Zeitloses Hobby: Der Mann mit dem Uhren-Tick

Zeitloses Hobby: Der Mann mit dem Uhren-Tick
Stolz präsentiert Uli Klarmann seine Kunstwerke Foto: Rizzolo
19. September 2019

Uli Klarmann aus Waldburg hat ein ungewöhnliches Hobby: Aus Fundstücken der unterschiedlichsten Art fertigt er Uhren. So detailreich und kunstvoll, dass man sagen kann: Dieses Hobby ist alles andere als ein Tick.

WALDBURG – Hier dreht sich eine Feder im Sekundentakt, da deutet ein Zeiger auf einen rostigen Nagel statt auf die zwölf. „Normale“ Uhren gibt es im Hause Klarmann keine. Das liegt daran, dass der 65-jährige Uli Klarmann sie nicht einfach im Laden kauft, sondern selbst bastelt. Wobei „basteln“ es eigentlich nicht richtig beschreibt, denn was der pensionierte GrundschulLehrer da erschafft, sind wahre Kunstwerke.

Aus allem was nicht niet- und nagelfest ist, baut er seine Uhren zusammen: Schallplatten, Holzbalken, rostige Nägel, Federn, Treibholz, Suppenlöffel, Fahrradketten, Spiegelscherben - und einmal sogar aus einem Stück eines Hubschraubers. Jede sieht anders aus, jede ist ein Unikat. „Es gibt nichts, was sich nicht verarbeiten lässt,“ erzählt Uli Klarmann.“Ich bin ein kreativer Mensch“, erklärt er weiter. „ Da gehe ich total drin auf . Ich stelle gerne etwas her und mich kribbelt es, wenn ich lange nichts getan habe.“

Kreativ mit Kruscht

Die meisten Menschen bringen Kisten voller Kram zum Wertstoffhof hin, Uli Klarmann nimmt Kisten voller Zeug wieder mit nach Hause. „Kruscht“, wie seine Ehefrau lachend dazu sagt. „Einmal habe ich dort einen Container voller alter Metall-Zahlen und Buchstaben entdeckt“, erzählt er dagegen strahlend und bereut es noch immer, nicht viel mehr davon mitgenommen zu haben. In seiner kleinen Werkstatt steht eine Art Schatzkiste voller Dinge die darauf warten, verarbeitet zu werden. Rostige Kleinteile wie Nägel, Schrauben, Schlüssel, Drähte oder Zahnräder sind für ihn kein Schrott, sondern wertvolles Baumaterial. „So etwas kann ich eigentlich immer brauchen“, sagt er.

Meistens arbeitet er an mehreren Uhren gleichzeitig. Er schaut, wie und wo welches Teil am besten zur Geltung kommt und tüftelt so lange an der richtigen Befestigung bis alles sitzt, passt und nicht wackelt. Seine Kunstwerke verkauft er auf Märkten oder er fertigt auf Bestellung. Rund 500 solcher Uhren hat er über die letzten Jahre hinweg verkauft, etwa 50 hängen in seinem Haus. Ja, tatsächlich warten sie nicht in irgendwelchen Kartons in der Garage auf Käufer, sondern sind überall im Haus der Klarmanns verteilt.

„Es wäre gut, wenn ich mal wieder ein paar verkaufen würde“, schmunzelt Klarmann, „langsam geht mir der Platz aus.“ Zwischen 60 und 120 Euro kosten die Unikate. An manchen hängt sein Herz aber ganz besonders, da kann es dann schon mal vorkommen, dass er ein paar Euro mehr dafür verlangt. Selbst wenn die Markt-Geschäfte auf mal nicht so gut laufen, geht er doch meistens zufrieden nach Hause.

Uhren für alle

„Diese Bestätigung der Menschen, dass ihnen das gefällt, was ich mache, die ist schon toll,“ sagt er. Menschen allen Alters bestaunen seine Uhren. Eine generationsübergreifende Kunst, die ihm auch nach vielen Jahren noch Spaß macht. „Ich könnte noch 5000 solcher Uhren machen.“ sagt er begeistert. Klingt vielleicht ein bisschen verrückt, aber mit so vielen schönen Uhren im Haus - da kann man eigentlich nur richtig ticken.

Julia Rizzolo

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