Der Wolf, unser neuer Nachbar?

7. März 2019
Wolfsbeauftragte Andrea Schumacher: Jäger, Schäfer und Landwirte müssen sich auf Dauer mit dem Wolf arrangieren, sagte sie in Riedlingen Foto: Laura Hummler

Einst galten sie als ausgerottet, heute kommen sie zu uns zurück: Die Wölfe. Im Norden Deutschlands sind sie keine große Seltenheit mehr, jetzt bekommen auch wir im Süden öfter Besuch vom mystischen Rudeltier: Die Wolfsbeauftragte des Naturschutzbunds klärt auf.  

Region – Als Vollmondanbeter in so mancher Vampirsaga ist er uns geläufig. Aber der Wolf als Nachbar? Das passt dann doch nicht so recht in unsere Vorstellungswelt. Und doch dürfen wir uns langsam an die Tiere gewöhnen. Aktuell leben zwischen zwölf- und vierzehntausend Wölfe in Europa, die meisten davon in Frankreich, Italien und Polen. Bei uns steht das Tier unter Naturschutz. In Deutschland galt der Wolf für etwa 150 Jahre als ausgerottet.

Seit Anfang der 2000er Jahre geschieht es jedoch immer häufiger, dass das braungraue Wildtier wieder gesichtet wird. Zunächst in Sachsen und Brandenburg, mittlerweile leben in sieben Bundesländern Wölfe auf festem Territorium. 

Selbst um den Bussen herum habe sich schon ein Wolf blicken lassen, berichtet Andrea Schumacher, Wolfsbeauftragte des Naturschutzbundes Nabu, bei einem gut besuchten Vortrag in Riedlingen. Die Wolfs-Expertin berichtet, dass in Frankreich, Italien und Polen einige Rudel so aufgeblüht sind, dass nun Jungtiere abwandern – nach Deutschland.

Ob sich in der Nachbarschaft tatsächlich ein Wolf tummelt, lässt sich leicht feststellen. Besonders im Winter erlauben Fußspuren eine genaue Zuordnung des Tieres, man erkennt den Wolf am sogenannten „geschnürten Trab“. Hierbei setzt er die Hinterpfote in den Abdruck der Vorderpfote. 

Auch Jäger, Schäfer und Landwirte bemerken das Umherwandern eines Wolfs spätestens dann, wenn sie Herden und Wildbestände dezimiert vorfinden. Andrea Schumacher erklärt den Blutrausch des Wolfes so: „Wir pferchen seine Beute ja geradezu auf kleinstem Raum zusammen. Für den Wolf ist das also verständlicherweise das reinste Paradies.“ Bei einer Packung Chips können Menschen ja oft auch nicht aufhören, bevor nicht auch der letzte Rest verdrückt ist.

 Aus diesem Grund empfiehlt es sich für Landwirte und Schäfer, an Herdenschutz zu denken. Da schaffen elektrisch geführte Herdenzäune Abhilfe, die jedoch nicht ausnahmslos jeden Wolf der Herde fern halten. Eine andere Alternative ist der Herdenschutzhund. Dieser ist nicht zu vergleichen mit einem „gewöhnlichen“ Wachhund, da er viel aggressiver agiert. Sie können außerdem keinesfalls zur gleichen Zeit eingesetzt werden, was für den Schäfer großen Aufwand bedeutet. 

Fest steht: Wenn sich der Wolf wieder vermehrt hier ansiedelt, müssen Landwirte, Schäfer und Jäger eine geeignete Lösung im Umgang mit dem neuen Nachbarn finden. Noch stellt er laut Schumacher jedoch noch kein belastendes Problem für Baden-Württemberg dar.

Laura Hummler

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