Mit langem Atem
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8. Juni 2018
OSK-Geschäftsführer Sebastian Wolf erklärt dem WOCHENBLATT die Entwicklung des Klinikenverbunds Foto: swö

Durch die außergewöhnliche Leistungsbereitschaft der Beschäftigten konnte die Oberschwabenklinik ihr Ergebnis von Jahr zu Jahr verbessern und stabilisieren. Dennoch besteht kein Grund zur Euphorie: Fachkräftemangel, enge Kostenvorgaben und anspruchsvolle Rahmenbedingungen des Gesetzgebers stellen die OSK auch künftig vor große Herausforderungen.

Landkreis – „Es war ein Marathon“, meint Dr. Sebastian Wolf, der Geschäftsführer der Oberschwabenklinik (OSK). Seit dem Jahr 2012 durchläuft der Krankenhausverbund einen schwierigen Sanierungsprozess. Wäre 2012 bereits ein Ergebnis einschließlich aller Investitionen ausgewiesen worden, wäre es bei einem Minus von 23,5 Millionen Euro gelegen. Nach enormen Kraftanstrengungen stand Ende des Jahres 2017 noch ein Defizit von 4,9 Millionen Euro einschließlich der Investitionen in Gebäude und Geräte zu Buche.

In 2017 wurden rund 176 000 Patienten versorgt, der Umsatz lag bei 204 Millionen Euro – zwei bislang unerreichte Rekordwerte für die OSK. Gleichzeitig vergütet die OSK ihre Beschäftigten in allen Bereichen wieder nach marktüblichem Tarifniveau. Zugleich hat die OSK ihre Investitionskraft aus eigenen Mitteln erneut gestärkt.

Ein solcher Sanierungserfolg kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten ihren Beitrag leisten. OSK-Geschäftsführer Wolf lobt dabei den Beitrag der Belegschaft in Form eines mehrjährigen Gehaltsverzichts. Im Gegenzug hat die OSK eine Arbeitsplatzgarantie ausgesprochen und auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. „Es war für alle schmerzhaft“, erklärt der erfahrene Mediziner und Betriebswirt und führt weiter aus: „Die Leistungsträger sind uns treu geblieben aufgrund des hohen Anspruchs an den eigenen Versorgungsauftrag und die Versorgungsqualität“.

Trotzdem stellen sich der OSK auch in Zukunft große strukturelle Herausforderungen. „Wir stehen in einem Qualitätswettbewerb“, erklärt Wolf. Strukturanforderungen würden durch die Bundespolitik festgelegt und es werde zugleich immer anspruchsvoller, diese zu erfüllen. „Darin ist eine Konzentrationsabsicht hin zu Leistungszentren zu erkennen.“ Das führt zur weiteren Spezialisierung.

Anspruch: Jeder Patient wird gesehen

Zugleich begrenzen die eingeführten Fallpauschalen die finanziellen Mittel, die der Klinik zur Verfügung stehen. Das erfordert stetige Verbesserungen der Abläufe in den OSK Häusern, beispielsweise auch in Form von verkürzten Verweildauern. „Außerdem sind Doppelstrukturen nicht mehr finanzierbar“, erklärt Wolf.

Dennoch entspricht es dem Versorgungsanspruch der OSK, gerade auch die finanziell defizitäre Notfallversorgung trotz des erneut gestiegenen Patientenaufkommens abzudecken. Auch die Station für Frühgeborene ist in ihrem Standard einmalig in der Region. „Trotz des Fachkräftemangels schaffen wir es bisher, durch flexible interne Organisation, dass keine komplette Station zeitweilig zu gemacht werden muss.“, so Geschäftsführer Wolf.

Die Gewinnung von Fachkräften in der Pflege und im ärztlichen Bereich bleibt eine große Herausforderung: „Es wird nicht die einfache Lösung geben“, so Geschäftsführer Wolf. Gleichwohl blickt er optimistisch in die Zukunft: Der Schlüssel liege in der hauseigenen Ausbildung und den Karrieremöglichkeiten für die Fachkräfte, die einen zukunftssicheren Job übernehmen können. Auch Teilzeit-Jobs spielen eine wachsende Rolle.

Neue Ausbildungswege wurden etabliert und sind sehr beliebt, so beispielsweise die Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistenz oder zur Krankenpflegehilfe.

Problem: kurzfristige Kapazitätslücken schließen

Schwierigkeiten sieht Wolf vor allem in der Schließung kurzfristig entstehender Kapazitätslücken, beispielsweise aufgrund von Krankheit oder Fluktuation.

Gerade dabei zeigt sich auch hier eine außergewöhnliche Bereitschaft der OSK Beschäftigten zur Flexibilität und auch zu zeitweiser Mehrarbeit, um die Versorgung der Patienten in jedem Fall zu gewährleisten. Das letzte Mittel sei teure Leiharbeit, auf die die OSK aber nur in sehr eingeschränktem Maße zurückgreifen muss.

OSK-Geschäftsführer Wolf fasst selbstkritisch und zugleich selbstbewusst zusammen: „Die Jobs für Pflegekräfte und Mediziner sind attraktiv und zukunftssicher – es liegt an uns, darauf hinzuweisen“.

S. Wölke/C. Fluhr

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