So schädlich ist Sitzen
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29. Mai 2018
Falsche Sitzhaltung: Rückenschmerzen können ein erstes Anzeichen dafür sein FOTO: FOTOLIA

Bewegungsmangel ist Volkssport Nummer Eins

Immer mehr Menschen arbeiten im Sitzen. Allein rund 17 Millionen Deutsche nehmen täglich auf einem Bürostuhl Platz und verbringen dort beinahe 85 Prozent ihrer Arbeitszeit. Und das, ohne regelmäßig abwechselnde Bewegung. Fatal für Körper und Gesundheit sagen Experten und Krankenkassen.

REGION
– Die Anatomie des Körpers ist auf Bewegung ausgerichtet. Dennoch ist monotones Sitzen zur wichtigsten Körperhaltung geworden.Vor allem bei Bürotätigkeiten nimmt man beim konzentrierten Arbeiten häufig eine vorgebeugte, starre und verkrampfte Haltung ein, bei der die Skelettmuskulatur schwere Haltearbeit verrichtenmuss.

Abwechslungsreiche und entlastende Bewegungen kommen dabei in den meisten Fällen zu kurz. Doch damit nicht genug: Auch den Weg zur Arbeit legen Millionen von Arbeitnehmern bewegungslos im Sitzen zurück – schnell und bequem mit Auto, Bus oder Bahn.

Und mehr denn je beherrscht das Sitzen auch unsere Freizeit. Statt Sport zu treiben und sich im Freien aufzuhalten, lassen sich viele lieber zu Hause auf dem Sofa vomTV-Programm berieseln oder surfen im Internet.

Nach den neusten Zahlen der von ARD und ZDF durchgeführten „Langzeitstudie Massenkommunikation“ verbringen Bundesbürger ab 14 Jahren in ihrer Freizeit inzwischen durchschnittlich mehr als fünf Stunden mit der Nutzung von Medienangeboten – überwiegend im Sitzen.

Sitzen ist das neue Rauchen

Wissenschaftler und Arbeitsmediziner sind sich einig: Sitzen als Dauerzustand ist eine der schlechtesten Haltungen für den menschlichen Körper. Dafür haben sie gute Argumente:

Bei einer falschen, vermeintlich bequemen Sitzhaltung erschlafft die Bauchmuskulatur. Dadurch wiederum kann sich der Rücken zum Rundrücken verformen und zu einer ungleichmäßigen Belastung der Bandscheibe führen. Außerdem können die Atmungs- und Verdauungsorgane eingeklemmt werden. So führt ein Defizit an Bewegung nach und nach zum Verkümmern der Muskeln und das Herz-Kreislauf-System wird nicht ausreichend trainiert. Infolge langen Sitzens und mangelnder Bewegung leidet und degeneriert letztlich also vorallem der gesamte Stütz- und Bewegungsapparat.

Schon länger stehen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems daher an der Spitze der Arbeitsunfähigkeitsstatistik. Laut des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) lassen sich rund 23 Prozent aller krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeitstage darauf zurückführen. Und nicht nur das, laut einer australischen Studie verringert sich die Lebenserwartung bei über 25-Jährigen mit jeder Fernsehstunde um fast 22 Minuten. Das Rauchen einer Zigarette kostet im Vergleich elf Minuten. Dr. James Levine von der Mayo Clinic der Arizona State University bekräftigt, dass uns jede Sitzstunde zwei Lebensstunden nimmt. Was kann man also tun, um den Nachteilen des Sitzens entgegenzuwirken? Und wie bringt man ausreichend Bewegung in den Arbeitsalltag?

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) geben unter anderem die folgenden Tipps: Sitzhöhe und Höhe des Arbeitstisches sollten so eingestellt sein, dass Arme und Beine einen rechten Winkel bilden; die Sitzfläche des Arbeitsstuhls sollte vollständig ausgenutzt werden; die Sitzhaltung sollte aufrecht sein und man sollte aktiv und dynamisch sitzen! Das heißt, regelmäßig Bewegung ist angesagt – ob beim Gang zum Drucker, einem Meeting im Stehen oder ein paar Schritten ins Grüne während der Mittagspause.

Hält man sich während des Arbeitstages in etwa an eine Verteilung von 60 % dynamischem Sitzen, 30 % Stehen und10 % Prozent gezieltem Umhergehen, sollten Beschwerden durch viel Sitzen der Vergangenheit angehören.

E. Heine

 

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