Vom Sterben der Fische
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9. August 2018
Vergangene Woche hat die Feuerwehr Weingarten in Eigeninitiative einige Weiher aufgrund des niedrigen Sauerstoffgehalts belüftet FOTO: F. BODENMÜLLER

Hitze und Trockenheit setzen den Gewässern zu

Extrem hohe Temperaturen fördern den Sauerstoffmangel in Seen und Weihern, der durch vermehrtes Algenwachstum noch verstärkt wird. Die Folgen können gravierend sein: Artensterben bei Flora und Fauna.

REGION – Vergangene Woche rückte die Freiwillige Feuerwehr Weingarten wieder aus. In diesem Fall aber nicht, um einen Brand zu löschen, sondern um einem möglichen „Umkippen“ hiesiger Seen entgegenzuwirken.

Die Feuerwehr saugte mit Pumpen Wasser aus Weihern ab und leitete dieses dann wieder über Schläuche und Strahlrohre zurück, erklärt Kommandant Horst Romer. Die Idee dahinter: Über die Luft nimmt das Wasser wieder Sauerstoff auf. An diesem mangelt es in vielen Gewässern der Region aufgrund der wochenlangen Hitze und Trockenheit.

Anfälliger für Krankheiten

„Die hohen Temperaturen verbunden mit der Trockenheit wirken sich ungünstig auf die Gewässer aus“, erklärt Albrecht Trautmann, Leiter des Aktionsprogramms zur Sanierung oberschwäbischer Seen (SOS). „Unter diesen Bedingungen leiden Fische und Wasserorganismen, werden anfälliger für Krankheiten und Parasiten. Je höher die Wassertemperatur, desto weniger Sauerstoff ist im Wasser, so dass dann zum Beispiel Fische ersticken können.“

Zur Hitze und Trockenheit kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: „Fast alle unserer Stehgewässer sind durch zu hohe Nährstoffgehalte geprägt, die über die Bäche und Gräben aus dem Einzugsgebieten eingetragen werden“, erklärt der SOS-Leiter.

Letztlich entsteht ein „Teufelskreis“: Zu hohe Nährstoffgehalte in den Stillgewässern förderndas Algen- und Wasserpflanzenwachstum. Diese Pflanzen verbrauchen vermehrt Sauerstoff und tragen bei ihrem Absterben zu einer schnelleren Verlandung bei. „Je wärmer das Wasser, desto mehr Pflanzenwachstum, desto schneller die Verlandungsgeschwindigkeit“, so Trautmann.

Die wichtigste Maßnahme ist, die Nährstoffeinträge aus den Einzugsgebieten zu verringern, in dem diese Flächen extensiv genutzt werden; auch die Fischbestände sollten an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden und es dürfen keine standortfremden Fische besetzt werden, erklärt Albrecht Trautmann. Sonst drohen ökologische Schäden wie das Sterbenvon seltenen und gefährdeten Fischarten. Dazu gehören die Bachmuschel oder der Steinkrebs. Auch die Streuwiesenbereiche mit ihren Pflanzen- und Tierarten sind bei einem absinkenden Wasserpegel bedroht. Ob diese Entwicklung gestoppt werden kann, sei zweifelhaft. Wir können sie mit Maßnahmen zumindest verlangsamen, meint Trautmann.

 

S. Wölke

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