Wanderer-Knigge in Österreich

2. Mai 2019
Auch ein Thema bei uns? Pünktlich zur Wandersaison will Österreich einen Verhaltenskodex für Wanderer einführen Foto: Adobe

In unserem Nachbarland Österreich soll es künftig einen Verhaltenskodex für Wanderer geben. Wer sich nicht daran hält, kann bestraft werden. Eine brisante Sache findet der Alpenwirtschaftliche Verein Allgäu (AVA).

Region – Wer in den österreichischen Alpen wandert, sollte ab der bevorstehenden Wandersaison im eigenen Interesse einen Verhaltenskodex beachten. Denn wie Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) jüngst erklärte, sollen pünktlich zum Beginn der Saison entsprechende Leitlinien für Wanderer vorliegen. Der sogenannte „Aktionsplan für sicheres Almen“ soll unter anderem klären, wie sich der Wanderer in der Nähe von Weidevieh verhalten sollte – etwa welchen Abstand man zum Tier halten sollte und wie Hunde auf Almen und Weiden sicher und richtig mitgeführt werden. 

Hauptsächlich solle der Verhaltenskodex aber die Eigenverantwortung der Wanderer in den Mittelpunkt stellen. „Jeder, der auf den Almen unterwegs ist, muss sich bewusst sein, dass er selbst Verantwortung trägt“, so Kösting. Doch die Leitlinien sollen mehr als nur seichte Empfehlungen sein. Wer sich nicht an den Verhaltenskodex halte, müsse im Schadensfall mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. 

Anlass für den Entwurf eines solchen Verhaltenskodexes war der Tod einer 45-jährigen Wanderin und Hundehalterin aus Deutschland. Sie war 2014 im Tiroler Stubaital von einer Kuhherde, die offenbar Kälber vor dem Hund schützen wollte, zu Tode getrampelt worden. Daraufhin war ein Landwirt zur Zahlung einer hohen Schadensersatzsumme an die Hinterbliebenen verurteilt worden. Die Richter waren der Ansicht, dass der Landwirt nur unzureichend vor den Gefahren einer Kuhherde, in der Kälber aufwachsen, gewarnt hatte. Die aufgestellten Warnschilder hätten nicht gereicht. Dieses Urteil sorgt nicht nur bei den zahlreichen Almwirtschaftsbetrieben in Österreich für große Verunsicherung, auch viele Almbauern und Älpler in Bayern machen sich nun berechtigte Sorgen, dass ein ähnlicher Kodex auch in unserer Region eingeführt werden könnte – denn die bewirtschafteten Almen sind für Landwirtschaft und Tourismus gleichermaßen wichtig.

Sinnvoll oder nicht?

Auch Dr. Michael Honisch vom Alpenwirtschaftlichen Verein im Allgäu betrachtet das Thema mit Vorsicht: „Ein solcher Verhaltenskodex für Touristen wäre sicherlich auch bei uns sinnvoll. Die Eigenverantwortung muss wieder mehr gestärkt bzw. auch eingefordert werden. Allerdings bräuchte es auch eine haftungsrechtliche Bindungswirkung – ähnlich wie bei den FIS-Regeln beim Skifahren.

Ansonsten bleibt es bei der derzeitigen Schieflage, wonach dem Grundstückseigentümer/Bewirtschafter allein die Haftung bzw. Sorgfaltspflicht aufgebürdet wird und  mit der sog. Verkehrssicherungspflicht er quasi allein die Folgen für einen Unfall zu tragen hat. Insbesondere das Mitführen von Hunden auf Alpweiden sollte klar geregelt werden, waren doch bisher bei allen tödlichen Unfällen der letzten Jahre auf Almen und Alpen Hunde beteiligt.“ 

Jedoch gibt es für Bayern bereits seit 2015 das Faltblatt „Almen und Alpen sind kein Streichlzoo – Ein Ratgeber für das richtige Verhalten bei Begegnungen mit Weidetieren“, das Wanderern Hinweise zum Verhalten auf Almen, Alpen und Freiweiden gibt. Abrufbar ist dieses unter anderem auf www.stmelf.bayern.de. Ein paar wenige Grundsätze zum richtigen Verhalten auf Almen könnten aber auch schnell ohne einen solchen Ratgeber verinnerlicht werden, meint Honisch: „Hunde an die Leine, Wege nicht verlassen und ausreichend Abstand zu Weidetieren halten. Nicht aktiv auf Tiere zugehen. Und sollten Weidetiere dennoch aggressiv reagieren, Hunde von der Leine lassen beziehungsweise Leine loslassen.“ 

Landwirte sollten ihre Haftpflicht überprüfen

„Rechtsunsicherheit besteht jedoch in der Frage, wie und wann einzuzäunen ist“, ermahnt Honisch, „um der in § 833 BGB verankerten Sorgfaltspflicht zu genügen und wie und wann zum Beispiel Warnschilder aufzustellen sind. Im Schadensfall gibt es vor Gericht  immer nur Einzelfallentscheidungen. Bis klar ist, ob die Betriebshaftpflicht den Schaden übernimmt, vergehen mitunter Jahre der Unsicherheit. Dies ist den Tierhaltern und Grundstücksbesitzern nicht zuzumuten. Eine bayernweite Versicherungslösung zur Übernahme von Haftungsfolgen beim Betreten von Alpwegen bei Ausübung des Betretungsrechts auf Alpweiden ist aus unserer Sicht erforderlich. Zurzeit empfehlen wir den Landwirten ihre Tierhalterhaftpflichtversicherung dahingehend zu überprüfen, ob sie noch den aktuellen Verhältnissen entspricht.“

Eva Heine

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