamera oder auf der Bühne.

Welches Klima herrscht am „Bergdoktor“-Set?

Ein sehr freundschaftliches, lockeres, das zum Glück losgelöst ist von den typischen Eitelkeiten. Wir sind teilweise auch privat befreundet und treffen uns ab und zu. Vielleicht nicht zwei Mal wöchentlich, denn wir haben ja auch andere Freunde und unsere Familien, aber hin und wieder.

Werden Sie mittlerweile eigentlich oft auf der Straße erkannt? Gab es schon mal einen besonders lustigen Fanmoment?

Klar werde ich häufig erkannt. Und mit Hans Sigl zusammen auf die Straße zu gehen, ist in der Tat etwas schwieriger geworden, da steht man schon etwas unter Beobachtung. Da müssen wir dann eben auf Plätze ausweichen, wo wir nicht unbedingt auf Massen von Bergdoktor-Fans stoßen. (lacht). Aber die allermeisten Begegnungen mit den Fans sind sehr nett und respektvoll. Einmal kam ein Herr zu mir und war ganz aufgelöst. Er meinte: „Bitte, verkaufen Sie den Hof nicht! Bitte nicht!“, das war sehr lustig. Daran spürt man, wie sehr die Leute mitfiebern und das ist berührend, wir wollen die Menschen ja bewegen mit unseren Geschichten.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit, wenn Sie nicht fürs Fernsehen vor der Kamera stehen?

Ich spiele zum Beispiel Theater. Da komme ich ja ursprünglich her. Das ist mein Mutter-Schiff, dem ich auch treu bleibe. Ansonsten bin ich als Sprecher für den bayrischen Rundfunk aktiv. Aber das wichtigste ist meine Familie, um die ich mich natürlich auch kümmern möchte. Die muss oft zurückstecken, wenn ich für den Bergdoktor vor der Kamera stehe. Deshalb machen wir oft Ausflüge mit den Kindern und sind in der Natur unterwegs. Oder natürlich auch das „Tagesgeschäft“ wie das Vorbereiten der Schatzsuche für den Kindergeburtstag. 

Wo ist es für Sie persönlich am schönsten in Süddeutschland? 

In den Bergen. Ich liebe Süddeutschland eigentlich in Gänze, angefangen beim Bodensee. Am Schönbühl Richtung Lindau runter zu fahren ist einfach immer erhebend, im Hintergrund die Bergkette, der See und das Dreiländereck mit all den Eigen- und Schönheiten, die die Landschaft dort zu bieten hat. Für mich ist das definitv einer der schönsten Flecken der Erde. Andererseits bin ich auch in München und der Umgebung unglaublich gerne, dort gibt es die vielen Seen und südlich natürlich wieder die Berge, wo ich häufig unterwegs bin.Sie sind in Lindau aufgewachsen.

Würden Sie sich eher als einen Bayern, oder einen Schwaben bezeichnen? 

Gute Frage, als Lindauer legt man ja immer besonders großen Wert darauf, gerade noch so ein Bayer zu sein. So war das auch bei mir. Ich bin früher auch immer mit dem Sonderzug nach München gefahren, um den FC Bayern anzufeuern. Und nicht nach Stuttgart zum VfB (lacht). Obwohl meine Oma dort gewohnt hat, und meine Eltern beide Schwaben sind. Ich bin also wohl beides!

Haben Sie ein Lieblingswort auf schwäbisch? 

„Wo der Barthel den Most holt“, fällt mir da ein. Was heißt das eigentlich genau? Bei mir musste der schwäbische Einschlag ja sowieso „ausgemerzt“ werden im Zuge der Schauspielausbildung. Das war mir ganz recht, weil ich mich schon als Kind nicht so ganz wohlgefühlt habe im Dialekt. Heute als Erwachsener finde ich das fast ein wenig schade, weil Dialekte ein großer Reichtum und letztlich ein wichtiges Kulturgut  sind.

Apropos Sprache und Kultur, wie sind Sie eigentlich zu den klassischen Balladen gekommen? Was fasziniert Sie daran? 

Herangeführt an die Klassiker hat mich sicherlich der eine oder andere gute Lehrer, schon als Jugendlicher. Und die Balladen begleiten mich seit der Schauspielschule. Für mich sind das großartige, tief emotionale Geschichten, die bis heute eine unglaubliche Wirkung haben. Mich fasziniert jedes Mal aufs Neue, wie uns 200 Jahre alte Texte noch heute so bewegen können. Beim TV-Dreh habe ich oft mit Texten zu tun, bei denen die sprachliche Kraft nicht unbedingt im Vordergrund steht, aber bei den Balladen ist das anders. Sie sind Sprache in der verdichtetsten Form, man kann sich jahrzehntelang mit ihnen beschäftigen, und entdeckt immer noch etwas Neues. Form und Inhalt harmonisch in Einklang zu bringen, ist eine große, aber auch tolle Herausforderung. Für mich ist es ein großes Glück, mich mit diesen Texten beschäftigen zu dürfen. 

Was können die Buchauer am 1. Juni von Ihrem Programm erwarten?

Sie dürfen sich auf spannende Geschichten freuen und auf eine wunderbare Harfenmusik aus dem 19. Jahrhundert, gespielt von einer tollen Musikerin. Auf Leidenschaft, Witz und große Gefühle!

 

Laura Hummler

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