Gegen das Ladensterben

5. April 2019
Reichen sich die Hand: Ulms Citymanager Henning Krone mit Kornelia Eisele, Vorsitzende des Riedlinger City- und Marketingvereins, kurz RCM. Ob sie Riedlingen mit ihren Ideen voran bringen können? Foto: Laura Hummler

„Wenn man in Riedlingen ist, fällt einem sofort auf, wie wunderschön es hier ist“, sagt Henning Krone, Citymanager der Stadt Ulm. Warum ist trotzdem eher wenig los in der Stadt? Und was können die Riedlinger dagegen tun? Als Gast des Riedlinger City- und Marketingvereins suchte Krone mit den Bürgern nach Antworten. 

Riedlingen – Diese Stadt hat mehr zu bieten als die historische Altstadt. In Riedlingen fließt die Donau, eigentlich ein Garant für den perfekten Sommertag. Doch einige Bürger klagen darüber, dass die Stadt wie „eingeschlafen“ sei und wollen nun über Wiederbelebungsmaßnahmen nachdenken. 

Hierum kümmert sich der City- und Marketingverein (RCM). Die Wirtschaftsverbände in Riedlingen setzten sich einst aus Stadt, Handels- und Gewerbeverein und der Riedlinger Gemeinschaftswerbung zusammen. Mitterweile hat sich daraus der RCM gegründet, der nun den Ulmer Citymanager Henning Krone Henning Krone zum Meinungsaustausch eingeladen hat. 

Dass die Digitalisierung eine große Rolle spielt und auch vor der Stadt Riedlingen nicht Halt macht, räumte Bürgermeister Marcus Schafft ein. „Das haben wir in unserem Marketingkonzept von 2015 ein wenig außer Acht gelassen.“ Doch liegt es allein daran, dass momentan nicht viel los ist in der Riedlinger Innenstadt? Was gegen die eingezogene Leere in Riedlingen unternommen werden kann, haben in der vergangenen  Woche zahlreiche Riedlinger mit Henning Krone besprochen. Er hatte für die Stadt einige Tipps parat. Auch  Schafft sprach sich für einen „Restart“ beim Stadtmarketing aus. 

Krone rät der Stadt, auf einen ausgeglichenen Branchenmix zu achten. Ein gesunder Einzelhandel setze sich immer aus einem Anteil an Gastronomie sowie einem Anteil an Einzelhandelsgeschäften zusammen. Was der Wiederbelebung der Innenstadt außerdem zugute kommen könnte, sind seiner Meinung nach kulturelle Veranstaltungen, die viel öfter statt finden müssten. „Ihr habt doch zum Beispiel auch euren Riedlinger Flohmarkt. Der ist ja fast schon weltberühmt! Nutzt so etwas, tragt ihn öfter aus“, so der Experte. 

Außerdem legt Krone den Riedlingern ans Herz, dass im Einzelhandel auch untereinander füreinander geworben werden muss. Gegenseitiges Empfehlungsmarkteting nennt er es. „Ziel sollte es außerdem sein, sich in Google zu etablieren, beispielsweise über Bewertungen.“ Denn fehlt der Zugang zur Stadt übers Internet, fehlt die Vernetzung, auch über die Riedlinger Stadtgrenzen hinaus. Riedlingen soll nicht nur für die Riedlinger selbst ein attraktives Ziel sein, sondern auch für Menschen aus dem Umland. Was der Stadt zusätzlich fehlt, sei ein Sport- und Elektronikfachgeschäft, so einer der Riedlinger. „Es kann doch nicht sein, dass ich erst in eine andere Stadt fahren muss, um mein Handy reparieren zu lassen“. Dabei stehen in der Innenstadt auch viele Gebäude und viele Büroräume leer. Krone sieht in diesen leeren Räumen allerdings kein Hindernis, sondern Potenzial.

Als Krone die Riedlinger schließlich auffordert, sich selbst Gedanken zu eventuellen Maßnahmen zu machen, sprudeln die Ideen nur so hervor. Offentsichtlich fehlt der Stadt noch mehr als ein Sport- und Elektronikhändler: ein Tourismusbüro soll her, außerdem eine Abholstation für Pakete. Ferner soll Riedlingen als Familienausflugsziel wieder attraktiver gestaltet werden, das auch mit Mode in Verbindung gebracht werden kann. 

Für Riedlingen-Besucher von außerhalb haben die Bürger auch Ideen: mehr Parkplätze müssen her, zu günstigeren Tarifen. Das wäre zum Beispiel auf dem Marktplatz denkbar. Auch Krones Rat mit dem gegenseitigen Werbungmachen wird gleich in eine Idee übersetzt: „Wir könnten in unseren eigenen Geschäften Gratisgutscheine für andere Geschäfte verteilen, so ähnlich wie bei Müller.“ 

Einen letzten Tipp hat Krone allerdings noch für die Riedlinger, und der ist nicht zu unterschätzen: „Es kann nur funktionieren, wenn jeder etwas tut."

Laura Hummler

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren