Teil II: Für wen kommt Crowdinvesting infrage?

Teil II: Für wen kommt Crowdinvesting infrage?
Beim Crowdinvesting in Erneuerbare Energien können Anleger in ökologisch sinnvolle Vorhaben investieren
19. September 2019

Ob Mittelständler, Startup oder Immobilienprojektentwickler: Crowdinvesting kann in den unterschiedlichsten Branchen und Unternehmensformen zum Einsatz kommen. Welchen Zweck die alternative Finanzierungsform neben der Kapitalbeschaffung erfüllt, möchten wir Ihnen hier vorstellen.

Vergangenen Woche haben kleine und mittelständische Unternehmen sowie Startups den Auftakt gemacht. Heute beleuchten wir die Einsatzmöglichkeiten und Vorteile eines Crowdinvestings für Immobilienprojektentwickler, Banken und Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien.

Crowdinvesting für Banken

Mit Crowdinvesting haben Banken die Möglichkeit, neue Finanzierungswege für Unternehmen zu schaffen und ihren Kunden gleichzeitig attraktive Investitionschancen zu bieten. Die digitale Direktfinanzierung sollte dabei nicht als Konkurrenz zum eigenen Kerngeschäft verstanden werden, sondern vielmehr als Chance, sich neues Potenzial zu erschließen und die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells voranzutreiben.

Die strengen Eigenkapitalanforderungen von Banken stellen gerade für Startups sowie kleinere und mittlere Unternehmen hohe Hürden bei der Unternehmensfinanzierung dar. In den vergangenen Jahren haben alternative Finanzierungsinstrumente für diese Unternehmen an Bedeutung gewonnen. Für Banken stellt sich die Frage, wie sie diese Möglichkeiten auch ihren Kunden zugänglich machen.

Crowdinvesting bietet hier eine Lösung an. Damit können Banken auch Unternehmen bedienen, die den strengen Eigenkapitalanforderungen nicht gerecht werden. Diesen Unternehmen bietet die Schwarm-finanzierung die Chance, ihre Eigenkapitallücke aufzufüllen, was sie anschließend zu einem Bankkredit befähigt. Banken können diesen Unternehmen den alternativen Finanzierungsweg aufzeigen.

Die Bankenbranche erkennt dieses Potenzial allmählich und stellt sich dementsprechend auf. Jüngst hat beispielsweise die DKB Bank, die größte deutsche Direktbank, eine Crowdinvesting-Plattform mit Crowd-Desk gestartet. Das Frankfurter Unternehmen hat ein Betreibermodell für Crowdinvesting-Plattformen speziell für Banken konzipiert, das keinen aufwendigen Anschluss an das Kernbankensystem erfordert.

Crowdinvesting für Immobilien

Für Immobilienprojektentwickler ist die Finanzierung ihrer Immobilien mittels Crowdinvesting noch eine Nische in Deutschland – aber eine, die beständig wächst. Laut dem Crowdinvest Marktreport Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 3 300 neue Wohneinheiten mit digitaler Direktfinanzierung gebaut und dafür rund 210 Millionen Euro eingeworben. Das entspricht einem Zuwachs von 63,2 Prozent im Vergleich zu 2017.

Die hohen Wachstumsraten sind auch Ausdruck des Immobilienbooms in Deutschland. Crowdinvesting-Plattformen wie Exporo, Zinsland oder Bergfürst sind mittlerweile auch außerhalb der Branche bekannt. Zudem haben sich Immobilien zu einer Geldanlage entwickelt, die nicht mehr nur Großinvestoren vorbehalten ist. Privatanleger können schon ab geringen Beträgen investieren.

Doch warum wird Crowdinvesting für Projektentwickler zunehmend interessant? Zum einen wird für den Bau oder die Renovierung von Immobilien viel Eigenkapital langfristig gebunden, wodurch einerseits neue Projekte nicht angestoßen werden können. Andererseits ist es für Unternehmen mit geringer Eigenkapitalquote schwieriger an Bankkredite zu gelangen. Crowdinvesting ist für Immobilienprojektentwickler also ein Instrument der Refinanzierung.

Crowdinvesting im Bereich Erneuerbare Energien

Beim Crowdinvesting in Erneuerbare Energien können Anleger in ökologisch sinnvolle Vorhaben investieren. Investitionen in diesen Bereich boomen. Ob Photovoltaik, Windkraft oder Biogas: 2018 investierten Anleger in Deutschland 219,1 Milliarden Euro. 2009 waren es noch 12,9 Milliarden Euro. Der Anteil an alternativen Finanzierungsformen wie Crowdinvesting ist jedoch noch sehr gering. Hier bewegte sich das Gesamtinvestitionsvolumen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich – und dennoch können Schwarmfinanzierungen einen wesentlichen Beitrag leisten.

Denn Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, können der Öffentlichkeit nicht nur die Möglichkeit geben, in ein ökologisch sinnvolles Projekt zu investieren und von attraktiven Renditen zu profitieren. Einhergehend mit den stetig wachsenden Investitionsvolumen wächst auch das Bewusstsein für ökologische und nachhaltige Projekte. Bürgerbeteiligungen, die schon mit geringen Beträgen möglich sind, werden für Anleger, die über weniger Investitionskapital verfügen, attraktiver. Damit schärft sich nicht nur das Bewusstsein für die ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Crowdinvesting kann dafür sorgen, Akzeptanz bei der lokalen Bevölkerung zu schaffen. Denn es ist eine Finanzierungsform, bei der die Bürger eingebunden werden. Die Kommunikation von Projekten ist transparent. Die Informationen sind offen zugänglich.

Christoph Daniel

Crowdinvesting ist ein modernes, alternatives Instrument zur Kapitalbeschaffung. Dabei investieren viele Einzelanleger vergleichsweise geringe Geldbeträge in ein aussichtsreiches Unternehmen oder Projekt – üblicherweise über eine Internet-Plattform. Die Anleger beteili-gen sich so finanziell am Erfolg des Unternehmens oder Projekts. Sie erhalten neben ihrem eingesetzten Kapital auch einen vorab festgelegten Zinssatz über eine bestimmte Laufzeit zurück. Auch das Unabhängige Wochenblatt setzt auf Crowdinvesting, um damit Wachstums- und Digitalisierungsprojekte wie tagesaktuelle Online-Berichterstattung und eine Wochenblatt-App voranzutreiben – und gleichzeitig seinen Leserinnen und Lesern eine attraktive Renditemöglichkeit zu bieten.

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