Krötenwandern ohne Kreuzweh
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14. März 2019
Ann-Kathrin Knappe mit ihrem etwas anderen Jugend-Forscht-Projekt: Dem praktischen Wechseleimersystem für den Krötentransport Foto: Christina Benz

Mit Betriebswirtschaftslehre und Sprachen lassen sich später einmal einige Kröten verdienen. Nun sind es zunächst die oberschwäbischen Kröten, um die sich die Studentin Ann-Kathrin Knappe verdient macht. Die junge Frau hat ein Kröteneimerwechselsystem erfunden: Krötenwandern leicht gemacht. 

Ravensburg – Jetzt ist es wieder soweit: kriechender Verkehr auf Oberschwabens Straßen. Hunderte von Kröten ziehen zu ihren Laichgewässern. Fast ebenso viele ehrenamtliche Krötenfreunde erklären sich bereit, den Tieren auf ihrem todesmutigen Marsch über vielbefahrene Verkehrswege zu helfen. Etwa ab März fallen entlang der grünen Amphibienzäune, die man jetzt überall am Straßenrand sehen kann, wandernde Kröten in fest in den Boden eingelassene Eimer. Die Helfer nehmen sie heraus, zählen sie und setzen sie in einen Transporteimer, um die Tiere auf die andere Straßenseite zu bringen. Ein mühsames Unterfangen, das Stress für die Tiere und Rückenschmerzen für die Helfer bedeutet. 

Krötenretter-Familie

Die BWL- und Sprachstudentin Ann-Kathrin Knappe aus Ebenweiler kennt dieses Prozedere von Kindesbeinen an. „Meine Eltern sind Krötenretter und beteiligen sich regelmäßig bei den Aktionen. Oft klagten sie nach Einsätzen über Rückenschmerzen“, so die 23-Jährige. Am familiären Abendbrottisch entwickelte sich die Idee zu ihrem Kröteneimerwechselsystem, das gestressten Tieren und Helfern Abhilfe schafft. „Die Eimer sitzen in einem hochkant in den Boden eingegrabenen und verbleibenden Rohr. Von dort kann man sie einfach entnehmen und nach dem Transport wieder bequem hineinstellen“, beschreibt Ann-Kathrin Knappe ihre Erfindung. „Nach der Krötenwechselzeit erhält der Eimer einen Deckel, und der Straßenrand kann hindernisfrei gemäht werden.“ 

Nach etlichen Tüftelstunden mit Papa Knappe und Bruder reichte sie ihre Idee bei „Jugend forscht“ ein. „Unter Menschen, die besondere Drohnenflugzeuge oder eine ins Weltall geschickte Pflanze als Erfindung nennen konnten, betrat ich den Raum mit meinem Kröteneimer“, lacht sie. Mut und Humor wurden mit einem Preis belohnt. Und heute danken es ihr wahrscheinlich hunderte von oberschwäbischen Kröten in jenen Gemeinden, an die sie bereits ihr Wechselsystem verkauft hat, für jeweils 140 Euro: „Es braucht einen Bagger, der das Rohr in den Boden einbaut und die Einzelteile des Wechselsystems.“ Und genau diese Einzelteile, die bereits bestehend zu kaufen sind, stehen einer Patentierung des Kröten-Taxis im Wege. Ann-Kathrin Knappe freut sich dennoch, mit ihrer Erfindung zumindest eine benachteiligte Spezies zu unterstützen und begründet dies mit einem Beispiel, das aus der Betriebswirtschaft stammen könnte: „Kröten sind völlig unterschätzte Tiere“, meint sie, die sich derzeit zum Studium in Gran Canaria aufhält. „Gegenüber einem spanischen Hund, den man aus der Tötungsstation rettet, verliert die oberschwäbische Kröte selbstverständlich an Sympathiepunkten. Kleinere Tiere werden generell unterschätzt.“ Dennoch seien Kröten wichtige Mitglieder der Nahrungskette. Schlussendlich sättigen sie die Störche. 

So einfach die Idee, so genial das System, meint Ulrich Miller vom BUND Ravensburg: „Kröten wandern ganzjährig“, erklärt er. Darum seien die Rohre, die unter dem Erdboden verbleiben, perfekt. „Das sind die Innovationen, die wir brauchen“.         

Christina Benz

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