Mehr Personal nötig - Veterinäramt fehlen Tierärzte für häufi gere Kontrollen
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29. August 2019
Der Tierschutzskandal hat eine Debatte über die personelle Ausstattung in den Veterinärämtern ausgelöst Foto: PR

Der Tierschutzskandal im Allgäu hat erneut eine Debatte um die personelle Besetzung der Veterinärämter ausgelöst. Das Landratsamt Ravensburg kämpft seit Jahren für mehr Personal – gemeinsam mit dem Landkreistag Baden-Württemberg. Bislang aber ohne Erfolg.

RAVENSBURG – „Vollzugsdefi zite werden vorwiegend in der regelmäßigen Überprüfung von Tierhaltungen gesehen“, erklärt Franz Hirth, Pressesprecher des Landratsamtes, in dem das Veterinäramt angesiedelt ist. Im Landkreis gibt es mehr als 5 000 registrierte Nutztierhaltungen. „Mit der aktuellen Personalausstattung lassen sich im Durchschnitt die vorhandenen Nutztierhaltungen nur etwa alle zehn Jahre routinemäßig überprüfen“, so Hirth weiter. 2018 wurden etwa 800 Tierschutzkontrollen in knapp 590 Betrieben gemacht, das sind etwa elf Prozent aller Nutztierhaltungen im Kreis.

Da ist es leicht vorstellbar, dass ein schwarzes Schaf unter den Tierhaltern für längere Zeit durch die Maschen schlüpft. „Trotz ständig steigender Anforderungen wurde 2018 lediglich eine halbe Stelle im amtstierärztlichen Dienst im Landkreis vom Land zusätzlich bewilligt“, so Hirth. Zum Hintergrund: Die Stellen für Amtstierärzte im Veterinäramt muss grundsätzlich das Land Baden-Württemberg zur Verfügung stellen. Um die Defi zite bei der Überwachung industrieller Lebensmittelbetriebe ausgleichen zu können, fi nanziert der Landkreis bereits zusätzlich eine Amtstierarztstelle.

Etwa ein Viertel der jährlich durchgeführten Tierschutzkontrollen beruht auf konkreten Anlässen. Dann gibt es noch die Fälle, in denen Landwirte festgestellte Mängel beseitigen müssen, das zieht für die Veterinäre in der Regel Nachkontrollen nach sich.

Die Aufgaben der Amtstierärzte im öffentlichen Dienst zum Schutz der Tiere und Menschen haben in den letzten Jahren stetig zugenommen und die Anforderungen sind aufgrund der EU-Gesetzgebung sowie der allgemeinen Bedeutung für die Gesellschaft deutlich gestiegen.

Die nach umfangreichen Berechnungen geäußerte Forderung der baden-württembergischen Landkreise nach etwa 200 zusätzlichen Stellen im höheren Dienst in den Veterinärämtern wurde seitens des Landes aber bislang kaum umgesetzt. Das vorhandene Personalproblem im Ravensburger Veterinäramt bringt Landrat Harald Sievers weiterhin regelmäßig im Landkreistag zur Sprache, vor allem weil er sich mitsamt seinen Mitarbeitern im selben Boot weiß wie alle anderen Landratsämter im Ländle und sogar in der bayrischen Nachbarschaft.

Anstelle eines Brandbriefes, wie ihn nun vier bayrische AllgäuLandräte nach München geschickt haben, setzt Landrat Sievers zusammen mit dem baden-württembergischen Landkreistag dennoch auf das Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein: „Seit Jahren drängt der Landkreistag auf eine auskömmliche Ausstattung der Landratsämter mit Amtstierärzten. Wir erwarten eine Lösung für das ganze Land.“

Viola Krauss

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