Ohne Geld keine Bildung - Finanzierung des Landes bringt PH an ihre Grenzen

Ohne Geld keine Bildung - Finanzierung des Landes bringt PH an ihre Grenzen
Fehlende Planungssicherheit macht es der Pädagogischen Hochschule Weingarten schwer, mit den wachsenden Herausforderungen Schritt zu halten Foto: Stadt Weingarten/Joachim Mende
14. August 2019

Kein Geld, kein Personal, keine zukunftsfähige Weiterentwicklung – kann die Landesregierung den Pädagogischen Hochschulen für die nächsten fünf Jahre keinen Zuwachs in der Grundfinanzierung gewährleisten, wird es schwer, den Studierenden auch weiterhin die gewohnt hochwertige Ausbildung zu bieten, erklären Rektorin und Kanzler der Pädagogischen Hochschule Weingarten im WOCHENBLATT- Gespräch. 

Weingarten – Der aktuelle Hochschulfinanzierungsvertrag läuft noch bis Ende 2020, wie es danach finanziell mit der PH Weingarten weitergeht, ist offen. Denn schon jetzt ist nicht genug Geld da, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. So bildet die PH nicht nur angehende Lehrer aus und bietet die Möglichkeit zur Promotion, sie hat in den letzten Jahren auch neue Studiengänge im Bildungsbereich geschaffen. All das ist wichtig und politisch gewollt. Doch die aktuelle Unterstützung des Landes bringt die Pädagogischen Hochschulen (PH) deutlich an ihre Grenzen. Ergreift die Landesregierung jetzt keine Maßnahmen, um die anhaltenden strukturellen Finanzierungsdefizite im Rahmen des Hochschulfinanzierungsvertrages abzubauen und eine zukunftssichere Grundfinanzierung der Hochschulen sicherzustellen, wird sich die Lage deutlich zuspitzen, wie Karin Schweizer, Rektorin der PH Weingarten, und Kanzler Uwe Umbach betonen.

Dabei sind es vor allem die fehlenden finanziellen und personellen Ressourcen, welche die Zukunft der PHs akut gefährden. „Wir haben über die letzten Jahre hinweg einen starken Aufwuchs der Studierendenanzahl zu verzeichnen. Hinzu kommt ein deutlich erweitertes Studienangebot, das mittlerweile weit über das Lehramtsstudium hinaus geht und bildungswissenschaftliche Studiengänge umfasst. Beides ging jedoch mit einem Rückgang des prozentualen Anteils der Grundfinanzierung des Landes einher“, wie Karin Schweizer verdeutlicht. 

Im Gegenzug hätte es in der Vergangenheit von Bund und Land nur einen Zuwachs der Programmmittel in Form befristeter Förderprogramme gegeben. Diese hätten aber einerseits eine extrem lange Antragsphase und würden andererseits auch nur in 20 bis 30 Prozent der Fälle zur Bewilligung führen. „Würden diese Zweit- und Drittmittel jedoch dauerhaft in die Grundfinanzierung mit einfließen, wäre den Pädagogischen Hochschulen eine Planungssicherheit gegeben“, erklärt Schweizer weiter. Aktuell finanziert sich die PH Weingarten, laut Kanzler Uwe Umbach, zu rund 70 Prozent über die Grundfinanzierung des Landes. Der Fehlbetrag wird mühsam über oben genannte Fördermittelprogramme des Bundes und des Landes sowie durch Drittmittel wie zum Beispiel Forschungsprojekte ausgeglichen. 

Ein weiteres Problem: Die Finanzierungslücke in der Grundfinanzierung schafft unattraktive Rahmenbedingungen für Professoren und macht es der PH schwer, im Wettbewerb um die besten Köpfe zukunftsfähig zu bleiben. Weingarten hat großen Charme, dennoch ist es „keine Großraummetropole, die viele Jobs bietet und hochkarätige Lehrkräfte anzieht. Können zudem nur befristete Mitarbeiterstellen vergeben werden, überlegen die Kandidaten genau“, bedauert die Rektorin.

Investition in die Zukunft

Auch hier würde eine höhere Grundfinanzierung der Hochschule die nötigen Mittel bieten, um Dauerstellen einrichten und attraktivere Rahmenbedingungen für das Personal schaffen zu können. Denn wie sollen die Pädagogischen Hochschulen ohne qualifiziertes Personal den stets hinzukommenden Auflagen des Landes gerecht werden – etwa Programme für die Digitalisierung in der Lehrerbildung oder dem Ausbau der Schulfächer Ethik und Islamische Theologie/Religionspädagogik – wenn es die finanziellen und personellen Mittel nicht ermöglichen, fragen sich Rektorin und Kanzler. 

Nachholbedarf sieht Uwe Umbach auch in den wissenschaftsunterstützenden Services der Pädagogischen Hochschulen wie etwa der Personal- bzw. Drittmittelverwaltung oder den Rechenzentren. „Die Verwaltung ist mit das wichtigste Glied für den Betrieb einer Hochschule, sie braucht kompetente und leistungsfähige Mitarbeiter“, sagt Umbach. 

Es werden also dringend zusätzliche Stellen und Mittel benötigt, um die bestehenden Defizite auszugleichen. Andernfalls wäre die PH Weingarten gezwungen, selbst drastische Maßnahmen zu ergreifen, um überlebensfähig zu bleiben und das hochwertige Bildungsniveau halten zu können. Eine Konsequenz sei mit Sicherheit auch der Abbau von Studienplätzen – was jedoch in Zeiten des akuten Lehrermangels auch keine Lösung sei.

Eva Heine

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