Nur ein blaues Auge
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13. April 2018
Bei der Figur des Sebastians hat sich die Malschicht angehoben. Foto: B. Hecht-Lang

Durch den professionellen Einsatz der Rettungskräfte wurden beim Brand in der Kirche St. Jodok die Kunstgegenstände noch rechtzeitig gerettet. Nach einer ersten Sichtung geht die Restauratorin davon aus, dass die beschädigten Schätze wiederhergestellt werden können.

Ravensburg – Am 10. März brannte es in der Kirche St. Jodok in der Innenstadt. Vermutlich durch Brandstiftung ausgelöst, hatte das Feuer von einem Sofa auf die Decke des Nordflügels übergegriffen. Das Kulturdenkmal aus dem 14. Jahrhundert drohte abzubrennen – und mit ihm zahlreiche, historische Kunstgegenstände.

„In so einem Moment geht es darum, beherzt zuzupacken und nicht lange nachzudenken“, erklärt Diplom-Restauratorin Brigitte Hecht-Lang.

„Die Feuerwehr hat sehr gut reagiert“, so Hecht-Lang. Zum einen mussten sich die Einsatzkräfte trotz der Rauchentwicklung schnell orientieren. Da es bei der Feuerwehr aber einen Denkmalbeauftragen gibt, kannten sie sich gut aus. Zum anderen kam erschwerend hinzu, dass die Gegenstände mit einem Schloss gesichert waren. Also ging es darum, sie so schnell wie möglich loszumachen. All das hätten die Einsatzkräfte mit Bravour gemeistert, meint Brigitte Hecht-Lang. Außerdem wären die Figuren, Gemälde usw. schnell in sichere Räume in der Stadt gebracht worden. Nicht zuletzt hat der Einsatz von Löschschaum anstatt Wasser die Gegenstände vor größeren Schäden bewahrt.

Die Diplom-Restauratorin hat sich nun über die beschädigten, aber geretteten, Kunstobjekte einen ersten Überblick verschaffen können und sie begutachtet.

„Wir sind nochmal glimpflich davon gekommen“, schätzt Brigitte Hecht-Lang die Situation ein.

„Die meisten Objekte haben Hitzeschäden.“ Je nach Standort seien die Objekte auch unterschiedlich stark betroffen. Sie würden jetzt zwar furchtbar aussehen, da sie verdreckt und verrußt sind. Durch eine fachmännische Reinigung könnte sich dieser Eindruck aber schnell ändern. Manche Gegenständen wiesen zudem eine verbräunte Oberfläche auf.

Die Figur des Sebastian aus dem 18. Jahrhundert ist übersät mit Brandblasen, da sich die Malschicht aufgebläht hat. „Er sieht aus, als hätte er lauter Pockennarben“, erzählt die Restauratorin. Der Sockel der Figur Maria Königin hat Feuer abbekommen.

Letztlich seien die Schäden aber so ausbesserbar, dass für das Laienauge danach nichts mehr zu sehen ist, meint Hecht-Lang.

Stefan Wölke

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