Naturschutz aus der Sicht eines Jägers

6. Juni 2019
Manfred Schneider kennt die Sichtweisen des Naturschützers und die des Jägers. Er möchte mit Vorträgen aufklären und informieren Foto: O. Haller

Agraringenieur, Angler, Handwerker, Jäger – der 60-jährige Manfred Schneider hat viele Berufe und Berufungen. Doch seine größte Herzensangelegenheit ist der Natur- und Tierschutz. Alles Wissen, das er in diesem Bereich hat, will er nun bündeln und in Vorträgen und Seminaren möglichst vielen Menschen seine Sichtweise näherbringen.

Waldburg – Kuckucksblumen blühen. Fichten und Buchen strecken sich hoch in den Himmel. Überall saftiges Grün. Im Hintergrund springen zwei Rehe davon. Idyllisch ist es hier im Wald, wunderschön. Manfred Schneiders Blick schweift über die Bäume und Büsche. „Hier hat ein Reh gefegt“, sagt er und zeigt auf Beschädigungen an einer Fichte. Mit ihren Hörner haben die Tiere Rinde vom Stamm abgeschält. Das ist ärgerlich, denn genau das sollen die Rehe nicht tun. Manfred Schneider sieht den Wald mit anderen Augen. Mit den Augen eines Naturschützers – und Jägers. Und der sieht eben nicht nur Schönheit, sondern auch Probleme. Was und wie und warum er das sieht, möchte er nun durch Vorträge und Seminare mit anderen teilen und ihnen seine Sicht auf Flora und Fauna näherbringen.

Vor wenigen Jahren hat der 60-Jährige noch einmal studiert: akademischer Jagdwirt an der Universität für Bodenkultur in Wien. Es war seine siebte Ausbildung. Unter anderem ist er noch Handwerksmeister und Agraringenieur. Naturschutz ist ihm eine Herzensangelegenheit. Eigentlich ist er ein positiver Mensch. Doch wenn es um Wild, Wald und Natur geht, da ärgert er sich manchmal. „Wir können keine intakte Natur erwarten und nichts dafür tun“, sagt er. „Bäume sind unsere Brüder und Schwestern. Ich würde um jeden einzelnen Baum kämpfen.“

Gemeinsame Ziele

Er weiß, dass es gerade gegenüber Jägern viele Vorurteile gibt: „Wir regeln alles nur mit der Flinte heißt es. Dabei ist Jägerei viel mehr.“ Genau solche Vorurteile möchte er entkräftigen. Was passiert, wenn Jäger keine Tiere mehr schießen? Solche Szenarien spielt er gerne durch. Außerdem erklärt er Lebenswelt und Lebensraum gefährdeter Wildtierarten – manchmal direkt vor Ort im Wald. „Ich will niemanden bekehren, nur Fakten darstellen und zum Nachdenken anregen“, sagt Manfred Schneider. Jeder, der interessiert ist, kann ihn für einen Vortrag oder ein mehrtägiges Seminar buchen. Er kommt zu Vereinen und in Firmen oder direkt nach Hause zu interessierten Privatpersonen.

„Natur ist nicht zum Gebrauchen da. Wir müssen auch etwas zurückgeben“, sagt Manfred Schneider. „Vor allem müssen wir alle mehr miteinander kommunizieren und gemeinsame Ziele fi nden. Leider arbeiten viele Naturschutz-Verbände und Vereine eher gegeneinander.“ Der Jagdwirt erklärt, dass selbst Rehe heutzutage Magengeschwüre bekommen, weil sie zu viel Stress ausgesetzt sind. Er bemängelt die Unwissenheit vieler Menschen. Vor ein paar Wochen habe er zwei Frauen angesprochen, die mit dem Auto über Forstwege fuhren – sie wollen angeblich nicht gewusst haben, dass das verboten ist. Manfred Schneider wünscht sich, dass wir alle achtsamer mit dem Wald umgehen. Ihn nicht rund um die Uhr als Spiel- und Freizeitplatz verwenden, beim Spaziergang nicht durchhetzen, sondern uns ein wenig bewusster mit der Flora und Fauna dort auseinandersetzen. Dazu gehört für ihn zum Beispiel, dass Hunde an der Leine bleiben, wenn Bodenbrüter wie die Goldammer ihre Eier ausbrüten. „Aber“, so sagt Manfred Schneider, „viele wissen ja leider gar nicht mehr, wann diese Zeiten sind“. Genau hier will er Aufklärungsarbeit leisten. Themen, über die es sich zu berichten lohnt, scheint es genug zu geben. Es ist Manfred Schneiders ganz persönlicher Beitrag zum Naturschutz. „Ich kann nicht die Welt retten. Aber wenn jeder eine Kleinigkeit tut, macht es vielleicht einen Unterschied.“

Weitere Infos gibt‘s unter: www.wild-wald-natur-schneider.de  

Julia Rizzolo

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren