Loreto-Kapelle: Kein Brand verhindert die Rosenkranz-Tradition

18. April 2019
Der Einsiedler Josef Albrecht zeigt die Schäden des Brandes aus dem vergangenen Jahr Foto: Julia Rizzolo

Um ein Haar wäre die Loreto-Kapelle in Wolfegg letzten September abgebrannt. Bis heute ist der Schaden nicht repariert. Doch davon lässt sich niemand unterkriegen. Vor allem nicht Josef Albrecht, der dort täglich zum Rosenkranz-Gebet einlädt. Für die Osterzeit hat er sogar etwas ganz Besonderes geplant.

Wolfegg – Ein dreiviertel Jahr ist der Brand in der denkmalgeschützten Loreto-Kapelle her. Gerade noch rechtzeitig hatte der dort lebende Einsiedler Josef Albrecht das Feuer entdeckt und zu löschen begonnen –obwohl er sonst nie um diese frühe Uhrzeit nach „seiner“ Kapelle schaut. Eine Fügung Gottes? Das Wirken eines Engels? Wer weiß das schon. Über 40 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren damals vor Ort. Noch am selben Tag wurde die Tradition des täglichen Rosenkranz-Gebetes fortgeführt. Wie schon seit  fast 300 Jahren! 

Ruhe und Kraft

Was blieb ist ein Schaden in  Höhe von rund 55 000 Euro, der noch nicht repariert ist. „Viele Leute fragen zu Recht: Wieso passiert nichts?“, erklärt Bernhard Fleischer, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderates. „Aber die Versicherung sieht die Höhe der Kosten leider noch nicht ein.“ Der große Wunsch der Kirchengemeinde sei es aber, möglichst Ende des Jahres die Restaurierung beendet  zu haben. Vor allem, da noch mehr Maßnahmen nötig sind. Zum Beispiel sei das Mauerwerk feucht, sagt Bernhard Fleischer. Die Kosten für diese Arbeiten wird die Kirchengemeinde selbst tragen müssen – und würde zu Spenden nicht nein sagen. 

Dass es dieser besondere Ort wert ist, geschützt und gepflegt zu werden, liegt auf der Hand. „Für mich ist das der schönste Platz in Wolfegg“, sagt Bernhard Fleischer. „Wenn man hier in der Kapelle sitzt, das gibt mir Ruhe und Kraft.“

Wer den Kraftort einmal selbst mit allen Sinnen erleben möchte, der ist vor allem jetzt zur Osterzeit herzlich dazu eingeladen. Ab Karfreitag wird dort täglich um 15 Uhr der Barmherzigkeits-Rosenkranz gebetet. Den Abschluss findet dieses „Novene“ genannte neuntägige Gebet am Barmherzigkeitssonntag, der gleichzeitig der Weiße Sonntag ist. Also eine Woche nach Ostern. „Es ist eine schöne Gelegenheit, den Weg zum Weißen Sonntag als Familie gemeinsam mit dem Kommunionskind zu gehen“, sagt Josef Albrecht. Papst Johannes Paul II. hatte dieses besondere Fest 2000 ins Leben gerufen –und starb just fünf Jahre später am Vorabend dieses Sonntags. Wieder nur ein Zufall? Vielleicht. Gottes Wege sind ja bekanntermaßen unergründlich.

Julia Rizzolo

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